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Oldtimer-Hof – Wenn die Autos mit im Haus wohnen

Buick, Billardtisch und Bar: Ulrike und Michael Germann stehen vor ihrem momentanen Lieblingsauto.

Buick, Billardtisch und Bar: Ulrike und Michael Germann stehen vor ihrem momentanen Lieblingsauto.

Foto: Katy Krause / krk

Die Germanns teilen sich ihren alten Bauernhof bei Tornesch mit etlichen klassischen Oldtimern. Die Fahrzeuge gehören fast mit zur Familie.

Kreis Pinneberg . So etwas gibt es nun wahrlich nicht oft zu sehen: Wer das Zuhause von Michael und Ulrike Germann bei Tornesch betritt, weiß schnell, wofür ihr Herz schlägt. Denn bereits vom Flur aus gehen jeweils zwei große Räume – sogenannte Showrooms – links und rechts ab, die allein ihren Autos vorbehalten sind. Ein Wagen in der Wohnung? Ja, in der Tat. Aber es sind auch keine alltäglichen Fahrzeuge, die hier so nah bei ihren Besitzern stehen dürfen. Es handelt sich um liebevoll restaurierte und gepflegte Oldtimer.

Die glitzern mit den weißen Fliesen um die Wette, auf denen sie allerdings nur mit kleinen Teppichstücken unter den Rädern stehen dürfen. „Sonst färbt sich das dunkel ab“, erklärt Hausherr Michael Germann. Er und seine Frau haben ein Faible für alte Fahrzeuge, insbesondere alte Autos der Marke Mercedes-Benz lassen ihre Herzen höher schlagen. Germann ist sogar Mitglied in der MBIG, das steht für Mercedes-Benz InteressenGemeinschaft und stellt eine Vereinigung von Liebhabern von Mercedes-Benz-Fahrzeugen aus den Jahren 1953 bis 1991 dar.

Ein Buick von 1965 ist zurzeit das Lieblingsauto des Paares

Eine regionale Gruppe trifft sich jeden dritten Freitag im Hotel Krupunder Park in Rellingen zum Stammtisch. Bei der Mitgliedschaft in der Mercedes-Vereinigung geht es Michael Germann aber mehr um den Wissensaustausch, die verschiedenen Fachzeitschriften und die Verkaufsbörse für Ersatzteile.

Auch auf den typischen Oldtimer-Treffs sucht man das Paar vergeblich. Wenn es darum geht, die geliebten Fahrzeuge aus ihrem sicheren Unterstand zu holen, tun sich die Germanns etwas schwer. Zumindest bei schlechtem Wetter. Denn Regen sei sehr schlecht für die alten Fahrzeuge, sagt Michael Germann. Bei strahlendem Sonnenschein fahren die beiden dagegen gern an die Schlei oder an die Ostsee. Immerhin möchten die Wagen auch bewegt werden. Und für Familie, Freunde und Bekannte haben die Germann zu besonderen Anlässen Ausnahmen gemacht. Vor allem für Hochzeiten sind der schwarze Ponton mit roten Ledersitzen, Baujahr 1962, oder der schneeweißen Benz aus dem Jahr 1970, der über Automatik, elektrische Fensterheber und Klimaanlage verfügt, sehr gefragt. Bei dem weißen Benz handelt es sich allerdings um einen Zweitürer, was eine Braut mit ausladendem Kleid vor Herausforderungen stellen kann.

Deutlich größer ist da der Ami, der derzeitige Liebling des Hausherren, der auch einen Sonderplatz genießt. Denn der schwarze Buick Riviera Grand Sport (Baujahr 1965) steht als einziger Wagen im Raum links des Eingangs. Hier befindet sich zudem eine großzügige Mahagoni-Bar aus Massivholz mit Schank- und Lichttechnik, die Germann übers Internet einer Kneipenwirtin nach Geschäftsaufgabe abkaufte. An der Bar lehnt zudem eine Puppe, überall finden sich kleine Einzelstücke rund ums Thema Auto wie beispielsweise eine alte Zapfsäule. Doch der Blick bleibt trotz der vielen spannenden Spielereien am bulligen Buick kleben. Das mag auch daran liegen, dass der Wagen auf einer roten Hebebühne steht. Auch die haben sich die Germanns in ihren umgestalteten alten Bauernhof in den Wohnbereich einbauen lassen. Hebebühne und schneeweiße Fliesen: Verträgt sich das? Und wie. Germann selbst ist kein großer Bastler. „Aber manchmal sollte man schon unter den Wagen schauen können“, erklärt er die Hebebühne.

