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Brexit – 432 Briten müssen zur Ausländerbehörde

Graeme Currie lebt in Halstenbek und lässt sich angesichts des bevorstehenden Brexits am Dienstag im Kreishaus in Elmshorn einbürgern.

Graeme Currie lebt in Halstenbek und lässt sich angesichts des bevorstehenden Brexits am Dienstag im Kreishaus in Elmshorn einbürgern.

Foto: Anne Dewitz

Der Schotte Graeme Currie, der in Halstenbek lebt, ist einer von ihnen. Wegen des Brexits lässt er sich kommende Woche lieber einbürgern.

Kreis Pinneberg.  Graeme Currie wird am 26. März 47 Jahre alt – und Deutscher. Denn dann lässt sich der Schotte, der seit 20 Jahren in Deutschland lebt, im Kreishaus in Elmshorn einbürgern. Das Brexit-Chaos hat ihn zu diesem Schritt bewogen. Als einer von 432 Briten hat er zudem von der Ausländerbehörde ein Schreiben erhalten, in dem er aufgefordert wird, sich angesichts des bevorstehenden Brexits freiwillig bei der Behörde zu melden.

Unklar ist im Moment, ob und zu welchem Zeitpunkt es einen geregelten Austritt Großbritannien aus der Europäischen Union geben wird. „Die aktuellen Berichte aus dem Vereinigten Königreich geben Anlass zur Sorge, dass die Europäische Union und das Vereinigte Königreich sich nicht auf verbindliche Bedingungen für den Austritt einigen können.“, heißt es in dem Anschreiben, das die Kreisverwaltung am Mittwoch verschickt hatte.

Die EU und Großbritannien haben sich nun zwar darauf geeinigt, den Brexit mindestens bis zum 12. April zu verschieben. Kurz zuvor sah es aber noch so aus, als würde es am 29. März zu einem ungeregelten Austritt kommen, mit dem die in der Europäischen Union lebenden britischen Staatsangehörigen ihr Freizügigkeitsrecht verlören, das ihnen als Unionsbürger noch zusteht. Sie würden deshalb – wie andere Drittstaatsangehörige – einen Aufenthaltstitel oder ein anderes Aufenthaltsrecht benötigen.

Briten müssen einen Aufenthaltstitel beantragen

Graeme Currie lebt seit 2004 mit seiner Frau Heike, die er während ihres Studienaufenthalts in Schottland kennengelernt hat, in Halstenbek und arbeitet in Deutschland seit 20 Jahren als Übersetzer. Er hat Kulturgeschichte und Kulturwissenschaften studiert und auch als Englischlehrer gearbeitet. Zuletzt ist er bei einem Universitätsinstitut, davor bei einer Übersetzungs- und Werbetextagentur tätig gewesen. Seit 2018 ist der Vater zweier Söhne selbstständig.

Im Falle eines ungeregelten Brexits wird das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat eine Verordnung erlassen, mit der alle britischen Staatsangehörigen den deutschen Aufenthaltstitel verlieren. Briten müssten einen Aufenthaltstitel beantragen. Und auch in dem Fall eines geregelten Austritts aus der Europäischen Union werden britische Staatsangehörige nach einer Übergangsfrist einen Aufenthaltstitel oder einen Nachweis über ein anderes Aufenthaltsrecht benötigen.

„Wir möchten Sie deshalb bitten, sich bereits jetzt bei der für Ihren Wohnort zuständigen Ausländerbehörde freiwillig registrieren zu lassen und einen Antrag auf Erteilung eines (nationalen) Aufenthaltstitels zu stellen“, heißt es in dem Brief aus der Kreisverwaltung. Und weiter: „Die Anträge auf Erteilung eines Aufenthaltstitels erfolgen zunächst nur zur Fristwahrung, um Ihnen den legalen Aufenthalt zu sichern, bis bundeseinheitlich geklärt ist, wie britische Staatsangehörige zukünftig aufenthaltsrechtlich behandelt werden sollen. Dadurch entstehen Ihnen keine Nachteile. Die fristwahrende Wirkung bestünde auch, wenn es beispielsweise erst in zwei Jahren zu einem geregelten Austritt käme.“

Graeme Currie muss sich um seinen Aufenthaltstitel nicht mehr sorgen. Er macht Nägel mit Köpfen und nimmt am Dienstag an der feierlichen Einbürgerungszeremonie im Kreishaus in Elmshorn teil. Mehr als 70 Menschen aus mehr als 20 Ländern werden durch die Übergabe der Einbürgerungsurkunde neue deutsche Staatsbürger. Davon sind 31 Briten – so viele wie nie zuvor. „Normalerweise haben wir drei bis fünf britische Staatsbürger bei der Einbürgerungszeremonie“, sagt Oliver Carstens, Sprecher der Kreisverwaltung.

Den Einbürgerungstest hat Currie bereits vor etwa einem Jahr bestanden. „Ich lebe gern in Deutschland. Aber es war nie mein Ziel, Deutscher zu werden. Ich war als EU-Bürger zufrieden. Ich wollte als Engländer mein Leben in Deutschland verbringen“, sagt Graeme Currie, der regelmäßig seine Eltern in England besucht und internationale Freundschaften pflegt. Alles, was ihn bislang gestört hat, war sein eingeschränktes Wahlrecht hierzulande. Doch nun sei es eine Notwendigkeit, Deutscher zu werden, um seinen Status zu halten.

Graeme Currie: Referendum war ein Fehler

Seit Monaten verfolgt er die Politik der Briten aus der Ferne. Die EU-Skepsis vieler Landsleute kann er nicht verstehen. Der Brexit selbst wie das Referendum seien ein Fehler gewesen. „Die Verantwortlichen sind alle zurückgetreten. Die Finanzierung der Leave-Kampagnen sind sehr fragwürdig“, sagt Graeme Currie, der sich selbst als politisch links einordnet.

Graeme Currie wird mit der doppelten Staatsbürgerschaft auch seinen britischen Pass behalten. Das kann auch nicht rückgängig gemacht werden, wenn die Briten die EU verlassen werden.