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Drei, zwei, eins, Trance – ein Selbstversuch

Der Hypnotisand soll sich komplett auf sein Inneres konzentrieren und einen Zustand innerer Ruhe erreichen.

Der Hypnotisand soll sich komplett auf sein Inneres konzentrieren und einen Zustand innerer Ruhe erreichen.

Foto: Alexander Sulanke

Paul Philipp Altmann hat Hypnosecoaches an der VHS in Quickborn ausgebildet. Abendblatt-Mitarbeiterin Bianca Bödeker hat es ausprobiert.

Quickborn. Festen Blickes fixiere ich den Zeigefinger des Hypnotiseurs, bis meine Oberlider müde flackern. Dieser fordert mich nun auf, die Augen zu schließen, lädt mich ein zu geistiger Entspannung. Als er auf eins herunterzählt, kippt mein Kopf langsam nach vorn. Ich bin entspannt. Tiefenentspannt – bei wachem Bewusstsein – sitze ich auf meinem Stuhl. Ich fühle mich leicht. Ruhe in mir. Mein Atem ist gleichmäßig. Es ist für mich das Normalste der Welt, mit einem bis vor Kurzem fremden Menschen über meine innersten Gefühle zu sprechen. So bin ich als Hypnotisand mittendrin in meinem Selbstversuch.

Der Hypnosefachdozent Paul Philipp Altmann ist 25 Jahre alt und wird hier an der Volkshochschule Quickborn am 15. und 16. Juni in einem Workshop Interessierten die Grundlagen der Hypnose vermitteln und sie zu Hypnosecoaches ausbilden. So, dass sie anschließend in der Lage sind, andere Menschen mit verschiedenen Hypnosetechniken im Rahmen einer Sitzung zu betreuen. Sie lernen dabei den kompletten Ablauf kennen – mit Vorgespräch, Vortest und gezielter Trance, mit Herausführen aus der Hypnose, Nachgespräch und auf Wunsch auch einer Selbsthypnose.

Die Hypnose (abgeleitet vom griechischen „hypnos”, Schlaf) ist fast 4000 Jahre alt. Bereits in frühesten Kulturen war die gezielte Veränderung vom Bewusstseins- in den Trancezustand fester Bestandteil in Heilritualen. „Sie ist ein toller Begleiter und eine echte Lebenshilfe für jede Lebenssituation“, sagt Altmann. Wichtig sei die innere Bereitschaft, Ja zu sagen zur Hypnose. Sprich: sich zu öffnen und fallenzulassen. Um dann in einer oder mehreren Sitzungen seine persönlichen Themen anzugehen: Sei es, um Blockaden oder Ängste zu lösen, mit dem Rauchen aufzuhören oder an seinem Selbstbewusstsein zu arbeiten. Mit der Hypnose, so Altmann, wird ein Zustand geschaffen, in dem sich der Hypnotisand komplett auf sein Inneres konzentrieren kann – in einer tiefen, angenehmen Ruhe. „Zu Beginn meiner Workshops merke ich sehr schnell, ob ein Mensch leicht hypnotisierbar ist.“ Das zeige sich hauptsächlich daran, ob er Suggestionen annehme.

Das scheint bei mir geklappt zu haben. Ich fühle mich herrlich leicht, wie in einem Kokon. Mit gezielten Fragen zu meinem genannten Thema führt mich der Hypnotiseur durch die nächsten 50 Minuten. Bilder tauchen auf, über die wir sprechen und die zu interpretieren wir versuchen. Ich bin ein visueller Typ und in der Lage auf die Frage: ‚Was siehst du gerade?‘ schnell während der Hypnose innere Bilder zu entwickeln. Das unterscheidet mich von auditiven beziehungsweise kinästhetischen Menschen, die von Gehör oder Gefühl geprägt sind. Das gilt es bei jedem Hypnotisanden herauszufinden, um zu schauen, auf wie er hypnotisiert werden kann.

In der Grundausbildung Hypnose erlernen die Teilnehmer zunächst vier Varianten, von denen sie für den Anfang eine oder zwei als ihre favorisierten nutzen. Mit dem Ziel, sich mit diesen vertraut zu machen und sie gut zu beherrschen. „Wenn das erst einmal nach viel Übung der Fall ist, können mehrere Varianten gelernt werden“, so der Dozent. Die beliebteste sei die mit mir praktizierte Blickfixation. Das erworbene Wissen wird dann am zweiten Tag in gegenseitigen Sitzungen von 60 bis 90 Minuten geübt. Mehr als zwei Dutzend Hypnosecoaches hat der angehende Heilpraktiker an der VHS Quickborn bereits ausgebildet. Sein Interesse für die Hypnose entdeckte Altmann, im Hauptberuf Polizeibeamter, durch einen Fernsehbeitrag. Bei dem Hamburger Arzt und Hypnosetherapeuten Floris Weber absolvierte er 2015 daraufhin zunächst die Grundausbildung. „Nachdem ich viel probierte und am Ball bleiben wollte, hat es mich im selben Jahr noch hin zur Fortbildung für aufdeckende Hypnose/Hypnoanalyse gezogen“, sagt er, der bis heute Hypnotisanden in rund 250 Sitzungen in Trance versetzt und gecoacht hat.

Trancezustände seien nichts Außergewöhnliches, so der Hypnoseverband Deutschland. Es handle sich um natürliche Zustände, die bei jedem mehrfach am Tag entstehen, zum Beispiel wenn man einen Roman liest und innere Bilder auftauchen oder längere Strecken Autobahn fährt. Die Kombination von Konzentration und Monotonie führe, so die Experten, zu solchen Trancen. Es sei nachgewiesen, dass jeder Mensch alle 45 bis 90 Minuten in einen leichten Trancezustand gehe. Diese ganz natürliche Fähigkeit nutze der Hypnotiseur.

Meine 50-minütige Körper- und Seelenreise neigt sich dem Ende zu. Altmann zählt bis drei, schnippt mit den Fingern und holt mich so zurück. Ich öffne die Augen, hebe den Kopf und strecke mich. Es geht mir gut. Noch Stunden später lasse ich unser Gespräch Revue passieren. Es war geprägt von Reflexion und einem anhaltenden Entspannungsgefühl. Meine erste Begegnung mit der Hypnose fanden sowohl Herz als auch Hirn nachhaltig gut. Will heißen: Fortsetzung nicht ausgeschlossen.