Pinneberg
Halstenbek

Messerstecherei – Täter wird angeklagt

Mehr als viereinhalb Monate nach der Tat erhebt die Staatswaltschaft Anklage gegen den Täter (Symbolbild).

Mehr als viereinhalb Monate nach der Tat erhebt die Staatswaltschaft Anklage gegen den Täter (Symbolbild).

Foto: Frank May / picture alliance / Frank May

Der 38-Jährige griff in Halstenbek einen 34-Jährigen Zechkumpanen an. Opfer schwebte in Lebensgefahr, Not-OP rettet sein Leben.

Halstenbek.  Viereinhalb Monate nach einer Messerstecherei in Halstenbek hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe Anklage gegen den 38 Jahre alten Täter erhoben. „Wir werfen dem Beschuldigten einen versuchten Totschlag sowie eine gefährliche Körperverletzung vor“, so Peter Müller-Rakow, Oberstaatsanwalt und Sprecher der Anklagebehörde.

Es war ein außergewöhnlich warmer Tag im Oktober, als es in Halstenbek zu dem folgenschweren Streit kam, der bald die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Itzehoe beschäftigen wird. Das Thermometer kletterte an besagtem 10. Oktober auf weit über 20 Grad, sodass die Gartensaison vielfach in die Verlängerung ging. Im Garten eines älteren Einfamilienhauses, ziemlich abgelegen an der Straße Am Hollen, hatten sich vier Männer eingefunden. Sie tranken gemeinsam Alkohol. Und zwar in großen Mengen. Schließlich kippte im Verlauf des Zechgelages die Stimmung.

Zwei der Zechkumpanen, ein 34 Jahre alter Russe und ein 38-jähriger gebürtiger Armenier, gerieten laut Anklageschrift aneinander. Erst mit Worten, dann wurde es körperlich. Offenbar ging der Impuls, die Auseinandersetzung mit körperlicher Gewalt fortzusetzen, vom Russen aus. Das teilte nach der Tat zumindest die Polizei mit.

Stach der Angeklagte von hinten auf sein Opfer ein?

Der 34-Jährige, der in Halstenbek lebt, kam allerdings nicht mehr dazu, den ersten Schlag zu setzen. Denn der Armenier stach laut den damaligen Angaben der Polizei „unvermittelt mit einem Messer von hinten auf ihn ein“. Staatsanwalt Müller-Rakow will diesen Hergang explizit nicht bestätigen. Er bestätigt jedoch Folgendes: „Der Angeklagte stach dreimal auf sein Opfer ein.“ Die Stiche hätten den 34-Jährigen im Bereich des Oberkörpers und des Kopfes getroffen.

Das Opfer erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Der Mann kam in ein Hamburger Krankenhaus, wurde notoperiert. Er überlebte zum Glück. Der Täter flüchtete unmittelbar nach den Messerstichen zu Fuß. Zuvor hatten die übrigen Anwesenden eingegriffen. Einem der Zechkumpanen gelang es, den Täter zu entwaffnen. Das Tatmesser wurde wenig später von den alarmierten Polizisten sichergestellt.

Den Beamten der Schutzpolizei gelang es auch, den 38-Jährigen eine halbe Stunde nach der Tat festzunehmen. Die Polizei hatte eine Großfahndung ausgelöst. Dabei überprüfen sie auch den S-Bahnhof Halstenbek und entdeckten dort den Täter, der auf eine S-Bahn wartete. Er ließ sich widerstandslos festnehmen. Die weiteren Ermittlungen übernahmen die Beamten der dafür zuständigen Mordkommission mit Sitz in Itzehoe.

Der Armenier wurde am Nachmittag des 11. Oktober einem Haftrichter am Amtsgericht Itzehoe vorgeführt. Dieser erließ einen Haftbefehl wegen versuchten Totschlags. Der 38-Jährige sitzt seitdem in einer Justizvollzugsanstalt und wartet auf seinen Prozess. Einen Verhandlungstermin hat die Schwurgerichtskammer noch nicht festgelegt. Dem Angeklagten droht eine mehrjährige Haftstrafe. Vor Gericht dürfte die Frage nach dem Motiv eine entscheidende Rolle spielen. Bislang ist nicht klar, warum es zu dem Streit kam. Wichtig wird auch sein, wie stark Täter und Opfer alkoholisiert waren.