Pinneberg
Quickborn

Schluss mit lustig? Das Eulenfest ist in Gefahr

Ein Bild aus besseren Tagen: Der frühere Vorsitzende des Kreis-Schützenverbandes, Rolf Slomian, mit Bürgermeister Thomas Köppl (r.) auf dem Quickborner Eulen- und Schützenfest.

Ein Bild aus besseren Tagen: Der frühere Vorsitzende des Kreis-Schützenverbandes, Rolf Slomian, mit Bürgermeister Thomas Köppl (r.) auf dem Quickborner Eulen- und Schützenfest.

Foto: Burkhard Fuchs

Schützenverein erhebt schwere Vorwürfe gegen Quickborner Stadtverwaltung. Nun kommt es zum Krisengespräch im Rathaus.

Quickborn.  Das Eulen- und Schützenfest, mit bis zu 15.000 Besuchern jedes Jahr das größte Stadtfest in Quickborn, wird in diesem Jahr nicht in der gewohnten Weise ablaufen können. Der Schützenverein Quickborn-Renzel von 1928 hat nach einer turbulenten Hauptversammlung beschlossen, seine Programmpunkte Weinfest, Ü-30-Party und Schützenumzug mit Kür des Schützenkönigs unabhängig von der Stadt vom 6. bis 8. September zu feiern.

Bitterböse Abrechnung mit der Stadtverwaltung

Der Vorsitzende Christoph Meier-Siem erhob schwere Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung, die ohne Rücksicht auf den Verein und mit „desaströser Kommunikation im Rathaus“ den Terminplan auf den 12. bis 22. September und damit zu spät für den Schützenverein festgelegt hätte. „Diese Blockadehaltung konsterniert den gesamten Vorstand“, schimpfte Meier-Siem. „Man hat da das Gefühl einer im Rathaus verbreiteten Wagenburgmentalität.“ Ein eiligst für den heutigen Dienstag einberufenes Krisengespräch im Rathaus soll helfen, die Wogen zu glätten.

Meier-Siem hatte es spannend gemacht. Vor rund 70 seiner 430 Mitglieder trug er seine bitterböse Abrechnung mit der Stadtverwaltung wie eine Tragödie in drei Akten vor. Zunächst erinnerte er an die Vorgeschichte, als um die Jahrtausendwende herum das städtische Eulenfest mit seinem Eulen-Flohmarkt zu einem „Saufgelage“ zu verkommen drohte und das Schützenfest mit nur 50 Teilnehmern und Schlägereien am Freizeitsee „eine traurige Veranstaltung“ gewesen sei. Da hätten sich die Stadtväter mit dem heutigen Bürgermeister Thomas Köppl die Lösung ausgedacht, die 15 Jahre lang zu einer für beide Seiten glücklichen und sich befruchtenden Entwicklung führte. Denn beide Feste wurden zu einem elftägigen, sehr beliebten Spektakel vereint – beginnend mit dem Wein- und Schützenfest am ersten und dem Eulenmarkt am darauffolgenden Wochenende. „Wir sind in der Mitte der Quickborner Gesellschaft angekommen und tragen das Unsere ehrenamtlich dazu bei, Quickborn zu mehr als einer Schlafstadt für Hamburger zu machen“, so Meier-Siem.

Kernpunkt der Kritik ist mangelnde Terminabsprache

Dabei griff er eine für das Eulenfest zuständige Mitarbeiterin in der Stadtverwaltung persönlich an, deren Namen er öffentlich nicht sagte. Aber diese hätte mit ihrer „Unbedarftheit“, ihrem „ausgeprägten Selbstdarstellungspotenzial“ „ohne Sinn und Verstand“ eine „Privatfehde mit dem Schützenverein“ angezettelt und so die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Verein und Verwaltung zunichte gemacht. Kernpunkt seiner Kritik: mangelnde Terminabsprache. Denn der Verein sei abhängig vom Kreis-Schützenverband, der diese Termine für alle Vereine im Kreis vorgebe. Das sei immer das zweite Wochenende im September gewesen.

Auch der Betreiber des großen Festzeltes, in dem bis frühmorgens beim Weinfest und der Ü-30-Party Hunderte Quickborner in Feierlaune zu DJ-Musik abtanzten, sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden, indem ihm von der Verwaltung der Termin für das dritte September-Wochenende (11. bis 15.) vorgegeben worden sei. Aber da sei der Zeltverleiher schon für Stadtfeste in Hamburg, Lübeck und Bad Schwartau fest gebucht. „Der Mann war total unglücklich, weil die Einnahmen, die ihm nun in Quickborn verloren gehen, einen Haufen Holz für ihn bedeuten“, so Meier-Siem. Er kündigte an, der Verein stehe „loyal“ zum Zeltwirt.

Offenbar scheint der Ärger auf einem Missverständnis zu beruhen. Für den Verein ist das zweite September-Wochenende eindeutig der 7./8. September, weil dies mit dem Kreisschützenverband so abgesprochen sei. Für die Verwaltung scheint dies aber erst der 14./15. September zu sein, weil dies erst das zweite volle Wochenende im Monat sei, wie Meier-Siem den Schriftwechsel mit dem Rathaus und dem Zeltwirt aus den E-Mail-Verkehr mit Daten zitierte.

Alles ein Missverständnis bezüglich des Wochenendes?

Diese Interpretation bestätigt Bürgermeister Köppl. So gebe es sogar einen politischen Beschluss von 1974, wonach das Eulenfest immer am zweiten „vollen Wochenende“ stattfinde und das Schützenfest, so die spätere Einigung mit Meier-Siem, am Wochenende zuvor. Bei einer Vorbesprechung vor zwei Wochen habe dieser auch keine Bedenken gegen den Termin geäußert. „Wir werden am Dienstag versuchen, gemeinsam die Kuh vom Eis zu kriegen“, ist Köppl überzeugt und mahnt an: „Voriges Jahr ist das Eulenfest mit dem Schützenverein nicht rund gelaufen.“ Notfalls müssten die Feierlichkeiten eben auf drei Wochenenden verteilt werden. „Das wäre ja auch nicht so schlimm“, so Köppl. Es sei denn, das heutige Krisengespräch bringt doch noch eine gemeinsame Lösung.

Erster Stadtrat Klaus H. Hensel wunderte bei der Hauptversammlung, welches Ausmaß „die atmosphärischen Störungen“ zwischen Vereinsvorstand und Verwaltung hätten. „Das muss bereinigt werden.“ Es gehe um einen ehrenamtlich tätigen Verein, auf den Rücksicht genommen werden müsse.

Weitere Informationen:

„Der Schützenverein Quickborn-Renzel ist auf seinen Termin und das Schützenfest mit Umzug angewiesen, weil es dem Verein notwendige Geldspenden einbringt“, betont der Vorsitzende Christoph Meier Siem. So müsse die Heizung des Clubheimes dringend erneuert werden, was etwa 22.000 Euro koste. Und das Dach des 100 Meter langen Schießstandes sei undicht und müsse repariert werden.