Politik und Verwaltung

Pinnebergs Rathaus hat jetzt eine Doppelspitze

Stefan Bohlen (r.) vor der Sitzung im Gespräch mit dem Grünen Fraktionssprecher Joachim Dreher.

Stefan Bohlen (r.) vor der Sitzung im Gespräch mit dem Grünen Fraktionssprecher Joachim Dreher.

Foto: Thomas Pöhlsen

CDU, Grüne und FDP wählen Stefan Bohlen zum ersten hauptamtlichen Stadtrat von Pinneberg. Zu Beginn gab es 19 Kandidaten.

Pinneberg. Der Neue ist bereits eine Viertelstunde vor Sitzungsbeginn da, als sich erst wenige Zuschauer und Politiker im Pinneberger Ratssaal eingefunden haben. Stefan Bohlen geht herum, begrüßt jeden mit freundlichem Blick und schüttelt Hände. Er macht Smalltalk. Dunkelblaues Sakko, Sneakers – auch optisch zieht Neues ins Rathaus ein. Die nach und nach eintrudelnden Ratsmitglieder erkennen die zukünftige Nummer zwei der Pinneberger Stadtverwaltung und sprechen Bohlen an. Und es wird klar: Hier sucht einer von Anfang an den Kontakt, ist aufgeschlossen und will ansprechbar sein.

19 Kandidaten standen am Anfang des Verfahrens

Stefan Bohlen ist am Donnerstagabend mit deutlichem Votum zum hauptamtlichen Stadtrat der Stadt Pinneberg gewählt worden. Die Fraktionen von CDU, Grünen & Unabhängigen sowie FDP hatten den 36-Jährigen vorgeschlagen und mit ihren Stimmen ins Amt gehoben. Bürgernahe und SPD enthielten sich. Gegenstimmen waren aufgrund der Regularien nicht möglich. Die Wahl ist eine Premiere für die Stadt Pinneberg. Die Stadtverwaltung bekommt ihren ersten hauptamtlichen Stadtrat. „Immer nah dran an der Kommunalpolitik, mittendrin in der Verwaltung und immer mit einem offenen Ohr für die Belange der Bürgerinnen und Bürger“, so will Bohlen seine neue Aufgabe erfüllen.

19 Kandidaten hatten am Anfang eines mehrstufigen Bewerbungsverfahrens für das Amt des Stadtrates gestanden. Die drei Fraktionen hatten sich am Ende auf Bohlen als zukünftigen Stadtrat geeinigt. Weitere Kandidaten waren nicht vorgeschlagen worden.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Florian Kirsch bekannte, dass Bohlen von Anfang an der Favorit seiner Partei war. Die „kooperativen Fähigkeiten“ Bohlens lobte der FDP-Fraktionschef Werner Mende. Der Grünen-Fraktionssprecher Joachim Dreher bedauerte, dass sich die SPD, die die Schaffung eines hauptamtlichen Stadtrates einst in die Diskussion gebracht hatte, nicht zu einer Unterstützung Bohlens habe durchringen können.

In seiner Bewerbungsrede hatte Stefan Bohlen die Digitalisierung der Verwaltung („die Bürger müssen davon profitieren“), die Stadtentwicklung mit der Ausweisung weiterer Gewerbeflächen sowie die Personalentwicklung im Rathaus angesichts des demografischen Wandels als die größten Herausforderungen benannt. Wichtigstes Ziel sei es für ihn, die Stadtverwaltung fit für die Zukunft zu machen. Der gebürtige Wilhelmshavener, der am Jadebusen aufgewachsen ist, setzt bei seiner Arbeit auf einen Dreiklang aus Ökonomie, Ökologie und sozialer Leistungsfähigkeit. Für sein Arbeitsmotto bediente sich Blohm eines Satzes, den der griechischen Gelehrte Aristoteles gesagt haben soll: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“

Neuer Spitzenbeamter soll am 1. September starten

Bohlen hat Public Management an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) studiert. Er arbeitete in Hamburg in der Behörde für Schule und Berufsbildung und im Bezirksamt Altona sowie im schleswig-holsteinischen Bildungsministerium. Im Frühjahr 2018 wechselte Bohlen aus der Landeshauptstadt nach Mildstedt an der Nordseeküste. Er war zum Leitenden Verwaltungsbeamter des Amt Nordsee-Treene gewählt worden, das eine der größten Amtsverwaltungen in Schleswig-Holstein hat. Als Verwaltungschef ist er derzeit noch unter anderem für 27 amtsangehörige Gemeinden in der Nähe der Stadt Husum zuständig.

Bohlen bekannte sich vor den Pinneberger Räten zu seiner Mitgliedschaft in der CDU. Für die Christdemokraten hatte er sich in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord engagiert. Er äußerte den Wunsch, sich gern mit verschiedenen politischen Meinungen auseinandersetzen zu wollen. Eine Grenze zog er jedoch ein, wenn es um politische Diskussionen geht. Die Auseinandersetzung müsse auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stattfinden, sagte Bohlen.

Nach der Sitzung kamen noch die SPD-Fraktionsvorsitzende Angela Trabold sowie der SPD-Ortsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Kai Vogel auf Bohlen zu, gratulierten ihm zur Wahl und äußerten den Wunsch nach einer guten Zusammenarbeit.

Bohlen, der seit 15 Jahren im Norden Hamburgs lebt, wird am 1. September sein Amt in der Bismarckstraße antreten. Er und Bürgermeisterin Urte Steinberg – die Verwaltungschefin weilte während der Ratsversammlung im Urlaub – leiten jeweils eines der Dezernate der Stadtverwaltung. In seinen Zuständigkeitsbereich werden die Eigenbetriebe sowie die Fachbereiche Innere Service und Bürgerservice fallen.