Pinneberg
Bauprojekt

Nun greift sich der Bagger das alte Schulhaus in Rellingen

Der Bagger reißt das Gebäude ein: Bürgermeister Marc Trampe (l.), Matthias Schmidt und Philip Gerigk, beide Bauleiter des Planungsbüros, und Dagmar Schudak, Projektleiterin der Gemeinde. Im Bagger: Stephan Korte.

Der Bagger reißt das Gebäude ein: Bürgermeister Marc Trampe (l.), Matthias Schmidt und Philip Gerigk, beide Bauleiter des Planungsbüros, und Dagmar Schudak, Projektleiterin der Gemeinde. Im Bagger: Stephan Korte.

Foto: Katja Engler

Schon im April soll an der Caspar-Voght-Schule mit dem Rohbau für einen dreistöckigen Neubau begonnen werden. Besuch der Baustelle.

Rellingen.  Die Teerpappen-Dachhaut ist fast runter, die Fenster sind ausgebaut. Der Polier Stephan Korte fährt mit einem schweren Bagger durch den Matsch und greift sich ein großes, loses Stück Mauer, um es zum Container für Bauschutt zu bringen und dort abzuladen: Am Rand der Rellinger Caspar-Voght-Schule wird derzeit intensiv gearbeitet und viel Material bewegt. Seit Anfang Februar sind die Arbeiter einer Abbruchfirma mit dem Entkernen des ehemaligen Verwaltungsgebäudes beschäftigt, am Montag haben sie mit dem Abriss begonnen, der schon in drei Wochen beendet sein soll.

„Wir möchten die fünfzügige Caspar-Voght-Schule so aufstellen, dass künftig für alle Klassen genügend Differenzierungsräume zur Verfügung stehen“, sagt Schulamts- und Projektleiterin Dagmar Schudak von der Gemeinde Rellingen. Die bestehende Gemeinschaftsschule wird um eine Oberstufe erweitert, und auch die Grundschule soll um ein bis zwei Züge weiter wachsen.

Die Klassen fünf bis acht bleiben in den bestehenden Gebäuden, Schüler ab Klasse neun aufwärts ziehen dann in den geplanten dreistöckigen Neubau ein, weil sie am meisten Ruhe brauchen. Dieser wird mit einfacher geometrischer Gliederung und geklinkerter Fassade angepasst an das Hauptgebäude. Er erstreckt sich vom Hauptgebäude am Schulweg entlang bis zum Bushaltestellenschild.

Schulverwaltung und Lehrerzimmer vorübergehend in Containern

Die Schulverwaltung, das Lehrerzimmer und einige Fachräume sind vorübergehend in einer Reihe grauer Container untergebracht worden, die den Lärm von der Pinneberger Straße abschirmen. 14 Schulklassen wurden für die Bauzeit ausquartiert und sind überwiegend ebenfalls in Container eingezogen. Schon im Spätsommer des kommenden Jahres soll der Neubau fertig sein. Neben den Klassenräumen sollen darin auch eine größere Mensa und ein als Aula taugliches Foyer mit Bühne Platz finden, sagt Bauleiter Philip Gerigk vom Planungsbüro Rohling.

Die Caspar-Voght-Schule versteht sich trotz ihrer unterschiedlichen Bereiche weiter als „eine“ Schule. Ziel der Erweiterung und Neustrukturierung sei es, „diesem Wunsch auch architektonisch Ausdruck zu verleihen“, beschreibt das Planungsbüro Rohling sein Konzept.

Die einzelnen Schulbereiche blieben weiter klar gegliedert, Pausenflächen seien den jeweiligen Schulformen zugeordnet. Ist die „neue“ Schule fertig, soll während des Unterrichts der Zugang für alle ausschließlich über den kontrollierten Haupteingang erfolgen: „offen, freundlich und einladend“.

Das Projekt kostet rund 20 Millionen Euro

Bis jetzt läuft das 2016 mit ersten Analysen auf die Schiene gesetzte Schulbau-Projekt mit einem Gesamtvolumen von 20 Millionen Euro völlig reibungslos und fristgerecht. Auch wenn das Verbinden von alter Bausubstanz und Neubau statisch etwas kniffelig wird. „Wir haben in fast allen Gewerken Angebote“, sagt Bürgermeister Marc Trampe, der hier selbst zur Schule gegangen ist. 80 Prozent der Aufträge habe die Verwaltung bereits ausgeschrieben. Auch die Kostenberechnungen bewegen sich laut Trampe im geplanten Rahmen. Die 20 Millionen Euro Gesamtkosten beinhalten die Ausgaben für das neue Gebäude, rund 150 neue Parkplätze, die schon bis Ostern fertig sein sollen, außerdem renovierte Schulhöfe, Außenanlagen mit neuen Fahrradständern und einen gewundenen Weg, der alle Schulhöfe miteinander verbindet.

Der beauftragte Landschaftsarchitekt, erzählt Dagmar Schudak, habe die Schüler nach ihren Wünschen befragt: „Sie haben sich mehr Raum für Bewegung und mehr Bäume und Büsche gewünscht.“ Was in puncto Grün und Gestaltung genau gemacht wird, werde voraussichtlich im Juni im Bau- und Verkehrsausschuss beschlossen.

Unabhängig von dem großen Maßnahmenpaket wird in diesem Jahr auch das sogenannte Kleinspielfeld auf dem Hof der Gemeinschaftsschule saniert. Das ist ein hoch umzäunter Ballspielplatz, auf dem es in den Pausen hoch hergeht, weil dort viele verschiedene Gruppen mit Bällen spielen, um sich ordentlich auszutoben. Ein sehr beliebtes Plätzchen, weshalb die Bauarbeiten unbedingt in den Ferien über die Bühne gehen sollen. Das Spielfeld bekommt eine neue Unterkonstruktion, eine Entwässerung und einen Wurzelschutz, darüber hinaus eine neue Deckschicht. Die Kosten von 202.300 Euro sind im Haushalt 2019 eingeplant.

Schon im April geht es laut Bauleiter Philip Gerigk mit dem Rohbau für das neue, lange Gebäude los, eine Firma für diese Arbeiten soll laut Dagmar Schudak bereits in den Startlöchern stehen.

Weitere Infos: Vom Förderschulabschluss bis zum Abitur ist alles möglich

Die Caspar-Voght-Schule ist eine große, überwiegend fünfzügige Grund- und Gemeinschaftsschule, die 2017/18 damit begonnen hat, eine Oberstufe aufzubauen. Hier können Schüler einen Förderschulabschluss machen, außerdem den ersten allgemeinbildenden, den mittleren Schulabschluss und das Abitur. Je nach Leistungen, Stärken und Schwächen werden Kinder hier individuell in binnendifferenziertem Unterricht gefördert. In jedem Jahrgang gibt es mindestens eine Integrationsklasse. Der Unterricht darin erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Förderzentrum. Aber das Spektrum der Schule ist noch breiter: Seit fünf Jahren beherbergt die Caspar-Voght-Schule auch eine Sprachheilklasse und eine Klasse für noch sehr wenig Deutsch sprechende ausländische Schüler, die sich DaZ nennt, also „Deutsch als Zweitsprache“. Viel Wert wird auf Berufsorientierung gelegt, häufig in Zusammenarbeit mit Betrieben in der Region. Es findet ein Berufe-Speed-Dating statt, Schüler lernen, sich schriftlich zu bewerben.