Metropolregion

Warum der Wohnungsbau im Kreis Pinneberg boomt

| Lesedauer: 5 Minuten
Eine Visualisierung des Wedeler Altstadtquartiers, das sich derzeit in Bau befindet und von der Investitionsbank gefördert wird.

Eine Visualisierung des Wedeler Altstadtquartiers, das sich derzeit in Bau befindet und von der Investitionsbank gefördert wird.

Foto: Rehder WOhnungsbau / HA

Bilanz der Investitionsbank Schleswig-Holstein ergibt: Seit 2015 wurden 212 Millionen Euro zinsgünstige Darlehen an Investoren vergeben.

Kreis Pinneberg.  Der Wohnungsbau im Hamburger Umland boomt nach wie vor. Das geht aus der aktuellen Bilanz der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) hervor, die Vorstandschef Erk Westermann-Lammers in Elmshorn vorgestellt hat. „Die niedrigen Zinsen befördern eine Euphorie bei vielen Menschen, ihr Geld lieber in Wohneigentum zu investieren. Die Nachfrage nach selbst genutztem eigenen Wohnraum ist weiterhin enorm groß.“

Und auch der soziale Wohnungsbau halte vor allem im Hamburger Speckgürtel ungebrochen an. „Es ist nach wie vor eine gesellschaftspolitische Herausforderung, Wohnungen zu schaffen, die für die Menschen bezahlbar sind.“ Diese Entwicklung lasse sich an den Zahlen belegen. So habe die Investitionsbank seit 2015 allein in der Metropolregion den Bau von 1972 Sozialwohnungen gefördert und die Investoren und Wohnungsbauunternehmen mit 212 Millionen Euro an zinsgünstigen Darlehen und Fördergeldern unterstützt.

Bedingung für die Investoren ist, dass die Mieter nicht mehr als 6,10 Euro je Quadratmeter Netto-Kaltmiete im Monat für ihre neue Wohnung bezahlen dürfen. 85 Prozent dieser Wohnungen sind in den bevölkerungsreichen Kreisen Pinneberg und Segeberg entstanden, wo die Wohnungsnot am stärksten zu spüren ist. Im Kreis Segeberg sind in diesem Vier-Jahres-Zeitraum 922 Sozialwohnungen geschaffen worden, im Kreis Pinneberg waren es 744 Sozialwohnungen. Die Kreise Steinburg mit 178 und Stormarn mit 128 neu geschaffenen Sozialwohnungen in den vergangenen vier Jahren liegen weit dahinter.

Der größte Bedarf an bezahlbarem Wohnraum herrsche zurzeit in Pinneberg, Wedel, Norderstedt, Kaltenkirchen und Bad Segeberg, so der Chef der Investitionsbank. Aktuelles Beispiel ist hierbei der Bau von 30 geförderten Wohnungen in der Wedeler Altstadt, wo die Rehder Wohnungsbau Projektgesellschaft 5,1 Millionen Euro investiert hat und dabei mit einem zinsgünstigen Darlehen in Höhe von 3,9 Millionen Euro sowie einem Zuschuss von 450.000 Euro von der IB.SH unterstützt worden ist.

375 Euro pro Quadratmeter geförderten Wohnraum

Um den dringend benötigten Bau von günstigem Wohnraum noch schneller anzukurbeln, hatte die Bank erst vor zwei Jahren ein neues Förderprogramm aufgelegt, das schon jetzt nicht mehr ausreicht. So erhielt der Investor für jeden Quadratmeter geförderten Wohnraum, den er fertigstellte, einen Zuschuss von der IB.SH von 250 Euro. Bei 2500 Euro Baukosten je Quadratmeter waren dies immerhin zehn Prozent der Investitionskosten. „Aber die Bau- und Grundstückskosten sind vor allem im Hamburger Speckgürtel weiter gestiegen. Dem müssen wir Rechnung tragen“, so Westermann-Lammers. Er kündigt an, den Zuschuss fürs Hamburger Umland um 125 auf jetzt 375 Euro je Quadratmeter Sozialwohnung anzuheben.

Die Städte und Gemeinden könnten diese Entwicklung unterstützen, indem sie Neubaugebiete auswiesen, die auf öffentlichen und privaten Flächen realisiert werden, rät der Bankvorstand. Denn die größten Engpässe beim Wohnungsbau seien das fehlende Bauland und die Kapazitäten der Bauwirtschaft. „Eine solch hohe Auslastung in der Bauwirtschaft wie derzeit habe ich noch nie erlebt“, sagt Westermann-Lammers.

In Quickborn beispielsweise sind seit 2015 etwa 200 neue Wohnungen, davon etwa ein Fünftel gefördert, gebaut worden. „Der soziale Wohnungsbau läuft“, sagt dazu Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl. Aber davor habe jahrelang Stillstand geherrscht, weshalb der Bedarf an günstigem Wohnraum weiter hoch sei. Köppl: „Jede neu gebaute Wohnung ist eine gute Wohnung, weil sie den Wohnungsmarkt entlastet.“

Viele Privatleute versuchen den steigenden Mietkosten zu entgehen, indem sie sich eine Wohnung oder ein Haus kaufen. Das allein waren im Hamburger Umland im vorigen Jahr 1850 Häuslebauer, die mit 150 Millionen Euro zinsgünstigen Darlehen unterstützt worden sind, bilanziert Henrike Schildknecht, die die Eigenheim-Abteilung bei der IB.SH leitet. Im Kreis Pinneberg wurden dabei 596 Familien mit zinsgünstigen Darlehen unterstützt. Hinzu kämen noch zahlreiche Haus- und Wohnungssanierungen für bessere Wärmedämmung oder verbrauchsärmere Heizungen, die gefördert worden seien.

Der Wunsch der Eigenheim-Erwerber gehe dabei vor allem nach langen Zinsbindungen von bis zu 30 oder 40 Jahren Laufzeit, so Schildknecht. Wobei viele Kreditnehmer wegen der niedrigen Zinsen nicht mehr nur ein Prozent, sondern gerne zwei bis drei Prozent ihrer Kreditschuld im Jahr tilgen möchten.

Eigenheimquote liegt landesweit bei 50 Prozent

Wer eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus erwerben möchte, sollte mindestens 7,5 Prozent an Eigenkapital oder Eigenleistung für die Investitionssumme mitbringen, sonst könnte der Traum von den eigenen vier Wänden schnell zu einem Albtraum werden, rät Chefbanker Westermann-Lammers. Als Faustregel gelte, dass der Kapitaldienst für den Hauskredit nicht höher als ein Drittel des Nettoeinkommens sein sollte, damit die Eigenheimbesitzer nicht nur für den Abtrag ihrer Schulden leben müssten. „Da müssen wir die Leute, wenn sie sich manchmal zu sehr in eine Immobilie verliebt haben, vor sich selber schützen. Da kann die Euphorie, die die günstigen Zinsen auslösen, zu einem süßen Gift werden.“ Mit einer Eigenheimquote von knapp unter 50 Prozent liege Schleswig-Holstein an der Spitze der Flächen-Bundesländer.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg