Pinneberg
Pinneberg

Brand bei Megabike: Angeklagter muss nun in Haft

Von einer Drehleiter aus sowie im Innenangriff bekämpfte die Feuerwehr den Brand bei Megabike. Das Geschäft musste im Anschluss mehr als sechs Monate schließen.

Von einer Drehleiter aus sowie im Innenangriff bekämpfte die Feuerwehr den Brand bei Megabike. Das Geschäft musste im Anschluss mehr als sechs Monate schließen.

Foto: Feuerwehr Pinneberg

Schöffengericht verurteilt 23-Jährigen: Indizien sprechen dafür, dass er das Feuer gelegt hat. Verteidiger kündigt Berufung an.

Pinneberg..  Johann Z. zeigte keine Regung. Dabei muss das Montag gefällte Urteil des Pinneberger Schöffengerichts für den Deutsch-Russen wie ein Schlag in die Magengrube gewirkt haben. Denn die Richter befanden den 23-Jährigen in einem Indizienprozess der Brandstiftung in dem Pinneberger Fahrradladen Megabike für schuldig und schickten ihn drei Jahre ins Gefängnis. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, Verteidiger Henry Brendel kündigte noch im Saal den Gang in die nächste Instanz an.

Laut der Anklage soll sich Johann Z. am 16. September 2017 gegen 23.50 Uhr über eine Feuerleiter auf der Rückseite Zugang zum Dach des Ladens verschafft, dort ein Oberlicht zerstört und einen brennenden Gegenstand ins Innere geworfen haben. Der 23-Jährige hatte dies stets bestritten – sowohl bei der Kripo, als auch vor Gericht.

Angeklagter war zur Tatzeit nicht zu Hause

Bei der Polizei hatte der Angeklagte angegeben, zur Tatzeit zu Hause gewesen zu sein. Eine Auswertung der Funkzellen, in denen sein Mobiltelefon eingeloggt war, ergab jedoch ein anderes Bild. „Das Handy des Beschuldigten war zur Tatzeit in der Tatortfunkzelle eingeloggt“, sagte Kripo-Beamter Frederik F. (27) am dritten und letzten Prozesstag. Eine Messung des Landeskriminalamtes habe ergeben, dass die Funkmasten in der Nähe der Brandstelle nicht an der Wohnanschrift des Angeklagten erreichbar sind.

Staatsanwalt Voigt sah sich durch diese Aussage bestätigt. „Wir haben zahlreiche Indizien und Beweise, die im Gesamtbild auf den Angeklagten und niemand anders als Täter hindeuten.“ So habe der Brandsachverständige ermittelt, dass eine Brandlegung deutlich wahrscheinlicher sei als eine technische Ursache. Es gebe Bilder einer Videokamera, auf der zur Tatzeit eine männliche Person mit verhülltem Gesicht zu sehen ist, die einen Zaun übersteigt. Eine DNA-Spur des Angeklagten sei auf der untersten Sprosse der Feuerleiter sichergestellt worden, die auf das Dach führt. Und die ausgewerteten Handydaten machen laut Voigt „den Sack zu.“ Er habe „keinen Zweifel, dass der Angeklagte den Brand gelegt hat“, so der Staatsanwalt.

Schaden auf 350.000 bis 400.000 Euro geschätzt

Er schätzte in seinem Plädoyer die Höhe des entstandenen Schadens auf 350.000 bis 400.000 Euro. Angaben, die der Besitzer des Gebäudes und Vertreter des Fahrradgeschäftes in dem Prozess gemacht haben, lassen auch eine doppelt so hohe Schadenshöhe möglich erscheinen. Laut dem Anklagevertreter liegt der Strafrahmen für Brandstiftung zwischen einem und zehn Jahren. „Drei Jahre Haft sind tat- und schuldangemessen.“

Verteidiger Brendel dagegen kam zu einem völlig anderen Schluss. „Mein Mandant ist freizusprechen.“ Der Brandsachverständige habe sich nicht auf eine eindeutige Ursache festlegen können. „Wir haben nicht mit Sicherheit feststellen können, das überhaupt eine Straftat vorliegt.“ Schon allein deshalb sei ein Schuldspruch eigentlich ausgeschlossen.

Brendel kritisierte die „miserable Ermittlungsarbeit“ der Kripo. Es seien an der Stelle, an der im Video der Überwachungskamera die vermummte Person über den Zaun klettert, weder nach Fingerabdruck- noch DNA-Spuren gesucht worden. Auch sei nie geklärt worden, ob das Oberlicht, durch das brennbare Gegenstand ins Innere gelangt sein soll, tatsächlich aufgebrochen worden ist. Und die Kripo habe nicht überprüft, wer zur Tatzeit ebenfalls in der Tatortfunkzelle eingeloggt war Brendel: „Es wurde nicht objektiv ermittelt, man hat sich frühzeitig auf diesen Beschuldigten festgelegt.“

Für eine technische Ursache spricht wenig bis gar nichts

In der Nähe der DNA-Spur seien auch Schuhabdrücke gesichert worden. Zudem habe die Person im Überwachungsvideo auffällige Kleidung getragen. „Bei meinem Mandanten wurde durchsucht, gefunden wurde weder die Kleidung noch dazu passende Schuhe.“ Die Indizien, so befand Brendel, würden „nicht einmal ansatzweise“ für eine Verurteilung ausreichen.

Richter Jens Woywod und die beiden Schöffen sahen das nach nur 20-minütiger Beratungszeit anders. „Für eine Variante musste sich das Gericht entscheiden, und wir haben nach den Plädoyers die besseren Argumente aufseiten der Staatsanwaltschaft gesehen“, so Woywod. Die Gesamtschau aller Indizien „trägt den Tatvorwurf, weswegen der Angeklagte zu verurteilen ist.“

Den Brand mit sechsstelliger Schadenssumme habe es gegeben, für eine technische Ursache spreche laut dem Sachverständigen wenig bis gar nichts. Es gebe die DNA-Spur („Wie soll die sonst dahingekommen sein?“) und die Person auf dem Video zur tatrelevanten Zeit, die durchaus auch der Angeklagte sein könne. „Ausschließen können wir ihn jedenfalls nicht.“

Johann Z. sei im brandrelevanten Zeitraum laut der Funkzellenauswertung zumindest in der Nähe des Tatortes und erst später Zuhause gewesen. Woywod: „Ein Baustein kommt zum nächsten, und so wird aus den Vermutungen letztlich Gewissheit.“ Das Schöffengericht habe nicht den geringsten Zweifel, dass der Angeklagte den Brand in dem Fahrradladen gelegt hat.

Brandstiftung: Paragraf 306 des Strafgesetzbuchs regelt die Brandstiftung. Kurz gefasst: Wer etwas anzündet, das ihm nicht gehört, muss ein bis zehn Jahre in Haft. Wird dadurch ein Mensch in Todesgefahr gebracht, liegt nach Paragraf 306b besonders schwere Brandstiftung vor. Hier beträgt die Strafe mindestens zwei Jahre. Kommt ein Mensch zu Tode (306c), so liegt sie nicht unter zehn Jahren.