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Wedel

Acht Stolpersteine erinnern an NS-Verbrechen

Erhard Vogt legt eine Rose auf den neuen Stolperstein für Magnus Pettersson.

Erhard Vogt legt eine Rose auf den neuen Stolperstein für Magnus Pettersson.

Foto: Burkhard Fuchs

Aktionskünstler Günter Demnig verlegt Symbole für Nazi-Opfer. Geschichtswerkstatt und Verein Spurensuche recherchierten Schicksale.

Uetersen.  So schnell wie er gekommen war, ist er dann auch wieder weg – zur nächsten Station. Der Aktionskünstler Günter Demnig besuchte am Freitag die Stadt Uetersen, um dort acht im Dritten Reich verfolgte und ermordete Menschen mit Stolpersteinen zu würdigen. Rund 15.000 solcher messingbeschlagener Steine hat er mittlerweile europaweit in den Asphalt zementiert. Die Stolpersteine sollen am letzten bekannten Wohnort oder der Arbeitsstätte der Opfer an diese erinnern. Sie sind mit dem Namen des Opfers, Geburts- und Todesdatum sowie dem Grund gekennzeichnet, warum sie verfolgt und ermordet wurden.

Dazu hatte die Geschichtswerkstatt und der Verein Spurensuche in Uetersen in jahrelanger Recherche und Archivsuche den Lebenslauf zusammengetragen. Bereits vor sechs Jahren waren es politisch Verfolgte, die wegen ihrer Zugehörigkeit zur KPD oder SPD und ihrem politischen Engagement für Meinungsfreiheit den Nazis ein Dorn im Auge waren. Seit Freitag erinnern jetzt Stolpersteine an NS-Opfer in Uetersen, die, weil sie psychisch krank, Kinder von Zwangsarbeiterinnen waren oder als asozial und arbeitsscheu galten, vorzeitig sterben mussten.

Gleich vier Stolpersteine setzte der handwerklich geschickte Demnig direkt nebeneinander im Tornescher Weg 5-7. Dort lebten einst Nadezda Skumatow mit ihrer Tochter Maria und Ljuba Jurtschonok mit Tochter Lola. Beide Mütter waren Zwangsarbeiterinnen, die die NS-Schergen in Weißrussland verhaftet und 1943 nach Deutschland deportiert hatten. Sie wurden bei der Uetersener Maschinenfabrik Hatlapa für die Rüstungsindustrie eingesetzt, wo sie auch untergebracht waren. Ihre neugeborenen Kinder mussten sie laut Recherchen vernachlässigen, durften sich nicht um sie kümmern. Lola starb im Alter von nur 13 Monaten offiziell an Bronchitis und Herzschwäche, Maria mit 17 Monaten an Pneumonie, wie es im Sterbeeintrag heißt. Das Schicksal der Mütter ist nicht bekannt. Möglicherweise haben sie die Zwangsarbeit und den Schicksalsschlag überlebt.

In der Katharinenstraße 8 und 13 erinnern jetzt Stolpersteine an die Euthanasieopfer Katharina Kröger, geborene Jürgs, und Erna Nelamischkies, die 1941 beziehungsweise 1943 im Alter von 63 und 28 Jahren wegen ihrer geistigen Behinderung ermordet worden sind. An Franz Leo Lissner erinnert ein Stolperstein Schwimmbad im Kleinen Sand 47. Er wurde mehrfach verhaftet, weil er als arbeitsscheu galt, und starb mit 44 Jahren im KZ Neuengamme an einer Darmentzündung. Der Schwede Magnus Pettersson erhielt 1944 mit 28 Jahren im KZ Buchenwald sein Todesurteil. Er war vom Nazi-Regime als asozialer Ausländer gefoltert und misshandelt worden.

Da Demnigs Mession weitergeht, machte sich der Aktionskünstler von Uetersen gleich weiter in Richtung Münsterdorf bei Itzehoe auf, um dort weitere Stolpersteine zur Erinnerung zu verlegen.