Pinneberg
Wirtschaftsserie

Diese Wedeler Firma wartet Donald Trumps Flieger

Die Air Force One – hier bei der Landung am Hamburger Flughafen anlässlich des G20-Gipfels. Teile der Maschine werden vom Wedeler Unternehmen Jenoptik gewartet.

Die Air Force One – hier bei der Landung am Hamburger Flughafen anlässlich des G20-Gipfels. Teile der Maschine werden vom Wedeler Unternehmen Jenoptik gewartet.

Foto: Andreas Laible

Serie „Wo in aller Welt“: Das Unternehmen Vincorion. Die Jenoptik-Sparte in Wedel ersetzt und repariert unter anderem Teile der Air Force One.

Wedel. Wenn der amerikanische Präsident Donald Trump mit der Air Force One zu Auslandsbesuchen reist, dann fliegt technologisches Know-how aus Wedel mit. Denn an der Nase des Flugzeuges befindet sich ein Teil, für das die Mitarbeiter der Firma Jenoptik – um genau zu sein: die der Sparte Vincorion – verantwortlich sind. Dabei handelt es sich um das Radom. Wem das jetzt so nichts sagt: Es geht um eine Art Schutzhaube für die Radarantenne. Dieses glasfaserverstärkte Kunststoffteil muss einerseits die Antenne vor Schmutz, Witterung und Beschädigungen schützen und gleichzeitig die Radarwellen durchlassen.

Vincorion produziert, repariert und wartet für zahlreiche Fluggesellschaften, aber auch Hubschrauberbetreiber dieses Teil. An das Radom der Air Force One, mit der einer der mächtigsten Männer der Welt fliegt, werden natürlich ganz besonders hohe Ansprüche gestellt. Und in Wedel sitzen die Mitarbeiter, die wissen, wie es geht.

„Wir sind, soweit wir das wissen, europaweit die einzigen, die die Lizenz haben, diese Arbeiten für die amerikanischen Streitkräfte durchzuführen“, berichtet Marco Hellberg, Chef des Bereichs Luftfahrt bei Jenoptik-Vincorion. Das bedeutet, wenn etwas an einem Radom der Staats-Maschinen kaputt ist oder es gewartet werden muss, schicken die Amerikaner es nach Wedel. Hier wird es instand gesetzt und zurückgeschickt, damit es beim nächsten Flug durch die Welt einwandfrei funktioniert.

Für die Jenoptik-Sparte „Verteidigung und Zivile Systeme“, die seit 2018 unter dem Markennamen Vincorion geführt wird, sind 769 Mitarbeiter und 44 Auszubildende tätig. Sie verteilen sich auf vier Standorte. Der Hauptsitz mit etwa 500 Mitarbeitern ist im Gewerbegebiet an der Industriestraße in Wedel. Hinzukommen eine Produktionsstätte in Essen mit rund 200 Angestellten, einem Motorenwerk im bayerischen Altenstadt sowie einem kleinen Standort im texanischen El Paso. Im vergangenen Geschäftsjahr (2017) belief sich der Umsatz von Vincorion auf rund 175 Millionen Euro. Und es soll zukünftig noch mehr werden.

Denn mit dem neuen Markennamen geht auch eine neue Unternehmensstrategie einher. Die Sparte soll sich zukünftig mehr von dem optisch spezialisierten Teil des Unternehmens abgrenzen können und gezielt neue Märkte erschließen. Bislang generiert Vincorion seine Aufträge hauptsächlich durch Kundenanfragen. Denn im mechatronischen Geschäft könne das Unternehmen auf eine mittlerweile 60-jährige Geschichte und vor allem Erfahrung im Finden von passgenauen Techniklösungen verweisen. In der Branche ist das bekannt. „Probleme, vor denen andere auch teilweise sehr große Unternehmen zurückschrecken, gehen wir an“, erklärt Vincorion-Chef Stefan Stenzel selbstbewusst. Ein Beispiel: Eine Fluggesellschaft benötigte eine Lösung für einen Wasserbefüllanschluss, der immer gefror und kam damit nach Wedel, wo das Problem gelöst werden konnte. Heute produziert Vincorion diese Speziallösung auch für andere Fluggesellschaften – und zwar 400 Stück pro Jahr.

Doch der Problemlöser und Spezialist für Luftfahrt und militärische Landfahrzeuge will mehr. So wurden jetzt zwei Produkte selbst entwickelt, die nun an den Kunden gebracht werden sollen. „Das ist für uns eine neue Rolle“, erklärt Stenzel, der aber optimistisch ist, dass die Produkte überzeugen können. Zum einen geht es um ein Teil fürs Flugzeug, das verhindern soll, dass Kälte bei Langstreckenflügen durch die Türen dringt. „Das hilft der Crew und den direkt betroffenen Passagieren“, erklärt Stenzel. Bei dem anderen Produkt handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Rettungswinden, die im Haus für Transporthubschrauber der Nato hergestellt werden. Der „SkyHoist 800“ ist speziell für zivile Zwecke und Unternehmen ausgelegt.

Zahlreiche Wedeler Entwicklungen sind weltweit in der Luft, aber auch auf dem Boden unterwegs. So bringt Vincorion auch alte Züge wieder auf die Schienen, beispielsweise in Russland. Dabei geht es vor allem darum, die zum Teil alten Dieselmotoren fit für die Zukunft zu bekommen. „Unsere Kompetenz kommt zum Tragen, wo auf engstem Raum höchste Energie erzeugt werden soll“, sagt Geschäftsführer Stenzel. Enger Raum und hohe Energie: Darum geht es auch in einem anderen Geschäftsfeld. So fertigt Vincorion beispielsweise Teile für den Panzer Leopard sowie den Puma an, die weltweit vertrieben werden. Das Wedeler Unternehmen Jenoptik ist dabei für die elektrische Turm-/Waffenstabilisierung verantwortlich.

Letzteres erklärt wohl auch die Länder, in denen sich das Unternehmen in den kommenden Jahren mit neuem Markennamen verstärkt um Kunden und Aufträge bemühen möchte. „Wir möchten im Ausland wachsen“, sagt Geschäftsführer Stenzel. Er sagt weiter: „Dabei haben wir vor allem den amerikanischen, den koreanischen sowie den israelischen Markt im Blick.“ Denn dort gebe es den nötigen Innovationswunsch und fast noch wichtiger: Budgets.