Pinneberg
Wirtschaft

Die Firma Schoenrock macht die Schotten dicht

Geschäftsführer Volker Behrens an einer der hydraulisch betriebenen Schottschiebetüren aus dem Hause Schoenrock in Tornesch.

Geschäftsführer Volker Behrens an einer der hydraulisch betriebenen Schottschiebetüren aus dem Hause Schoenrock in Tornesch.

Foto: Burkhard Fuchs

Heute in der Serie „Wo in aller Welt“: Das Tornescher Unternehmen ist Spezialist für Ladeluken und Türen zum Beispiel auf Kreuzfahrtschiffen.

Tornesch. Wenn es um wasserdichte Türen, Tore, Luken und Rampen im Schiffbau geht, ist das Unternehmen Schoenrock seit fast 70 Jahren ein Begriff in der Marine- und Schiffbauindustrie. 1951 in Hamburg als Familienbetrieb gegründet, später nach Schenefeld verlagert, hat sich das Unternehmen Schoenrock Hydraulik Marine Systems GmbH jetzt eines der letzten freien Grundstücke im Business-Park in Tornesch gesichert. Für 5,5 Millionen Euro hat das wachsende Unternehmen mit seinen zurzeit 35 Mitarbeitern ein 8000 Quadratmeter großes Areal erworben und für 5,4 Millionen Euro eine 3800 Quadratmeter große Fertigungshalle mit 750 Quadratmetern Büroflächen errichten lassen.

In Schenefeld stieß Firma an die Kapazitätsgrenzen

„Dieser neue Standort ist ideal für uns, wir haben jetzt überhaupt keine Platzprobleme mehr“, sagt Schoenrock-Geschäftsführer Volker Behrens. Er ist auch Minderheitsgesellschafter des Unternehmens, das mehrheitlich zu der norwegischen IMS-Gruppe gehört. Letztere fertig alle möglichen Komponenten und Sicherheitssysteme für den weltweiten Schiffbau an. „Wir können hier jetzt unsere Produktion in linearen, genau abgestimmten Arbeitsschritten ablaufen lassen“, berichtet der Schoenrock-Chef. Das spare Zeit und unnötiges Hin- und Hertransportieren der Werkstoffe und schweren Stahlteile.

Die Teile können in Tornesch jetzt nicht nur entwickelt, konstruiert, zusammengesetzt und geschweißt, sondern erstmals auch direkt vor Ort lackiert werden. In Schenefeld dagegen stieß das Unternehmen bereits an seine Platz- und Kapazitätsgrenzen. Bestimmte Arbeiten ließen sich nicht mehr machen. Für die Herstellung größerer Tore, Türen und Ladeluken, die zum Teil fast 100 Quadratmeter groß und bis zu 20 Tonnen schwer sein können, fehlte der Platz.

Das Hauptgeschäft von Schoenrock war lange Zeit der Bau von wasserdichten Schott-Schiebetüren. Davon wurden 2018 mit 130 Stück im Jahr die Mehrzahl der Produkte gefertigt, erläutert Geschäftsführer Behrens. In diesem Jahr seien es sogar schon 108 dieser Schottschiebetüren gewesen, die praktisch überall an Bord eingebaut würden, wo es Durchgänge gebe, die vor einfallendem Wasser geschützt werden müssen. Seit 2012 sei verstärkt der Bau von Außenhautpforten sowie von Lade- und Decksluken hinzugekommen, die weitaus größer, anspruchsvoller und individueller konstruiert werden müssten. Diese beiden anderen Produktionsbereiche machten inzwischen mehr als die Hälfte des Jahresumsatzes aus, der zurzeit bei 6,5 Millionen Euro liege, erklärt Behrens. Obwohl 2018 nur 15 Außenhautpforten – also wasserdicht abschließbare Öffnungen im Schiffsrumpf wie zum Beispiel bei Fähren – und neun Ladeluken für zu schließende Maschinen- und Materialräume gefertigt worden seien.

Europa 2 fährt mit Türen, Toren und Luken aus Tornesch

Schoenrock baut und fertigt in der Regel für die Werftindustrie. So sind gerade für die Flensburger Schiffbaugesellschaft große Schottschiebtüren angefertigt worden, die demnächst auf den RoRo- Fährschiffen zwischen den britischen Inseln und Frankreich zum Einsatz kämen. Auch die Viking- und Neptun-Reedereien hätten für ihre Donau- und anderen Flusskreuzfahrtschiffen wasserdichte Schotten aus Tornesch bestellt. Das Luxus-Kreuzfahrtschiff Europa 2 sei sogar mit 40 Türen, Toren und Luken von Schoenrock bestückt worden, berichtet Behrens. Und auch die neue Fregatte 125 der Bundesmarine fährt mit Schoenrock-Türen und –luken zu ihren Einsätzen in Nord- und Ostsee, berichtet der Geschäftsführer. Dieser war selbst viele Jahre als Schiffsingenieur und Offizier auf einem Zerstörer der Bundesmarine unterwegs.

Bislang hatte sich das Unternehmen meist auf die hydraulische Technik konzentriert. Doch für die Meyer-Werft in Papenburg, die ja große, teure Luxus-Yachten baut, würde gerade ein Prototyp entwickelt, der die Hydraulik durch elektrisch betriebene Schließsysteme ersetzt, kündigt Behrens an. Das erfordere ein ganz neues Design und eine andere Konstruktion, um die Türen nicht mehr mit Öldruck, sondern mit elektrischer Energie wasserdicht abzuschließen. Für den Schiffseigner und die Passagiere brächte das mehr Komfort und Schutz vor möglichem Ölaustritt.

Alle Schließsysteme von Schoenrock ließen sich ohnehin nicht nur per Hand, sondern im Notfall oder bei Bedarf auch ferngesteuert vom Kapitänsdeck aus bedienen.

Diese verschiedenen Produktionsbereiche und Anwendungen würden das Unternehmen weitgehend von den üblichen Krisen im Schiffbau schützen, ist Behrens überzeugt. So boome zurzeit die Kreuzfahrt- und Marineindustrie, während der Offshore-Schiffbau schwächele. Bei den Kreuzfahrern gehe der Trend zu kleineren Schiffstypen, sogenannten „Expeditionscruisern“, die die Arktis und Antarktis direkt ansteuern könnten. Auch darauf stelle sich das Schiffbau-Unternehmen in Tornesch ein, das Behrens vom Marktanteil als „Nummer 3 im Markt“ einstuft. In den kommenden fünf Jahren soll es weiter wachsen, kündigt der Schoenrock-Chef an. Den Jahresumsatz möchte er bis dahin auf zehn Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter auf 50 steigern, so Behrens. „Der verkehrsgünstige Standort hier direkt an der Autobahn ist dabei ideal für uns.“