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Kreis Pinneberg

Gesucht: Ein Plan für ein lebendigeres Rellingen

Bürgermeister Marc Trampe und Bürgervorsteher Hans-Günther Reinke am Rellinger Arkadenhof gegenüber vom Rathaus.

Bürgermeister Marc Trampe und Bürgervorsteher Hans-Günther Reinke am Rellinger Arkadenhof gegenüber vom Rathaus.

Foto: Katja Engler

Bürgermeister und Bürgervorsteher wollen ein Ortsentwicklungs-Konzept für Rellingen auf die Beine stellen und die ganze Gemeinde einbeziehen.

Rellingen.  Aus der Position der eigenen Stärke heraus soll Rellingen noch attraktiver werden: Am Donnerstag haben Bürgermeister Marc Trampe und Bürgervorsteher Hans-Günther Reinke verkündet, was die örtlichen Politiker im Mai beschlossen hatten. Mehrfach betonte Trampe, er sei in der glücklichen Lage, kein Krisenmanagement betreiben zu müssen. Dennoch sei man sich in Rellingen bewusst, dass frühzeitig etwas geschehen müsse, damit der Ort auch in zehn oder 15 Jahren gern besucht werde.

Der Leerstand in dem 14.700-Einwohner-Ort liegt bei traumhaft niedrigen fünf Prozent. Das ist also nicht das Problem, ebenso wenig wie die kostenfreien und meist ausreichend vorhandenen Parkplätze. Vielmehr soll an vielen kleinen Stellschrauben gedreht werden, damit Rellingen noch besser dasteht und zukunftsfähig bleibt.

Trampe will da nichts auslassen, aber vor allem sollen an dem Ortsentwicklungs-Konzept, das ein erfahrenes Stadtplanungsbüro erarbeiten soll, Jung und Alt mitwirken: „Wir möchten das gemeinsam entstehen lassen, Bürger, Kinder und Jugendliche, Eigentümer, die Wirtschaft, Politik und Verwaltung intensiv beteiligen“, erklärt der Rathauschef. 35.000 Euro soll das kosten. Der Bürgermeister hofft, dass das Land 65 Prozent davon übernimmt. Im zweiten Halbjahr 2020 soll das Konzept stehen und veröffentlicht werden. „Qualität geht hier vor Eile“, so Trampe.

Nicht nur über Info-Veranstaltungen soll das geschehen. Sondern auch die sozialen Medien sollen ins Spiel kommen, über die sich dann vor allem die Jugend einbringen könne. Die recht einheitliche Ortsgestaltung mit halbhohen, rot geklinkerten Gebäuden stammt aus den 1980er Jahren. „Sie ist in die Jahre gekommen“, sagt Reinke, der es gut findet, wenn alte Bausubstanz und neue Häuser nebeneinander existieren.

Die Hauptstraße durchschneidet das Ortszentrum und teilt es in der Mitte. Da sie eine Landesstraße ist, über die im Notfall der Autobahnverkehr umgeleitet wird, ist daran nicht zu rütteln. Platz für eine Ortsumgehung, die den Verkehrslärm aus der City entfernen würde, gibt es nicht. Dennoch soll, was die Mobilität angeht, alles auf den Prüfstand gestellt werden. Dazu gehören auch die aktuellen Fahrradwege und die Zahl der Fahrradstellplätze.

Tabus soll es bei der Betrachtung des Rellinger Ortskerns nicht geben, den der Bürgervorsteher von der Autobahn bis zum Stawedder eingrenzt. Solle in dieser Ausdehnung etwas geschehen, müssten die Eigentümer mitziehen, sagt Reinke, der seit 70 Jahren in Rellingen lebt und im Ort sehr viele Leute kennt.

„Ist der Arkadenhof noch okay?“ Auch eine solche Frage müsse erlaubt sein. In jedem Fall sieht Trampe beim gastronomischen Angebot Luft nach oben: „Wir haben eine vernünftige Gastronomie, aber da geht mehr. Es fehlt ein zusätzliches Café, zum Beispiel im Arkadenhof, der belebt werden muss. Aber wir brauchen jemanden, der sagt: Ich mache das.“

Die Außendarstellung von Rellingen ist das nächste, was Trampe sich vorknöpfen möchte: „Wie können wir besser unsere Stärken herausstellen? Wie das Thema Online-Shopping für den stationären Handel nutzen?“ Darüber macht er sich Gedanken. Und über eine Rellingen-App. Schließlich sei gute Beratung im Fachgeschäft ein unersetzbares Plus, ebenso wie die Möglichkeit, das Gewünschte im Geschäft abholen zu können, anstatt auf die Öffnungszeiten von Post oder Paketshop angewiesen zu sein.

„Man muss anerkennen, dass Rellingen ein Stück weit langweilig ist“, räumt Trampe ein. Klar sei, dass es zu wenig Events gebe. Maifest, Apfelfest, Weihnachtsmarkt – und dann sei Schluss. „Das wollen wir stärken. Wenn wir die Menschen vom Rechner wegholen wollen, müssen wir Events auf die Beine stellen.“ Er und Reinke können sich da auch gut kleinere Veranstaltungen mit weniger Aufwand vorstellen, zum Beispiel Open-Air-Konzerte.

In Rellingen gebe es eine hohe Bereitschaft, sich einzubringen. Trampe ist zuversichtlich: „Ein Budget, um das alles umzusetzen, ist die Konsequenz daraus.“