Die beiden Showrooms haben eine Grundfläche von etwa 200 Quadratmetern und bieten Platz für etwa fünf klassische Fahrzeuge, die dank der doppelflügeligen Einfahrtstüren hinein- und hinausgefahren werden können. Doch ganz so klassisch sind nicht alle Fahrzeuge. Denn bei den Germanns hat es sogar ein Trecker ins Haus geschafft. Dem grün-roten Hanomag samt Mähwerk und Dekoelementen sieht man sein Alter wahrlich nicht an. Mit dem Baujahr 1954 ist der R16 im Rentenalter angekommen. Er wird nur noch für besondere Ausfahrten, wie zur Einschulungsfahrt von Freunden auf dem Dorf, genutzt. Ansonsten darf der Trecker hier mit den anderen Oldtimern um die Wette glitzern. Vielleicht muss er auch mal den alten, ebenfalls restaurierten Westfalia-Anhänger von 1974 ziehen, aber auch das ist nur selten der Fall.

Zur Pflege des großen Geländes nutzt das Ehepaar den Hoftrecker von 1969, einen Aufsitzrasenmäher und seit Kurzem auch drei Robotermäher, die fast ein bisschen zu modern wirken. In der Garage stehen zudem weitere Oldtimer, darunter auch ein Mercedes-Bus 319, Baujahr 1960. Den Wagen in Babyblau-Weiß, der wohl einst der Feuerwehr gehörte, wie ein alter Schriftzug nahelegt, entdeckte Germann bei einer Fahrschule als Werbefahrzeug. Für den Wagen hatte Germann schon einige Kaufanfragen. Bislang mochte er sich nicht davon trennen, auch wenn er weiß, dass es eigentlich zu viele Fahrzeuge sind. „So etwas gibt es fast nicht mehr“, sagt der Oldtimerfan.

Grundsätzlich steht der Hof zum Verkauf

Mit ihrem Oldtimerhof hat sich das Paar einen Traum erfüllt. Vor etwa zehn Jahren haben sie den alten Bauernhof gekauft und aufwendig umgebaut. Zuvor hatten sie bei Kappeln gelebt, wo die Sammelleidenschaft von Michael Germann ihren Anfang nahm. Aus einer nostalgischen Idee heraus kaufte sich der gelernte Pädagoge und spätere Gebietsleiter eines pharmazeutischen Außendienstes in Norddeutschland einen alten Mercedes Ponton von 1962 und machte ihn wieder schick. Heute sind es sechs Oldtimer, zwei Trecker und ein historischer Mercedes-Westfalia-Anhänger, der einmal einer Band, dem Jochen-Brauer-Sextett, gehörte – und natürlich zwei reguläre Autos, die man auch bei Regen fahren kann.

Allerdings strebt das Paar schweren Herzens eine Veränderung an. In Kappeln in der Nähe ihrer Tochter samt deren Familie haben sie sich ein Grundstück gekauft. Sie wollen bauen und umziehen. Ein Teil der Autos kommt natürlich mit. Aber ihren Oldtimerhof werden sie zurücklassen müssen. Er steht bereits als Immobilienanzeige zum diskreten Verkauf durch Ute Quast von der Firma UC Projektentwicklung und Vermarktung in Elmshorn. Doch ein wenig Zeit habe der Auszug noch, so die beiden. Erst müsse das andere Haus fertig sein und müssen die Autos sicher überführt werden – hoffentlich regnet es dann nicht.