Pinneberg
Elmshorn

Als die Glotze die deutschen Wohnzimmer eroberte

Kunsthistorikerin Laura Walew (v.l.), Projektleiterin Christiane Torzewski, Stadtbücherei-Chef Philipp Braun, Monika Dormann, Vorsitzende des Fördervereins, und Museumsleiterin Bärbel Böhnke im Industriemuseum.

Kunsthistorikerin Laura Walew (v.l.), Projektleiterin Christiane Torzewski, Stadtbücherei-Chef Philipp Braun, Monika Dormann, Vorsitzende des Fördervereins, und Museumsleiterin Bärbel Böhnke im Industriemuseum.

Foto: Anne Dewitz

Zum Internationalen Museumstag gibt es am Sonntag, 19. Mai, freien Eintritt in die neue Sonderausstellung im Industriemuseum Elmshorn.

Elmshorn.  Unter dem Motto „Museen – Zukunft lebendiger Traditionen“ öffnen am Sonntag, 19. Mai, Kultureinrichtungen weltweit ihre Türen, um gemeinsam mit den Besuchern den Internationalen Museumstag zu begehen. In dem von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Projekt „Königstraße Elmshorn – 773 Schritte durch die Zeit“ erarbeitet das Team des Industriemuseums Elmshorn gemeinsam mit Projektpartnern die Geschichte der Königstraße und zeichnet eine mögliche Zukunft der heutigen Fußgängerzone.

Lebendig werden Traditionen nicht nur in Form von Sonderausstellungen im Museum, sondern auch in vielen Aktionen in sowie rund um die Königstraße. Anlässlich des Internationalen Museumstags möchte das Projektteam zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Die Welt im Wohnzimmer“ einladen: An diesem Tag ist der Eintritt für alle Besucher frei. Die Ausstellung blickt auf die Anfänge des Rundfunks und Fernsehens zurück – und erzählt, wie Elmshorn und die Geschäftswelt in der Königstraße diesen Wandel erlebten.

„In den ersten Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden allmählich die Volksempfänger aus den Wohnungen verbannt“, sagt Projektleiterin Christiane Torzewski. Wer es sich leisten konnte, ersetzte dieses günstig für die Massen produzierte Rundfunkempfangsgerät, das unter nationalsozialistischer Herrschaft zur Verbreitung von Propaganda diente, durch ein hochwertiges Radio. „Viele Elmshorner kauften bei Händlern wie Oberhellmann, Radio Dörr, Radio Wichmann und anderen Fachleuten in der Königstraße und Elmshorn.“ So seien Radios, Tonbandgeräte, Schallplattenspieler, Fernseher, später dann Hifi-Geräte seit den 1950er-Jahren allmählich ins Wohn-, bald auch ins Jugendzimmer eingezogen.

„Elmshorn holte sich über Nachrichtensendungen, Filme und Musik die Welt ins Haus“, sagt Torzewski. Der Boom in der Elektronik-, Musik- und Unterhaltungsindustrie hat den Alltag, das Wohnen, den Konsum und die Freizeitgestaltung nachhaltig verändert. Anhand von Objekten aus der Unterhaltungselektronik seit den 1930er-Jahren bis in die Gegenwart, in Fotografien und einem Film rückt das Industriemuseum vergessene und gern erinnerte Gegenstände in die Scheinwerferlichter einer Sonderausstellung.

Nach der Eröffnung und Führung durch die neue Ausstellung wird die Dokumentation „Kein Bild, kein Ton? Wir kommen schon“ gezeigt. Der eigens für die Ausstellung vom Hamburger Filmemacher Philipp Hartmann (Flumenfilm) produzierte Film enthält Interviews mit Zeitzeugen und historische Dokumente. Er zeigt, wie sich die Betreiber der zeitweise drei Radiogeschäfte in der Königstraße auf die Neuerungen der Branche einstellten.

Wer das Projekt „Königstraße Elmshorn – 773 Schritte durch die Zeit“ noch unterstützen möchte: Gesucht werden Erinnerungen, Erlebnisse, Objekte, Filme und Dokumente rund um die Königstraße früher und heute. Kontakt ist unter hallo@koenigstrasse-elmshorn.de oder 04121/26 88 71 möglich.

Eröffnung der Sonderausstellung: So 19.5., 11 –17 Uhr, Catharinenstraße 1, freier Eintritt, Öffnungszeiten: Di, Mi, Do, Fr, Sa 14 –17 Uhr, So 11 –17 Uhr, Eintritt 4 Euro, Kinder frei