Pinneberg
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Mann steht nach legalem Waffenkauf am Pranger

Hagen Hamm aus Pinneberg vor seinem leeren Waffenschrank

Hagen Hamm aus Pinneberg vor seinem leeren Waffenschrank

Foto: Arne Kolarczyk

Weil die Waffenbehörde vor Jahrzehnten einen Fehler gemacht hat, hört für den Pinneberger Hagen Hamm der Behördenärger nicht auf.

Pinneberg. Vier Jahre ist es her, dass Hagen Hamm Besuch von zwei Kripo-Beamten erhielt. Die Folgen sind für ihn bis heute spürbar. Die Polizisten beschlagnahmten damals sechs historische Waffen, die der Pinneberger 23 Jahre zuvor legal erworben hatte. Verkauft hatte sie ihm ein Mitarbeiter der Waffenbehörde des Kreises Pinneberg. Dieselbe Behörde ließ die Schießeisen mehr als zwei Jahrzehnte später beschlagnahmen – weil der damalige Mitarbeiter beim Eintrag in die Waffenbesitzkarte des Pinnebergers einen Fehler gemacht hatte.

Ein Fehler, für den Hagen Hamm nichts konnte. Ein Fehler, der ihn jedoch Zeit, Nerven und viel Geld kostete. „Seitdem habe ich 10.000 Euro ausgeben müssen“, so der 59-Jährige. Denn auf die Beschlagnahmung folgte eine Anzeige wegen unerlaubten Waffenbesitzes – und der Widerruf aller waffenrechtlichen Erlaubnisse seitens des Kreises. Die Begründung: Der Pinneberger verfüge nicht mehr über die erforderliche Zuverlässigkeit, die für einen Besitz von Waffen erforderlich ist.

„Das ist ehrverletzend“, sagt der 59-Jährige, der in der Kreisstadt fünf Firmen, darunter ein Autoteile-Kaufhaus, betreibt und für die Polizei sichergestellte Autos verwahrt. Hagen Hamm hatte sich nach seiner Schulzeit als Zeitsoldat verpflichtet, ist heute Oberstabsfeldwebel der Reserve und stellvertretender Kreisvorsitzender des Reservistenverbandes. Er leitet das Technikmuseum des Verbandes der Reservisten auf dem Gelände der Unteroffizierschule in Appen. Und er ist als Sportschütze in mehreren Vereinen aktiv.

Wegen angeblicher Unzuverlässigkeit musste er alle seine Waffen abgeben


Die 24 Waffen, die er besaß, musste er jedoch wegen der angeblichen Unzuverlässigkeit sofort abgeben. „Jede einzelne Waffe wurde anschließend aus der Waffenbesitzkarte ausgetragen, für jede Austragung musste ich Gebühren zahlen“, so Hamm. Sie sind seitdem sicher eingelagert. Die Kosten dafür trägt der 59-Jährige.

Und das alles, weil der Pinneberger 1992 die Kreisverwaltung aufsuchte. „Damals wollte ich mehrere Sportwaffen anmelden“, erinnert sich Hagen Hamm. In dem Gespräch habe ihm der – inzwischen verstorbene – Mitarbeiter der Waffenbehörde erzählt, dass kurz zuvor eine Frau nach dem Tod ihres Mann mehrere historische Waffen von 1883 abgegeben habe. „Er fragte mich, ob ich nicht diese Waffen erwerben möchte. Der Preis war gut und ich dachte, dass diese vielleicht noch einmal an Wert gewinnen würden.“ Hagen Hamm machte den Kauf perfekt, ließ sich die Neuerwerbungen in seiner Waffenbesitzkarte eintragen und schloss die historischen Schießeisen Zuhause im Stahlschrank ein.

Im Oktober 2015 erreichte den heute 59-Jährigen ein Fragebogen des Kreises. „Ich sollte auflisten, wie viele und welche Waffen ich besitze.“ Der heute 59-Jährige beantwortete dies wahrheitsgemäß – und bekam kurze Zeit später Besuch von der Kripo. Hagen Hamm: „Es stellte sich heraus, dass der damalige Mitarbeiter der Waffenbehörde einen falschen Eintrag in der Waffenbesitzkarte vorgenommen hatte.“ Dort waren die historischen Waffen als einschüssig aufgeführt, obwohl mehrere Patronen geladen werden konnten. Eine Waffe hatte die geforderte Sperre, wurde aber dennoch beschlagnahmt.

„Anstatt die Waffenbehörde ihren Fehler korrigiert, hat sie mich mit einem Strafverfahren überzogen“, so der Pinneberger.

Hagen Hamm hat erneut Klage eingereicht - wegen Rechtsbeugung


Hagen Hamm nahm sich sofort einen Anwalt. Der erreichte, dass das Verfahren wegen unerlaubten Waffenbesitzes gerichtlich eingestellt wurde. Die Aberkennung der waffenrechtlichen Erlaubnisse wegen Unzuverlässigkeit aber aus Sicht der Waffenbehörde blieb. Dagegen reichte der Pinneberger Klage vor dem Verwaltungsgericht in Schleswig ein, wo er im Juni 2018 einem vom Richter vorgeschlagenen Vergleich zustimmte.

Demnach sollte Hagen Hamm die Klage zurückziehen – und der Kreis ihm im Gegenzug die Zuverlässigkeit attestieren und ihn nicht als Neubesitzer behandeln. „Ich hatte erwartet, dass damit der alte Zustand wieder hergestellt wird“, sagt der 59-Jährige. Doch das passierte nicht. Die Waffenbehörde behandelt den 59-Jährigen dennoch als Neubesitzer. Diese dürfen innerhalb von sechs Monaten nur zwei Waffen erwerben. „Ich bekomme seitdem alle sechs Monate zwei Waffen zurück, die übrigen werden weiterhin auf meine Kosten sicher verwahrt“, so Hagen Hamm. Er hat nun erneut Klage vor dem Verwaltungsgericht gegen den Kreis eingereicht – wegen Rechtsbeugung. Auch klagt der Pinneberger auf Übernahme sämtlicher Verfahrenskosten durch den Kreis. Hagen Hamm: „Die Waffenbehörde des Kreises schießt aus meiner Sicht weit über das Ziel hinaus und hält sich nicht an das Waffengesetz.“

Der Kreis sieht das anders. „Wir halten uns natürlich an Recht und Gesetz“, sagt dazu Kreissprecher Oliver Carstens. Details zu diesem Fall könne er aber leider keine nennen. „Wir als Kreis nehmen grundsätzlich keine Stellung zu Dingen, die Bestandteil eines gerichtlichen Verfahrens sind.“