Pinneberg
Elmshorn

Erfinderin des Gezeiten-Parks ausgezeichnet

 Ruth Alice Kosnick ist 2018 die Kulturpreisträgerin der Stadt Elmshorn. Ein Besuch in ihrem Atelier

 Ruth Alice Kosnick ist 2018 die Kulturpreisträgerin der Stadt Elmshorn. Ein Besuch in ihrem Atelier

Foto: Anne Dewitz

Ruth Alice Kosnick wird Sonntag der Elmshorner Kulturpreis verliehen. Etliche Teile ihrer Idee hat sie rund um den Hafen verwirklicht.

Elmshorn.  Bunte Mosaike auf dem Gehweg, ein Drachen als Gartenbank, eine Frauenskulptur vor dem Haus, an der Wand eine Gargoyle, ein Schutzgeist für Haus und Hof. Wer das Grundstück von Ruth Alice Kosnick betritt, fühlt sich wie im Park Güell. Tatsächlich ist es Antoni Gaudí, der die Künstlerin auf einer zweiwöchigen Studienreise nach Barcelona nachhaltig inspiriert hat.

Darauf festlegen lässt sich die Elmshornerin nicht. „Unterschiedliche Materialien, ungewöhnliche Techniken, spannende Malstile, eigenwillige Kombinationen – ich bin immerzu inspiriert von irgendwas“, sagt die 57-Jährige. An diesem Sonntag wird Ruth Alice Kosnick der Kulturpreis der Stadt Elmshorn verliehen. Der öffentliche Festakt beginnt um 11 Uhr in den Räumen der Sparkasse Elmshorn, Königstraße 21.

Sie hat zwei Kunstverfahren entwickelt – „Wortnetze“ und „Verwobenes“ sind ihr Alleinstellungsmerkmal. Für Ersteres formt sie Worte mithilfe einer Heizklebepistole, die durch Rost und Patina vergänglich wirken. Im zweiten Verfahren zerschneidet sie ihre Bilder und verwebt sie neu. Andere Werke finden sich im öffentlichen Raum rund um die Krückau. 1998 entwarf Kosnick das Gezeiten-Projekt Elmshorn.

Gemalt hat Ruth Alice Kosnick schon als Mädchen leidenschaftlich gern. In der Schule wählt sie den Kunstleistungskurs, gewinnt als Schülerin einen Preis. In Hamburg geboren, zieht Ruth Alice Kosnick mit ihrer Familie häufig um. Die Mutter hat als Hauswirtschaftsleiterin wechselnde Auftraggeber. Die Familie zieht der Arbeit hinterher; alle zwei Jahre eine neue Stadt, eine andere Umgebung. Erst als sie mit ihrem Mann – Ostfriese und Segler – 1994 nach Elmshorn zieht, wirft sie erstmals einen Anker. Eine feste Heimat gibt es bis dato nicht. „Zu Hause war, wo die Familie war“, sagt sie. Ihr Mann, von dem sie mittlerweile geschieden ist, ist es auch, der ihre Liebe zu den Gezeiten weckt.

Dann verschlägt es Kosnick wieder nach Norddeutschland. Sie bewirbt sich an der renommierten Städelschule in Frankfurt am Main, entscheidet sich dann aber für die Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK). Dort sehen sie die Dozenten allerdings nicht in der bildenden Kunst, sondern in der Architektur – beides ist zu dem Zeitpunkt noch unter einem Dach vereint. „Also studierte ich Architektur, in der Hoffnung, über dieses Hintertürchen einen Fuß in die Kunst zu bekommen“, sagt die zweifache Mutter. Sie wählt den Schwerpunkt „Wohnen am Wasser“, schließt mit Diplom ab.

Als sie vor 25 Jahren nach Elmshorn zieht, fällt ihr sofort der stiefmütterliche Umgang mit der Krückau auf. „Dort stand eine Parkbank mit dem Rücken zur Krückau“, sagt Ruth Alice Kosnick. Als die Kunstkommission Kiel einen Wettbewerb für Kunst im öffentlichen Raum ausschreibt, entwickelt sie 1998 die Idee für einen Gezeiten-Park für Elmshorn.

„Ich wollte die Tidenabhängigkeit der Krückau, die durch die Innenstadt fließt und früher die Lebensader der Stadt darstellte, wieder mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit holen“, sagt sie. Die Krückau, durch die Elmshorn zum drittgrößten Getreideumschlagplatz des Deutschen Reiches wurde, habe heute noch einen Tidenhub von zwei Metern im Innenstadtbereich. Kosnicks Arbeit „Gezeiten-Park Elmshorn“ gewinnt zwar nicht, kommt aber in die engere Auswahl und wird Teil einer Wanderausstellung; nach Elmshorn kommt die nie. Aber der Elmshorner Fotograf Reimer Wulf wird durch die Ausstellung aufmerksam auf Kosnicks Ideen. Er motiviert sie, ihre Idee Politik und Verwaltung vorzustellen. Plötzlich findet sich die Künstlerin in Ausschüssen, Sitzungen und Zukunftskonferenzen wieder.

Vier Teilprojekte aus dem Gezeiten-Projekt hat sie bisher realisiert: die „Rückblick-Tafeln“ (2001) in der Innenstadt, die „Gezeiten-Fische“ (2004) an der Wedenkampbrücke und am Industriemuseum, die „Sturmflut-Dalben“ (2013) am Hafenplatz und „Sturmflutmarken“ (2014) an der Königstraße. Viele weitere Projekte für Elmshorn schlummern seit Jahren in ihrer Schublade. Sie tragen Namen wie „Schottenführungen“, „Pegelgeländer“, „Mondphasenkreis“, „Lauf der Krückau“, „Seehundsbank“ oder „Tidenhubrelief“. Das Projekt „Fisch-Steine“ soll in Kürze verwirklicht werden.

Die Käpten-Jürs-Klappbrücke geht auch auf Kosnicks Konto: Sie warb bei der Stadt für eine solche statt einer festen, weil sie auf die Rückkehr von Segelschiffen in den Elmshorner Hafen und auf eine Belebung der Krückau hoffte. Sie bewies Weitblick: Mit dem Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen könnte dieser Wunsch in Erfüllung gehen.

Kunst-Atelier: Ruth Alice Kosnick gibt Kurse vom Porträtzeichnen über Acrylmalerei bis hin zu Drucken mit Gelatine. Kontakt unter 04121/461 93 74, ruthalice@web.de. Weitere Infos unter www.ruthalice-kosnick.de