Pinneberg
Kreis Pinneberg

Feuerwehren setzen auf Hauptamtliche

Foto: Arne Kolarczyk

Rellingen als letzte größere Feuerwehr stellt Vollzeitkräfte ein. Das Modell Ehrenamt stößt zunehmend an seine Grenzen.

Kreis Pinneberg.  Sie retten, löschen, bergen und schützen. Die Rede ist von den 53 Feuerwehren des Kreises Pinneberg. 50 davon sind freiwillige Wehren, deren Mitglieder ehrenamtlich ihr Leben für andere riskieren. Doch der Ehrenamtlichkeit werden immer stärker Grenzen gesetzt. Die Aufgaben werden vielfältiger und komplexer, sodass mehr „Berufsfeuerwehrleute“ in der Freiwilligen Wehr Einzug halten.

Als letzte der großen Wehren hat nun auch Rellingen zwei hauptamtliche Gerätewarte eingestellt. Seit 1. Februar kümmern sich Thorsten Berg (47) und Christoph Iserhoth (24) in Vollzeit um die Belange der Ortsfeuerwehr. „Die Arbeit wird immer mehr, wir konnten das nicht mehr ehrenamtlich bewältigen“, sagt Wehrführer Kai-Uwe Otto.

Er hatte im Herbst vorigen Jahres bei der Verwaltung Alarm geschlagen – und war auf volles Verständnis gestoßen. „Die Anforderungen sind stark gestiegen, der zeitliche Aufwand hat sich gewaltig erhöht. Die Politik hat das auch so gesehen und einstimmig die Einstellung der hauptamtlichen Kräfte beschlossen“, so Rellingens Bürgermeister Marc Trampe.

Langeweile kennen Berg und Iserhoth nicht. Ihnen obliegt die Wartung und Pflege aller Ausrüstungsgegenstände, die mit der Feuerwehr zu tun haben. Angefangen von den Fahrzeugen über die digitalen Funkgeräte, die Atemschutzausrüstung, die Rettungsgeräte wie Schere, Spreizer und Kettensäge bis hin zur Reinigung der Einsatzkleidung nach jedem Einsatz. „Es gibt genauste Vorgaben der Feuerwehrunfallkasse, an die wir uns halten müssen“, sagt Wehrführer Otto. Dazu gehöre auch die regelmäßige Prüfung und Kalibrierung der Gasdruckmessgeräte. „Einige Dinge hatten wir vorher fremdvergeben, die wir jetzt selber wahrnehmen können“, so der Wehrführer weiter.

Auch die Brandschutzerziehung an Schulen und Kitas sowie die Brandschauen in Betrieben und öffentlichen Gebäuden werden von den hauptamtlichen Kräften mitübernommen. Iserhoth und Berg verstehen ihr Handwerk, schließlich waren sie vorher als ehrenamtliche Gerätewarte tätig.

32 hauptamtliche Gerätewarte sind damit insgesamt in den zwölf größeren Wehren des Kreises Pinneberg tätig. Tendenz ist steigend. „Die Prüfvorschriften sind, was Wartung und Pflege unserer Geräte angeht, immer komplexer geworden“, sagt etwa Torneschs Wehrführer Dirk Lolies. 2012 bekam seine Wehr den ersten Hauptamtlichen, die zweite Stelle wurde im September vergangenen Jahres besetzt. Wenn sich das Aufgabenspektrum weiterhin so schnell erhöht, ist laut Lolies „in weiter Zukunft“ eine erneute Aufstockung nicht ausgeschlossen.

In Wedel sind mittlerweile zweieinhalb Stellen für Hauptamtliche installiert. Weil die Arbeit weiter anwächst, geht die dortige Wehr andere Wege. Auf der Jahreshauptversammlung wurde ein zweiter stellvertretender Wehrführer gewählt – „um die ehrenamtliche Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen“, sagt Feuerwehrsprecher Dennis Renk. Zudem solle noch in diesem Jahr im Rathaus eine neue Stelle geschaffen werden, die sich rein mit Feuerwehrwesen befasst. „Wir gehen davon aus, dass uns dadurch einiges abgenommen wird, gerade was den Schreibkram angeht“, sagt Renk weiter.

Elmshorn liegt mit sechs hauptamtlichen Gerätewarten an der Spitze. Wehrführerin Britta Stender begründet dies mit dem umfangreichen Fuhrpark von 17 Fahrzeugen, die gewartet und gepflegt werden müssten, sowie der Pflege der Ausrüstung, der Brandschutzerziehung an allen Schulen und Kitas der größten Stadt des Kreises und dem Verwaltungsaufwand. „Tagsüber nehmen die Hauptamtlichen kleinere Einsätze wie Ölspuren abstreuen oder Türöffnungen wahr“, so Stender. Dafür bräuchten dann keine ehrenamtlichen Kräfte alarmiert werden.

Sechs hauptamtliche Gerätewarte hat auch der Kreisfeuerwehrverband mit Sitz in Tornesch-Ahrenlohe, der Spezialaufgaben wie den Löschzug Gefahrgut übernimmt. Laut Kreiswehrführer Frank Homrich ist der Verband auch Dienstleister „für die kleineren Wehren, die keine hauptamtlichen Kräfte haben“. Er übernehme Wartung und Pflege der Geräte und sei für alle Wehren in der Prüfung der Atemschutzflaschen und der Schlauchwäsche tätig.