Pinneberg
Pinneberg/Itzehoe

Urteil: Sechs Jahre Haft für brutalen Raubüberfall

Der Eingang zum Landgericht in Itzehoe (Symbolbild).

Der Eingang zum Landgericht in Itzehoe (Symbolbild).

Foto: Carsten Rehder / picture alliance / dpa

22-jähriger überwältigte mit zwei Komplizen einen Pinneberger in dessen Wohnhaus. Das Opfer hatte bei der Tat Todesängste.

Pinneberg/Itzehoe.  Als zwei Justizbeamte Hussein A-N. am Freitag in Handschellen in den großen Saal des Landgerichts Itzehoe führen, markiert der 22-Jährige vor den vielen Freunden im Zuschauerraum den starken Mann. Nach der Verkündung des Strafmaßes – sechs Jahre Haft – bietet der Angeklagte ein jämmerliches Bild: Den Kopf tief in den Armen vergraben, folgt der aus dem Jemen stammende junge Mann den Worten des Richters Johann Lohmann.

Der fasst zusammen, was sich am 5. Januar in einer Doppelhaushälfte in Pinneberg abspielte. Juristisch bewerten die Richter der Großen Strafkammer die Tat als besonders schweren Raub, besonders schwere räuberische Erpressung und Nötigung. Für Opfer Mathias K. war es der pure Horror. Er hatte gegen 21.15 Uhr Geräusche auf seinem Grundstück gehört. Als er nach dem Rechten sehen wollte, sah er sich drei maskierten und bewaffneten Männern gegenüber.

Die drängten den Mann zurück ins Haus, hielten ihm eine Waffe an die Stirn und forderten ihn auf, seine Wertsachen herauszugeben. Das Opfer händigte den Tätern seine Geldbörse mit 130 Euro aus. Das war denen zu wenig. Während zwei Täter den Bewohnern in Schach hielten, durchsuchte der dritte die Räume im Obergeschoss, wo er noch ein Tablet fand. Doch auch das reichte nicht. Einer der Räuber hielt Mathias K. ein Messer an den Hals, woraufhin dieser angab, wo er weitere Elektrogeräte aufbewahrte. Schließlich kamen vier Mobiltelefone, ein Festnetztelefon, ein mp3-Player, eine Sony-Playstation und eine Digitalkamera zusammen, die die Täter in eine Tasche des Opfers packten.

Sie fesselten den Hausbewohner mit Elektrokabeln an Händen und Füßen, stopften ihm einen Stoffknebel in den Mund und zogen ihm einen Kopfkissenbezug über den Kopf. „Das Opfer litt Todesangst, weil es erhebliche Schwierigkeiten hatte, Luft zu bekommen“, so der Richter. Kurze Zeit hätten die Täter jedoch die Knebelung wieder gelöst und Mathias K. aufgefordert, das Tablet und die Handys auf den Werkszustand zurückzusetzen. „Das gelang ihm jedoch aufgrund der Aufregung nicht.“

Im Anschluss nahmen die Räuber die Autoschlüssel des Hausbewohners an sich und flüchteten mit seinem Audi TT. Lohmann: „Vorher drohten sie, dass sie wiederkommen und ihn töten würden, wenn er die Polizei ruft.“ Der Richter sprach von „hoher krimineller Energie“, von einer Tat, die „angsteinflößend und demütigend“ für das Opfer war, das „im geschützten Bereich des eigenen Hauses“ überfallen worden sei.

Mathias K. konnte sich einige Zeit später selbst von den Fesseln befreien und zu den Nachbarn laufen, die sofort die Polizei riefen. Dank des gestohlenen Autos kamen die Ermittler auf die Spur des Angeklagten, der in der unmittelbaren Nachbarschaft des Opfers wohnte. Bei ihm zu Hause wurden Teile der Beute gefunden. Der 22-Jährige legte daraufhin ein Geständnis ab, gab jedoch die Namen seiner Mittäter nicht preis. Dabei blieb er auch vor Gericht. Laut seiner Darstellung handelte es sich um zwei Rumänen, von denen er nur die Vornamen wisse und die er fünf Tage vor der Tat beim Feiern in der Silvesternacht kennengelernt haben will.

Beim zweiten Treffen hätten die Bekannten ihn überredet, bei einem Einbruch mitzumachen. Er habe dann das Haus in seiner Nachbarschaft vorgeschlagen. An der Fesselung und Bedrohung des Opfers sei er nicht beteiligt gewesen. Die Geschichte mit den Rumänen nahmen die Richter Hussein A-N. nicht ab. Lohmann: „Es handelt sich um eine Schutzbehauptung, mit der Sie Ihre Tatbeiträge reduzieren wollen.“ Der Angeklagte habe erheblich zum Geschehen beigetragen, das – anders als behauptet – nicht als Einbruch geplant war. „Sie hatten keine Einbruchswerkzeuge dabei, wohl aber Maskierungen, Messer und Schreckschusspistole.“ Zudem sei anhand des Fahrzeugs erkennbar gewesen, dass sich jemand im Haus aufhalte.

„Es handelt sich um eine sehr schwere Tat, für die wir auch eine höhere Strafe hätten verhängen können“, so der Richter. Geständnis, fehlende Vorstrafen und das junge Alter des Angeklagten seien strafmildern eingeflossen. Der Staatsanwalt hatte sechseinhalb Jahre Haft, Verteidiger Henry Brendel drei Jahre Gefängnis gefordert.

Die Freunde im Gerichtssaal, die der gesamten Verhandlung gefolgt waren, feierten den Angeklagten wie einen Helden. „Sei stolz, Dicker, du kommst schon wieder raus“, rief ihm einer nach, als die Justizbeamten Hussein A-N. abführten.