Pinneberg
Kreis Pinneberg

Dieses Unternehmen entwickelt Weltneuheiten

Firmenchef Andreas Heckel steht vor einem Schaubild, das die Komplettlösungen zeigt, die das Unternehmen anbietet.

Firmenchef Andreas Heckel steht vor einem Schaubild, das die Komplettlösungen zeigt, die das Unternehmen anbietet.

Foto: Burkhard Fuchs

Serie „Wo in aller Welt“: Quickborner Firma SMB baut und betreibt vollautomatische Kompaktlager- und Palettierungssysteme für die Großindustrie.

Quickborn.  Auf den ersten Blick wirken die Hallen neben einer alten Villa der Firma SMB Group auf dem 11.000 Quadratmeter großen Gelände eher unscheinbar. Dass sich hier im Quickborner Industriegebiet an der Friedrich-List-Straße ein sehr innovatives und erfolgreiches Unternehmen befindet, das Komplettlösungen für die Chemie-, Automobil- oder Nahrungsmittelindustrie anbietet, würde man nicht vermuten. Aber die SMB Group, die 130 Mitarbeiter beschäftigt und 25 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftet, hat mit ihren individuell auf die Kundenwünsche zugeschnittenen, vollautomatischen Kompaktlager- und Palettierungssystemen Weltneuheiten entwickelt. „Sie erleichtern die Lagerhaltung in verschiedenen Branchen extrem“, führt Andreas Heckel (58) aus, der das Unternehmen vor rund 20 Jahren übernommen hat.

Firma ist auf Wachstumskurs, neue Werkhalle wird gebaut

Sein vollautomatisches Kompaktlager-System sei in der Lage, auf beliebig vielen Ebenen Euro- und Industriepaletten schneller ein- und auszulagern, als es herkömmliche Systeme vermögen, sagt Heckel stolz. „Unser System ist schneller, spart Kosten und sorgt für einen Auslastungsgrad von bis zu 100 Prozent in der Lagerfläche.“ Die Firma Sondermaschinenbau, kurz SMB, gibt es seit mehr als 40 Jahren in Quickborn. „Der Standort ist ideal“, sagt Heckel. Durch die verkehrsgünstige Lage und die Nähe zu Hamburg finde er genügend Mitarbeiter. „Der Fachkräftemangel ist zwar zu spüren, aber wir bekommen die Mitarbeiter, die wir brauchen.“ Denn das Unternehmen wächst kräftig.

Als er es vor 20 Jahren übernahm, waren es weniger als 20 Beschäftigte, vor zehn Jahren etwa 50, heute 130. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Heckel. Darum werde gerade für 3,3 Millionen Euro eine 2800 Quadratmeter große Werkshalle mit Büros auf einer zugekauften Fläche nebenan gebaut. In drei Jahren soll der Umsatz auf 30 Millionen Euro steigen. Mit betrieblicher Altersversorgung und einem guten Arbeitsklima lockt er. „Erfahrene Mitarbeiter können auch von zu Hause aus arbeiten.“

Ob die Waren fest oder flüssig, in Säcken, Kartons und Fässern gelagert oder auf Paletten gestapelt werden sollen, SMB habe dafür die richtige Lösung parat. Ihre Systeme böten den Kunden umfassende, automatisierte Rundumpakete an, die von der Abfüllung über die Beförderung und Lagerung bis zum Beladen für den Abtransport auf Lkw oder Schiffen reicht, erklärt Verkaufsleiter Hans-Jörg Steffens. Kernstück dieser Intralogistik beim Kunden ist ein Truck-Shuttle-System, bei dem Waren und Paletten mit bis zu drei Tonnen Gewicht wie von Geisterhand und rasend schnell bewegt und an ihren jeweiligen Lagerplatz befördert werden können.

Auf jeder Ebene befinde sich ein fest zugeordneter Truck-Shuttle, der bis zu 120 Paletten pro Stunde befördern könne, die wiederum ein Vertikalbeförderer zuvor auf diese Ebene gebracht habe. Transport und Positionierung im Hochregallager übernehmen Schienenfahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von vier Metern pro Sekunde, die mit einem Elektromotor angetrieben werden. Das Heben im Regallager erfolgt elektro-mechanisch. Selbst für eine 1,5 Tonnen schwere Palette reiche so eine drei Kilowatt starke Antriebssteuerung. Dabei sortiert das System die Paletten rund um die Uhr so, dass die am häufigsten gebrauchten Waren auch jederzeit am schnellsten wieder aus dem Lagersystem herausgeholt werden könnten, erklärt Firmenchef Heckel. „Wir entwickeln dafür die Software, Steuerung und Lagerverwaltung selbst.“ Das Ganze sei zudem platzsparend, da die Kompaktlager von SMB mit einer geringen Bodenlast eingebaut werden und eine Raumausnutzung von bis zu 95 Prozent aufwiesen.

Gekühltes Kompaktlager für Coca-Cola in Nigeria entwickelt

Die Kundschaft besteht teilweise aus großen international agierenden Industriefirmen. So nutzten die Abfüllanlagen von SMB Chemie-Konzerne wie BASF. Die vollautomatische Kompaktlagertechnik hat SMB bereits für den Automobilhersteller Daimler Benz, der Karosserieteile in Bremen lagert, oder den Softdrink-Konzern Coca-Cola entwickelt, der für seine Säfte in Tetrapacks ein gekühltes Kompaktlager für 10.000 Paletten in Nigeria brauchte. Aktuell entwickle SMB ein komplettes Verpackungs-, Lagerungs- und Abtransportsystem für einen Käse-Mozzarella-Hersteller in Flensburg und einen Klinikbetrieb im Kreis Segeberg. Der Exportanteil beträgt rund 40 Prozent. Darüber hinaus sei SMB mit seinem Partnerunternehmen MBA Instruments einer von zwei Anbietern weltweit, die spezielle Messtechniksysteme für die Leitfähigkeit von Kerosin und damit die brandschutzsichere Befüllung von Flugzeugtanks entwickelten, sagt Heckel.

Ein vollautomatisches Kompaktlager koste je nach Aufwand zwischen zwei und sieben Millionen Euro. Heckel dazu: „Überall dort, wo große Mengen (ab 3000 Stellplätzen) zu lagern sind, Platzmangel herrscht und ein schneller Umschlag der Waren nötig ist, ist unser System hochinteressant.“ Der SMB-Chef ist sehr zuversichtlich: „Wir haben ein riesiges Produktprogramm mit einem großen Potenzial.“ Da sich SMB nicht auf eine Branche und einen Marktführer konzentriere, sei es auch krisensicher. „Unsere Zukunft ist sehr gesund.“