Pinneberg
Kreis Pinneberg

Wie Hetlinger ihre Dorfkneipe retten wollen

Holger Martinsteg gehört zur Gruppe Hetlinger, die ihre Dorfkneipe retten wollen und dafür eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet haben.

Holger Martinsteg gehört zur Gruppe Hetlinger, die ihre Dorfkneipe retten wollen und dafür eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet haben.

Foto: Thomas Pöhlsen

Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten kommen gut voran. Mögliche Eröffnung im Juni. Aber: Es fehlt noch ein zukünftiger Betreiber.

Hetlingen.  Holger Martinsteg kann nicht mehr auf dem Hetlinger Wochenmarkt einkaufen, ohne auf das Thema angesprochen zu werden. Auch wenn er zur örtlichen Feuerwehr geht – 20 Jahre war er stellvertretender Wehrführer, 2018 gab er das Amt ab und ist jetzt nur noch „Löschknecht“ – wird er auf das Op de Deel angesprochen. „Viele wollen wissen, wie es läuft“, berichtet der Hetlinger.

Martinsteg gehört zu einer Gruppe von 14 Bürgern, die sich vorgenommen haben, die Dorfkneipe zu retten. Für sie ist es Gemeindemittelpunkt und Kommunikationszentrum in einem. Ein gastronomischer Betriebe gehört für sie zur ländlichen Infrastruktur dazu. Und der Kneipenretter versprüht Optimismus: „Wir kommen gut voran.“

Dass immer mehr Dorfkneipen geschlossen werden und es Menschen gibt, die sich gegen diesen Trend stemmen, ist aus seiner Sicht nichts Neues. Das Besondere an dem Hetlinger Modell ist, dass eine Gruppe von Bürgern mit der Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) dafür sogar ins finanzielle Risiko geht, weswegen bereits zwei Fernseh-Teams in die Marschgemeinde kamen und für landesweite Bekanntheit des Projekts sorgten.

Rückblende: 2017 verursachte eine Makleranzeige in Hetlingen Aufruhr. Die Immobilie an der Schulstraße stand zum Verkauf. Ausdrücklich wurde in der Anzeige darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Objekt um kein Kulturdenkmal handelt, es nicht dem Denkmalschutz unterliegt. Und es gab die Information, dass auf dem Grundstück Geschosswohnungsbau sowie Einfamilienhaus-, Doppelhaus- und Reihenhaus-Bebauung möglich ist. Für viele Hetlinger stand fest: Die historische Kneipe soll zugunsten von Wohnungsbau platt gemacht werden.

Martinsteg und Matthias Strauch kennen sich, unter anderem aus der Dorfpolitik und der Interessengemeinschaft Hetlinger Unternehmer. Sie schmiedeten den Rettungsplan und konnten Mitstreiter gewinnen. Unter ihnen sind einige, die sich in Bau- und Finanzierungsfragen auskennen. Drei Geschäftsführer mit verschiedenen Tätigkeitsfeldern wurden bestellt. Zudem gibt es Arbeitsgruppen, die sich mit verschiedenen Themenfeldern beschäftigen, wie etwa Vermietung, Dach oder Heizung.

Seit 1. Januar arbeiten Helfer auf der Baustelle

Am 1. Januar konnten die Kneipenretter loslegen. Bei den Entkernungsarbeiten legten die Besitzer selbst Hand an. Immer sonnabends trafen sie sich zum Arbeitseinsatz mit viel Spaß und Engagement. Unter den Gesellschaftern befinden sich zudem ein paar Rentner, die auch unter der Woche aktiv sind.

Die beste Nachricht der vergangenen Wochen: Entgegen der Befürchtungen mancher Gesellschafter traten keine versteckten Mängel oder Schäden an dem historischen Gebäude auf, die kostensteigernd gewirkt hätten. So kann voraussichtlich die angepeilte Investitionssumme von einer halben Million Euro eingehalten werden.

Der Tresen mit seiner Kühlanlage erwies sich als noch sehr gut erhalten, sodass er übernommen werden kann. Auf einer grünen Tafel, auf der der frühere Wirt einst seine Speisenangebote geschrieben hat, werden nun die nächsten Aufgaben fixiert.

Die Arbeiten für den Umbau und die Modernisierung wurden von der GbR weitgehend vergeben. Handwerker erneuern derzeit die Sanitär- und Heizungssanlagen. Neue Wände werden gezogen, die Decke verkleidet. Das neue Reetdach zeugt bereits vom Fortschritt der Arbeiten.

Neben dem Gastraum soll es einen separaten Besprechungsraum geben. Modernisieren und gleichzeitig den Charakter des einstigen Bauernhauses erhalten – das ist das Motto der Kneipenretter. Gestalterisches Highlight des Gebäudes wird eine riesige gläserne Tür in Richtung Hauptstraße. Sie wird dort eingesetzt, wo sich derzeit noch eine hölzerne Verkleidung befindet und früher das Scheunentor war. Durch die Verglasung soll der Schankraum lichtdurchflutet werden und einen freundlichen Charakter bekommen.

Im vergangenen Frühsommer, als die Planungen vorgestellt wurden, war noch der 31. Dezember als Eröffnungsdatum genannt werden, inklusive großer Silvesterparty. Der damalige Plan galt als sehr ambitioniert. Illusorisch wurde der Termin, weil die Kneipenretter eine Förderung von 100.000 Euro durch die AktivRegion Pinneberger Marsch und Geest beantragt haben. Die Vergabe der EU-Mittel ist mit umfangreichen, zeitraubenden Prüfungen durch Landesbehörden verbunden. Aber die Förderung hat geklappt.

Nun ist der 1. Juni als Eröffnungstermin im Gespräch. Allerdings fehlt den Kneipenrettern noch eine wichtige Person: der neue Betreiber. „Es haben sich bereits mehrere Interessenten das Objekt angeguckt“, berichtet Martinsteg. Feste Absprachen oder gar einen unterschriebenen Vertrag gibt es nicht. Er bleibt jedoch optimistisch. „Die Ausbauarbeiten müssen noch etwas weiter vorankommen, dann kann man mehr sehen, und es wird sich ein Betreiber finden“, sagt er.

Dass der gastronomische Betrieb ein Erfolg wird, ist für Martinsteg unstrittig. Nicht nur die Hetlinger würden das neue Angebot nutzen. Das Op de Deel liege auch an einer von Ausflüglern per Auto und Fahrrad viel genutzten Strecke. „An der Hetlinger Schanze sind an einem schönen Sommertag mehrere Tausend Menschen“, sagt er. Und viele fahren an der Dorfkneipe mit dem idyllisch gelegenen Biergarten vorbei. Sie müssten dann nur noch anhalten.