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Kreis Pinneberg

Wedel bietet zu wenig Platz für Schwimmkurse

Die Wedeler FDP-Politikerin Nina Schilling steht vor der Badebucht. Sie wünscht sich mehr Kapazitäten für Anfängerschwimmkurse.

Die Wedeler FDP-Politikerin Nina Schilling steht vor der Badebucht. Sie wünscht sich mehr Kapazitäten für Anfängerschwimmkurse.

Foto: Katy Krause

Hoher Bedarf, lange Wartelisten: Obwohl die Stadt Wedel ein eigenes Kombibad unterhält, müssen Eltern ihre Kinder in Hamburg anmelden.

Wedel. Bei der DLRG in Wedel lernen etwa 70 Kinder pro Jahr Schwimmen – und es könnten noch viel mehr sein. Da ist sich der Vorsitzende des Vereins sicher. „Der Bedarf ist sehr hoch, und wir haben lange Wartezeiten“, berichtet Jochen Möller. Wer sein Kind für einen Anfängerschwimmkursus anmelden wolle, müsse sich auf bis zu zwei Jahre Wartezeit einstellen. „Wir wären in der Lage, mehr Schwimmkurse anzubieten,“ sagt Möller. Dafür bedürfe es aber weiterer Hallenzeiten. Das Problem: Vereine wie der TSV und die DLRG sowie alle Wedeler Schulen teilen sich die Wedeler Badebucht mit den normalen Besuchern. Damit jeder auf seine Kosten kommt, vergibt die Badebucht begrenzte Hallenzeiten an die Vereine.

Mit dem, was den Rettungsschwimmern zur Verfügung steht, können sie 48 Kurse pro Halbjahr anbieten. Bei dem überwiegenden Teil handelt es sich um Kurse für Kinder und Jugendliche. Ein Anfängerkursus für Erwachsene ist laut Möller nicht dabei. Auch das liege nicht an einem mangelnden Bedarf, sondern an den Kapazitäten. Die Badebucht selbst bietet rund 40 Kinderschwimmkurse an. Der TSV gibt durchschnittlich neun Kurse pro Halbjahr und würde auch gern mehr machen. „Wir könnten und wollten zusätzliche Kurse in den Ferien anbieten. Leider werden unsere Bahnzeiten in der Ferienzeit aber von der Badebucht gekürzt“, berichtet Wolfgang Kärgel, Geschäftsstellenleiter des TSV. Bei der Familienbildung Wedel, die mit zwei Gruppen pro Woche und 16 Kindern im Halbjahr der kleinste Anbieter ist, stehen immerhin 57 Kinder derzeit auf der Warteliste. Auch hier liegt es nicht an fehlenden Dozenten, sondern an einer Schwimmmöglichkeit.

Für Nina Schilling ist das ein Unding. Die Politikerin, die für die FDP im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport sitzt, sagt: „Es ist so wichtig, dass die Kinder schwimmen lernen.“ In Wedel gebe es den Bedarf, das nötige Schwimmbad und Vereine, die dank ausgebildeter Helfer weitere Kurse anbieten würden. „Den Vereinen müssen mehr Hallenzeiten zur Verfügung gestellt werden“, fordert Schilling. Zwar hat sie Verständnis dafür, dass die Schwimmbadleitung darum bemüht ist, die zahlenden Gäste zu ihrem Recht kommen zu lassen. Allerdings verweist Schilling darauf, dass der Großzahler zur Finanzierung der Badebucht die Stadt sei, die das defizitäre Kombibad zuletzt mit immerhin rund zwei Millionen Euro bezuschusste.

Doch während die Stadt Millionen ins eigene Schwimmbad investiert, weichen die Wedeler gezwungenermaßen nach Hamburg aus. So wie Lena Babinski und ihre Tochter: „In Wedel muss man sein Kind ja schon fast vor der Geburt für einen Schwimmkursus anmelden, um einen Platz zu bekommen“, sagt sie. „Dabei ist es gerade für eine Stadt am Wasser wie Wedel doch so wichtig, dass die Kinder hier schwimmen lernen.“ Zuletzt konnte sie mit ihrer Tochter einen Kursus im Tabea Bewegungsbad in Hamburg-Osdorf besuchen. Doch das Bad ereilt jetzt dasselbe Schicksal wie das der Regio Kliniken in Wedel, das sanierungsbedürftig war und geschlossen wurde. „Meine Tochter hat geweint, weil sie nicht mehr schwimmen gehen kann“, berichtet Babinski, die bislang keine Lösung gefunden hat.

„Die zur Verfügung stehenden Wasserflächen in der Badebucht sind weitestgehend belegt“, erklärt Badleiter Karsten Niß auf eine Anfrage der FDP bezüglich der Schwimmkurse. Weitere Bahn- und Flächenbelegungen fürs Kursangebote würden zu noch mehr Einschränkungen der Öffentlichkeit führen und zur Abwanderung von Tagesgästen. „Die Nutzergruppen gegeneinander auszuspielen muss aufhören“, meint dagegen FDP-Ausschussmitglied Schilling. Wer heute in der Badebucht schwimmen lerne, sei ja ein Nutzer von morgen.

Viele Wedeler Eltern zieht es aber anstatt in die stadteigene und nahe gelegene Badebucht lieber ins Blankeneser Schwimmbad. Dort geht sogar Wedels Rettungsschwimmerchef Möller mit seiner Tochter hin. Der Grund: Es verfügt über ein Lehrschwimmbecken, das für Anfänger besser geeignet ist. „Das fehlt in Wedel einfach“, sagt Möller. In der Badebucht müssten die Anfänger in einem dann abgetrennten Teil des Spaßbades schwimmen lernen. Dabei wäre die Fläche für den Bau eines solchen Lehrschwimmbeckens, wie es früher eines in Wedel auch gab, vorhanden. Das Becken könnte auf der Wiese direkt angrenzend ans Sportbad entstehen, so Möller. Derzeit gibt es Bestrebungen verschiedener Vereine, den Bau eines Lehrschwimmbeckens zumindest in den geplanten Sportstättenbedarfsplan der Stadt aufzunehmen.