Pinneberg
Tag gegen Homophobie

Hisst Pinneberg die Regenbogenflagge?

Die Regenbogenflagge vom August 2009 am Rathaus in Hamburg. Tausende Lesben und Schwule starteten damals zu einer Parade zum Christopher Street Day (CSD) durch die Hamburger City.

Die Regenbogenflagge vom August 2009 am Rathaus in Hamburg. Tausende Lesben und Schwule starteten damals zu einer Parade zum Christopher Street Day (CSD) durch die Hamburger City.

Foto: A3838 Jens Ressing / dpa

Die SPD-Ratsfrau Linja Voges hat Antrag eingebracht. Stadt soll Bündnis gegen Homophobie in Schleswig-Holstein beitreten.

Pinneberg.  Geht es nach dem Willen von Ratsfrau Linja Voges (SPD), soll ab jetzt jedes Jahr am 17. Mai die Regenbogenflagge auf dem Pinneberger Rathaus gehisst werden - zum Internationalen Tag gegen Homophobie, Transphobie, Biphobie und Interphobie. Über ihren Antrag stimmt die Ratsversammlung heute ab, er schließt den Beitritt Pinnebergs zum „Bündnis gegen Homophobie in Schleswig-Holstein“ ein.

Viele Städte bekennen sich bereits mit der Flagge: 2009 etwa flatterte sie vom Dach des Hamburger Rathauses, 2015 vom Bad Segeberger , 2018 hisste sie die Berliner CDU-Zentrale zum 20. Geburtstag des Bundesverbands der Lesben und Schwulen in der Union (LSU), und die Kieler Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) ließ sie vom Ministerium wehen: „Lange Zeit haben Homosexuelle in Deutschland unter Diskriminierung gelitten. Auch wenn bis heute schon viele Verbesserungen erkämpft worden sind, müssen Schwule und Lesben noch immer mit Anfeindungen leben. Deshalb ist es mir wichtig, an diesem Tag Flagge zu zeigen für eine vielfältige und offene Gesellschaft“, so die Ministerin.

Ein ähnliches Bekenntnis erhofft sich Linja Voges nun für Pinneberg: „Akzeptanz und Respekt für verschiedenste Liebes- und Lebensformen ist für mich ein zentraler Bestandteil der Menschenwürde. Ich bin sehr froh, mit diesen Werten aufgewachsen zu sein.“ Die Grünen/Unabhängigen wollen dem SPD-Antrag zustimmen, die FDP auch: „Wir als Liberale haben kein Problem mit Diversität. Wir haben uns nur im Vorfeld gefragt, ob so eine Flagge notwendig ist“, sagt Olaf Klampe. Sie seien zu dem Ergebnis gekommen, dass es innerhalb der Gesellschaft noch Probleme mit Toleranz gebe. Also gelte es, sie vorzuleben: „Da hilft nur Flagge zu zeigen“.

Eine andere Position nimmt die CDU ein: „Wir werden diesen Antrag auf jeden Fall ablehnen“, sagt Fraktionschef Florian Kirsch. Er begründet das einerseits damit, dass er findet, die Entscheidung darüber liege bei der Verwaltung, nicht bei der Politik. Außerdem meint Kirsch: „Es muss in Pinneberg kein Zeichen gegen Homophobie gesetzt werden. Einmal im Jahr eine Flagge zu hissen nützt da doch gar nichts. Dem kann man nur mit anderen Projekten entgegenwirken.“ Bei den Bürgernahen darf dazu jeder abstimmen, wie er möchte, denn „die Flagge hilft nichts und schadet keinem“, meint Fraktionschef Uwe Lange.

Linja Voges will dagegen unbedingt die bunte Flagge: Es müsse im Sinne Pinnebergs sein, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger von der Stadt anerkannt und respektiert fühlten, ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität. Pinneberg sei vielfältig und solle dies auch zeigen. „Je älter ich geworden bin, desto mehr musste ich feststellen, dass das in den Köpfen vieler Menschen noch nicht angekommen ist“, sagt die Ratsfrau. „Und ich erlebe auch, dass viele Menschen verstecken müssen, wer sie sind oder wen sie lieben, da sie noch immer Diskriminierung erleben.“ Als Beispiel führt sie an, dass auf Schulhöfen das Wort „schwul“ weiterhin als Schimpfwort benutzt wird.

Zurzeit gibt es im Rathaus keine Regenbogenflagge. Wird dem Antrag zugestimmt, besorgt sie die Verwaltung unbürokratisch, sagt Andrea Aalders vom Bürgermeisterbüro: „Bei örtlichen Anlässen kann die Bürgermeisterin eine Beflaggung anordnen. Das wird dann auch die Regenbogenflagge betreffen.“ Falls der Ratsversammlungsbeschluss und die Flaggenordnung gleichzeitig umzusetzen seien, könne es allerdings etwas eng an den Fahnenstangen werden.