Pinneberg
Elmshorn

„Herr Gott, nimm mich, verschon’ die anderen!“

Dreh fürs Kulissenbild: Schimmel und Reiter rasen in St. Peter-Ording am Strand entlang.

Dreh fürs Kulissenbild: Schimmel und Reiter rasen in St. Peter-Ording am Strand entlang.

Foto: Dittchenbühne

„Der Schimmelreiter“ wird von der Dittchenbühne in Elmshorn aufgeführt. Das Theater hat an der Nordsee gefilmt – für das Bühnenbild.

Elmshorn.  Bühnenbilder kosten viel Geld. Wenn die Kulissenteile dann noch auf einer Tournee transportiert werden müssen und im schlimmsten Fall im Lkw an der Grenze festsitzen, wird’s nochmal teurer. Das war einer der Gründe, warum die Leitung des Elmshorner Forum BaltikumDittchenbühne vor drei Jahren einen Projektor angeschafft hat. Für ihre jüngste Aufführung, die am 30. August Premiere hat, kommt der jetzt ganz groß zum Einsatz. Filmbild statt Bühnenkulissen.

Eine besonders dramatische, ein bisschen unheimliche Atmosphäre braucht die Dramatisierung von Theodor Storms berühmtester Novelle „Der Schimmelreiter“, an der die Schauspieler der Dittchenbühne zurzeit proben. Um den richtigen nordfriesischen Hintergrund mit Deichlandschaft dafür zu schaffen, sind einige Schauspieler und die Techniker der Theatertruppe im Juni nach St. Peter-Ording gefahren, um Filmaufnahmen zum Stück zu machen.

Theater engagiert Stuntmann für "Schimmelreiter"

Damit der Schimmel auch ordentlich dramatisch geritten wird, hat das Theater für diese Aufnahmen eigens einen Stuntman engagiert. Szenen wie die, als der Hauptfigur Hauke Haien das Pferd übergeben wird, sind aber mit den echten Schauspielern gedreht worden. Die Filmaufnahmen verschmelzen dann später mit dem Bühnengeschehen, sagt der Leiter der Dittchenbühne, Raimar Neufeldt.

Storms Novelle, die aus dem schweren, hochdramatisch endenden Leben des Landvermesser-Sohnes Hauke („Herr Gott, nimm mich, verschon’ die anderen!“) erzählt, enthält einen Zeitsprung, der in der Aufführung durch eine Erzählerfigur überbrückt wird. Von den Storm’schen Dialogen hat Raimar Neufeldt, der die Theaterfassung geschrieben hat, aber möglichst viel erhalten.

Was im nordfriesischen Watt gefilmt wurde, wird im Theater an die hintere Bühnenwand projiziert, ohne dass dadurch Schatten entstehen.

Tournee durch die baltischen Staaten

Auch mit diesem sehr norddeutschen Stück gehen die Schauspieler wieder auf Tournee durch die baltischen Staaten. Im Unterschied zu Elmshorn, wo das Publikum der Bühne eher der älteren Generation angehört, kommen in den baltischen Ländern, wo das Interesse an der deutschen Kultur und Sprache steigt, 70 Prozent Jugendliche in die Aufführungen. Gezielt werden die Stücke aber auch für die dort verbliebene deutsche Minderheit mit erweitertem Deutschunterricht gespielt.

Über die Ursprünge des „Schimmelreiters“ weiß Neufeldt Interessantes zu erzählen: Der „Schimmelreiter“, so seine wichtigste Schlussfolgerung, kommt nämlich eigentlich von der Weichsel. Seine Erklärung: Storm, der ein patriotischer Schleswig-Holsteiner war, habe eine ähnliche Geschichte in der Zeitschrift „Danziger Dampfboot“ gelesen und sie dann in die Nordseelandschaft übertragen. So kam diese alte Sage dann in die norddeutschen Gefilde.