Pinneberg
Uetersen

Vom Akkordeon-Meister, der auch Kabarett kann

Frank Grischek am Akkordeon brilliert bei seinem Auftritt in der Szenekneipe Taps in Uetersen.

Frank Grischek am Akkordeon brilliert bei seinem Auftritt in der Szenekneipe Taps in Uetersen.

Foto: Thomas Pöhlsen

Kulturkritik: „Akkordeon. Aber schön“. Unter diesem Motto spielt und plaudert Frank Grischek in der Uetersener Szenekneipe Taps.

Uetersen. Das Akkordeon fristet im modernen Musikgeschäft ein Mauerblümchen-Dasein. Völlig zu Unrecht, muss konstatieren, wer ein Konzert von Frank Grischek gesehen hat. In der Uetersener Szenekneipe Taps begeisterte er am Sonnabend nicht nur als großer Virtuose auf den Tasten und Knöpfen. Er hatte auch viele Geschichte rund um sein Instrument parat.

Intensität und Dynamik, Feingefühl und Facettenreichtum verbinden sich in seinem Spiel auf der „Borsini Superstar“. Grischek lässt wunderbar virtuos die Melodien aus seinem Instrument perlen, als wären sie einzig und allein für das Akkordeon gemacht. Mal flitzen die Finger über die Tasten, dann folgen wuchtige Klänge. Wenig später scheint es, als hauche er die Tasten nur an, und leichtfüßig schwingen die Melodien. Bilder von Melancholie und Freude, Trauer und Begeisterung entstehen beim Zuhörer, wenn Grischek spielt.

Tango-Nuevo Erfinder Astor Piazzolla, befindet sich auf dem Programmzettel neben Klassik von Bach und Chopin. Traditionelle Akkordeon-Werke aus Frankreich, Schottland und Irland sind ebenso zu hören wie Jazz und Eigenkompositionen. Manches hat er für sein Instrument arrangiert. Der in der Popularmusik weit verbreitete Viervierteltakt unterfordert den Künstler. Lieder im Zwei- und Dreiviertel-, Sechs- und Siebenachteltakt bringt er mit seinen Erklärung den Zuhörern nahe. Da ist jedoch kein Musikerzieher am Werk, sondern ein Unterhaltungskünstler mit staubtrockenem Humor.

Grischek ist Ton- und Sprachkünstler

Grischek erzählt zwischen den Stücken kleine Geschichten und Anekdoten rund um das „Schifferklavier“. Häufig informativ, manchmal bissig, dann wieder amüsant, aber immer mit todernstem Gesicht vorgetragen. Er findet dabei die Balance zwischen Monolog und Konzertdarbietung. Als Musiker ist er Tonkünstler. Als Kabarettist Sprachkünstler.

Wer etwas auf sich hält in der internationalen Unterhaltungsmusik, hat schon einmal eines seiner Stücke mit dem Klang des illustren Instruments veredelt. Eine lange Liste von den Beatles bis zu Elton John macht Grischek auf. In der deutsche Unterhaltungsmusik findet es sich zum Leidwesen des Künstlers hauptsächlich in der Volksmusik wieder. Bissig zieht er über Andreas Gabalier und Florian Silbereisen her. Nicht nur in diesem Moment ist der Einfluss von Henning Venske, Jochen Busse und Dieter Hildebrandt zu spüren, mit denen er als kongenialer musikalischer Partner Bühnenprogramme gestaltet hat.

Der Hamburg-Bergstedter schüttet ein Füllhorn seiner Künste über den Zuhörern aus. Fast zweieinhalb Stunden dauert sein Auftritt im Taps, und keine einzige Minute davon mag man missen. Die Zuhörer danken es ihm mit langanhaltendem und warmem Applaus. Oder, wie es der Deutschlandfunk einst über Grischek formuliert hat: „Ein Leben ohne Akkordeon ist möglich – aber sinnlos.“