Pinneberg
Kreis Pinneberg

Pinneberg wird Sitz für den Kriminaldauerdienst

Die Polizei verstärkt nicht nur ihre Kontrollen wie hier in Schenefeld im Rahmen der Einbruchsprävention, sie entlastet mit dem neuen Kriminaldauerdienst auch die Streifenpolizisten vor Ort.

Die Polizei verstärkt nicht nur ihre Kontrollen wie hier in Schenefeld im Rahmen der Einbruchsprävention, sie entlastet mit dem neuen Kriminaldauerdienst auch die Streifenpolizisten vor Ort.

Foto: Alexander Sulanke

35 Beamte sollen vier Kreise betreuen. Landespolizei plant flächendeckend Kripo-Dienst rund um die Uhr. Hundestaffel kommt nach Quickborn.

Kreis Pinneberg.  Die Landespolizei wird vom kommenden Jahr an flächendeckend einen Kriminaldauerdienst (KDD) einrichten. Für die Kreise Pinneberg, Segeberg, Steinburg und Dithmarschen würden dafür etwa 35 Polizeibeamte von Pinneberg aus agieren, kündigte Polizeidirektor Jan Lewering vor dem Hauptausschuss des Kreistages jetzt an.

Die Kripobeamten, die damit die Schutzpolizei entlasten sollen, werden rund um die Uhr sieben Tage in der Woche im Einsatz sein, so der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion Bad Segeberg. Damit sei eine Aufstockung von nochmals 27 Polizeibeamten verbunden, zusätzlich zu der ohnehin geplanten Personalverstärkung von 44 Beamten für die beiden Kreise Pinneberg und Segeberg.

Zurzeit sorgen etwa 900, jeweils etwa 450 Polizeibeamte, für die Sicherheit der Bevölkerung in den beiden Kreisen. Bislang gibt es in Schleswig-Holstein diese KDD-Einheiten nur in den größten Städten des Landes – und zwar in Kiel und Lübeck. Wobei die Beamten in Lübeck bereits für den Ratzeburger Bereich in einem zentralen Kriminaldienst mit zuständig seien, der dem KDD entspreche, so Landespolizeisprecher Torge Stelck auf Abendblatt-Nachfrage. Dieses System habe sich bewährt und soll nun flächendeckend organisiert werden. Stelck dazu: „Wir erhoffen uns davon eine Qualitätssteigerung unserer polizeilichen Arbeit und eine Entlastung der Streifenpolizeibeamten.“

Vor einem Monat hatte
Innenstaatssekretär Torsten Geerdts die Pläne auf einer Regionalversammlung des Bundes Deutscher Kriminalbeamter für die Direktionen Segeberg und Itzehoe vorgestellt, die künftig eine KDD-Einheit bilden werden. Geerdts beschrieb die Vorteile so: „Für Schutzpolizei-Dienststellen und die Leitstellen ist eine Ansprechperson der Kriminalpolizei immer sofort verfügbar.“

Neu- und Anbauten in Elmshorn und Norderstedt

So bestünden bessere Möglichkeiten der gegenseitigen Unterstützung bei Wohnungseinbrüchen, bei Fahndungen oder bei der Vollstreckung von Haftbefehlen. Kripo-Beamte könnten so häufiger zu einer schnelleren Entlastung der Streifenpolizei vor Ort sein. Und: „Langfristig bringt dies eine Qualitätsverbesserung der Polizeiarbeit. Die Sicherheit der Bürger wird gestärkt.“ Geerdts nannte sogar 42 Planstellen, die für den KDD künftig in den vier genannten Kreisen eingesetzt werden sollten. Bislang werde diese kriminalpolizeiliche Arbeit von den Bereitschaftsdiensten abgedeckt, erklärt Landespolizeisprecher Stelck. Das sei aber nicht mehr zeitgemäß und habe auch zu zahlreichen Beschwerden der Kollegen geführt, da diese nächtlichen Bereitschaften nur zu 15 Prozent als Dienstzeiten angerechnet worden seien. Zumal für die betroffenen Kollegen „die Wahrscheinlichkeit von Alarmierungen hoch“ sei.

Überlegungen, diese Bereitschaftsdienste auszuweiten, hätten letztlich zu der Schlussfolgerung geführt: „Dann können wir auch gleich einen Kriminaldauerdienst einrichten.“ Auch aus Gründen der Eigensicherung der Polizeibeamten sei das Bereitschaftsdienstmodell nicht mehr zeitgemäß. Der Bereitschaftsdienst für die etwa 70 Kripobeamten der Direktion Segeberg würde damit entfallen, sagt die Segeberger Polizeisprecherin Berit Lindenberg. Umgesetzt werden soll der KDD Mitte bis Ende kommenden Jahres.

Die Aufgabe des KDD solle darin bestehen, bei schweren Kapitalverbrechen, sexueller Gewalt oder Wohnungseinbrüchen im ersten Angriff die Schutzpolizisten frühzeitig zu unterstützen. Auch die Tatortaufnahme- und –sicherung, Durchsuchungen und Fahndungsmaßnahmen sowie die anschließende Folgebearbeitung gehörten dann in die Zuständigkeit des KDD. „Die Polizeiarbeit wird so noch weiter professionalisiert“, sagt Landespolizeisprecher Stelck.

Außer dem KDD in Pinneberg, der von Heide bis Bad Segeberg zuständig sein wird, soll ein weiterer voraussichtlich in Flensburg geschaffen werden, der auch die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg abdeckt. Der KDD in Kiel übernimmt die Bearbeitung von Straftaten bis Neumünster, Rendsburg und Plön, der KDD Lübeck außer Ratzeburg auch noch den Bereich Ostholstein. Von den 44 Personalstellen, die die PD Segeberg unabhängig von 35 für den geplanten KDD zusätzlich erhalten soll, werden laut Lewering zehn Beamte übergeordnete Aufgaben erhalten und die anderen nach Bedarf auf die 33 Dienststellen verteilt. Zehn bis 15 davon würden im Kreis Pinneberg arbeiten.

An Nachwuchs fehle es der Landespolizei nicht, sagt Sprecher Stelck. Auf die 400 Ausbildungsplätze hätten sich zuletzt 3000 junge Menschen beworben.

Um den KDD in Pinneberg einzurichten, bedarf es aber noch räumlicher Verbesserungen, sagte Polizeidirektor Lewering. So seien Neu- und Anbauten in Elmshorn und in Norderstedt geplant. In Pinneberg, wo das vorhandene Polizeigebäude in der Elmshorner Straße zur Hälfte saniert sei, würde eine Interimslösung mit der Anmietung eines Gebäudes an einem weiteren Standort mit bis zu 800 Quadratmetern Nutzfläche angestrebt. Auch die Polizei-Hundestaffel mit ihren 14 Beamten werde im Juli von Henstedt-Ulzburg nach Quickborn in die Nähe der dortigen Wache im Industriegebiet an der A 7 verlegt.