Quickborn/Pinneberg

Syrischer Kinderarzt bestellt im Darknet Falschgeld

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Arne Kolarczyk
Drei gefälschte 50-Euro-Banknoten ließ sich der Angeklagte über das Darknet kommen (Symbolbild).

Drei gefälschte 50-Euro-Banknoten ließ sich der Angeklagte über das Darknet kommen (Symbolbild).

Foto: Fabian Sommer / picture alliance / Fabian Sommer/dpa

Omar A. muss sich in Pinneberg vor dem Schöffengericht wegen versuchter Geldfälschung verantworten. Beim Urteil kommt er aber glimpflich davon.

Quickborn/Pinneberg.  Omar A. ist Asylbewerber, kommt aus Syrien und lebt in Quickborn. In seiner Heimat war er Kinderarzt. Mit seinen zurückgebliebenen Landsleuten kommuniziert er über das Darknet – weil das freie Internet in Syrien angeblich überwacht wird. Im Darknet stieß der 36-Jährige auch auf die Möglichkeit, sich gefälschte Euronoten zu beschaffen. Weil er eine Bestellung aufgab, landete er am Mittwoch vor dem Pinneberger Schöffengericht. Der Vorwurf: versuchte Geldfälschung.

Drei falsche Fünfziger ließ sich Omar A. kommen. Und zwar auf dem Postweg. Der Absender stammt aus den Niederlanden – und wickelte die Bestellung tatsächlich postalisch ab. Der Umschlag mit den drei „Blüten“ kam allerdings nie in Quickborn an. Beim Hauptzollamt in Köln wurde ein Beamter misstrauisch. Er öffnete die Sendung, überprüfte die Echtheit des Geldes und schlug Alarm. Wenig später stand dank der Empfängeradresse auf dem Umschlag die Kriminalpolizei bei dem Asylbewerber vor der Tür, durchsuchte seine Wohnung und beschlagnahmte den Rechner des Mannes, der derzeit Sprachkurse macht und mit seiner Familie auf staatliche Leistungen angewiesen ist.

Der versuchte vor Gericht, den Fall herunterzuspielen. „Meinem Mandanten war nicht bekannt, dass es sich dabei in Deutschland um einen Verbrechenstatbestand handelte“, sagte Verteidiger Henry Brendel. Den Bestellvorgang räume der Angeklagte ein, so der Anwalt weiter. „Er hat das auch nicht aus Spaß gemacht, er wusste, dass es sich um Totalfälschungen handelt“, so Brendel weiter. Sein Mandant sei quasi der Versuchung erlegen, habe sich keine Gedanken um die Konsequenzen gemacht. Dem Darknet „haftet immer ein krimineller Beigeschmack an“, so der Jurist. Der Angeklagte nutze es jedoch zur Kommunikation mit politisch verfolgten Landsleuten, um der staatlichen Überwachung zu entgehen. Für die Blüten habe er 20 Euro in einer Kryptowährung gezahlt. „Ihm tut das leid, er bedauert seinen Fehler außerordentlich.“

Der Gesetzgeber verstehe „keinen Spaß, wenn es um die Fälschung von Zahlungsmitteln geht“, sagte Staatsanwalt Hendrik Schwitters. Es handele sich dabei um einen Verbrechenstatbestand, der mit einer Haftstrafe von nicht unter einem Jahr bestraft werde. Schwitters: „Die Höchststrafe liegt bei 15 Jahren.“ Weil es sich hier nur um einen Versuch handele, liegt laut dem Anklagevertreter ein minderschwerer Fall vor, der eine Strafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren nach sich ziehe. Der Angeklagte habe ein Geständnis abgelegt, verfüge über eine profunde Ausbildung und habe sich bisher in Deutschland straffrei verhalten. Und es wurde ihm leicht gemacht. Schwitters: „Früher hat man sich in einer dunklen Bahnhofsecke zur Übergabe getroffen, heute genügt ein Klick im Netz.“ Daher sei die Verhängung einer Haftstrafe unnötig. Schwitters beantragte eine Bewährungsstrafe von vier Monaten, die in eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je zehn Euro umgewandelt werden sollte.

Verteidiger Brendel bat um eine noch niedrigere Strafe. Sein Mandant wolle in Deutschland als Arzt arbeiten und habe auch die Chance zu praktizieren, wenn er die Sprache beherrsche und eineinhalb Jahre im Krankenhaus hospitiert habe. Brendel: „Alles, was über 90 Tagessätze liegt, wird ins Führungszeugnis eingetragen.“ Das könnte dem 36-Jährigen die Chance verbauen. Auch die angesetzte Höhe der Tagessätze sah der Verteidiger kritisch. Er regte eine Verurteilung zu 60 Tagessätzen von jeweils acht Euro an.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Jens Woywod fand einen Kompromiss, verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils acht Euro. „90 Tagessätze werden nicht im Führungszeugnis eingetragen, wir nehmen damit die Anregung der Verteidigung auf“, so Woywod. Es handele sich hierbei um einen minderschweren Fall, das Urteil entspreche umgerechnet einer dreimonatigen Bewährungsstrafe.

Dem Angeklagten wurde vom Gericht eine Ratenzahlung gestattet. Und er erhält seinen Computer zurück.

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