Pinneberg
Neuendeich

Katholikin Eva-Maria Schmitz ruft zum Protest auf

Eva-Maria Schmitz vor der Uetersener Christkönigliche.

Eva-Maria Schmitz vor der Uetersener Christkönigliche.

Foto: Michael Althaus

Die Theologin aus Neuendeich organisiert eine Demonstration in Hamburg. Sie fordert mehr Frauenrechte in ihrer Konfession.

Neuendeich.  Sie arbeitet in der katholischen Erwachsenen-Bildung und spricht Rundfunk-Andachten. In ihrer Freizeit unterrichtet sie Firmlinge in ihrer Gemeinde und engagiert sich im Interreligiösen Frauennetzwerk. Eigentlich wäre Eva-Maria Schmitz gerne Priesterin geworden. Doch in der katholischen Kirche ist das Weiheamt ausschließlich Männern vorbehalten. Nun kämpft die 61-jährige Diplom-Theologin dafür, dass sich das ändert. „Es muss etwas passieren“, sagt die Neuendeicherin und ruft für den heutigen Dienstagabend um 19.15 Uhr zu einer Protestaktion vor dem Mariendom auf, der Bischofskirche des Erzbistums Hamburg im Stadtteil St. Georg. Damit erreicht der Kirchenstreik, der von einer kleinen Gruppe in Münster unter dem Motto „Maria 2.0“ initiiert wurde, nun auch den Norden.

Ihr Vorbild ist die biblische Figur Maria

Bundesweit hatten in der vergangenen Woche mehrere Tausend katholische Frauen keine Kirche betreten, alle Ehrenämter ruhen lassen und stattdessen alternative Gottesdienste vor der Kirchentür veranstaltet. Sie wandten sich gegen eine männerdominierte Kirche und forderten Zugang zu den Weiheämtern, die Aufhebung des Pflichtzölibats für Priester, eine Anpassung der katholischen Sexualmoral sowie eine konsequente Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Vorbild ist die biblische Figur der Maria, die laut Initiatoren von der Kirche häufig als schweigende, demütige Mutter dargestellt wird, ihrer Auffassung nach aber eine starke, engagierte Frau ist.

Auch Schmitz blieb in den vergangenen Tagen ihrer Heimatgemeinde, der Christkönigkirche in Uetersen, fern. Weil die bundesweite Aktionswoche in die Hamburger Maiferien fiel, legte sie die Protestversammlung in Hamburg auf den heutigen Dienstag. Die Wahl-Neuendeicherin stammt aus Bremen, wo sie katholisch aufwuchs und zur Erstkommunion ging. Später studierte sie katholische Theologie in Münster. Die haupt- und ehrenamtliche Arbeit in der Kirche macht ihr bis heute Spaß. Doch immer wieder merkt die Katholikin, dass sie an Grenzen stößt: „Die Entscheidungen müssen immer von männlichen Machtträgern getroffen werden.“ Das mache sie schon seit Jahren unzufrieden. „Ich wünsche mir eine geschwisterliche Kirche, in der miteinander Aktionen geplant werden“, so Schmitz.

Schon mal die Konversion zur evangelischen Kirche erwogen

Weil ihr die Kirche als Ort des gemeinsamen Glaubens wichtig ist, ist ein Austritt für sie – wie für viele engagierte Frauen – keine Option. Über eine Konversion zur evangelischen Kirche, in der Frauen der Weg zu Weiheämtern offensteht, habe sie einmal nachgedacht. „Aber dann merkte ich schnell, dass ich in der katholischen Kirche beheimatet bin und eigentlich nicht wechseln möchte.“ Als Schmitz von der Initiative „Maria 2.0“ hörte, war sie begeistert. „Wenn mir vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, dass so etwas passieren wird, hätte ich geglaubt, ich träume.“

Als Zeichen für Erneuerung: in weißer Kleidung protestieren

Gemeinsam mit Bekannten und Gleichgesinnten beschloss sie, auch in Hamburg eine Aktion zu starten. Alle seien „Frauen aus der Mitte der Kirche“, die in ihren Gemeinden als Lektorinnen, Katechetinnen oder Theologinnen aktiv seien. Heute Abend wollen sie zunächst ihre Forderungen in einer kurzen Ansprache formulieren, um dann gemeinsam vor den Türen des Mariendoms eine Maiandacht zu feiern. „Wir wollen nicht mit großen Plakaten demonstrieren. Wir kommen, weil uns die Kirche am Herzen liegt und suchen den Dialog“, so Schmitz.

Teilnehmer sollen möglichst in weißer Kleidung, mindestens mit einem weißen Schal um den Hals erscheinen – ein Zeichen für Erneuerung. Während mehrere deutsche Bischöfe die Aktion kritisierten, äußerte Hamburgs Erzbischof Stefan Heße Verständnis für die Anliegen der beteiligten Frauen. Die Initiative sei ein „Impuls für den Dialog“, sagte er. Er forderte die Unterstützerinnen auf, sich am sogenannten synodalen Weg zu beteiligen, einem offenen Diskussionsprozess über die Zukunft der katholischen Kirche, den die deutschen Bischöfe im Herbst starten wollen. „Ich finde diese Reaktion sehr positiv“, sagt Schmitz. Auch aus dem Bekanntenkreis habe sie schon viel Zuspruch erhalten. Wie viele Teilnehmer am Dienstagabend zu der Maiandacht kommen, kann sie nicht einschätzen. „Wir hoffen, dass der Platz vor dem Dom voll wird.“

Und für wie realistisch hält sie es, dass sich in der katholischen Kirche tatsächlich etwas ändert? „Ich bin sicher: Wenn so viele Frauen jetzt aufstehen, dann kann niemand darüber hinwegsehen“, sagt die Theologin. Und fügt hinzu: Mit dem Fall der innerdeutschen Mauer habe ja schließlich auch lange niemand gerechnet.

Weitere Infos: Wie alles begann

Ihren Anfang hatte die Aktion Maria 2.0 in einem Lesekreis in der Gemeinde Heilig Kreuz in Münster. Das Resultat: Vom 11. bis 18. Mai haben Frauen in vielen katholischen Gemeinden keine Kirche betreten und ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten ruhen lassen. Die Protestaktion in Hamburg ist bewusst eine Woche später: Vom 13. bis 17. Mai waren Schulferien in der Hansestadt.