Pinneberg
Elmshorn/Tornesch

Achtung, die Unternehmerinnen kommen

Anne Augustin, Geschäftsführerin bei Kühl in Elmshorn, will frischen Wind in die Vollversammlung der IHK zu Kiel bringen.

Anne Augustin, Geschäftsführerin bei Kühl in Elmshorn, will frischen Wind in die Vollversammlung der IHK zu Kiel bringen.

Foto: Katy Krause / krk

Unter den Kandidaten für die IHK-Vollversammlung finden sich zunehmend Frauen. Im Februar wird das Gremium neu gewählt.

Elmshorn/Tornesch.  Anne Augustin ist 36 Jahre alt. Die gelernte Bürokauffrau zeigt, dass man sich auch in einer Männerdomäne mit Mühe, Fleiß und einem guten Netzwerk durchsetzen kann. Denn heute ist Augustin Geschäftsführerin des Elmshorner Unternehmens Kühl für Kraftfahrzeuge, für Kranverleih und für Maschinentransporte. Für die drei Kühl GmbHs arbeiten insgesamt 110 Mitarbeiter, der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei mehr als zehn Millionen Euro.

„Die Kran- und Schwertransportbranche ist sehr speziell“, sagt die junge, fast zierlich wirkende Frau, von deren Erscheinung man sich nicht täuschen lassen sollte. Augustin hat sich in dieser speziellen Branche behauptet, dort, wo es viel um Technik geht und der Faktor Zeit eine große Rolle für die Kunden spielt. Wenn es einen Kran auf der Baustelle oder einen Schwertranport braucht, dann meistens sofort.

Über das nötige Wissen verfügt Augustin, weil sie zum einen im Laufe der vergangenen Jahre fast alle Abteilungen des Unternehmens durchlief. Zudem bildete sie sich neben ihrem Vollzeitjob weiter, machte ihren Wirtschaftsfach- und Betriebswirt bei der Industrie- und Handelskammer. So kam sie erstmals in Berührung mit der Unternehmensvertretung. Ihr Eindruck: „Etwas verstaubt und unflexibel.“

Nun gehört Augustin zu denen, die sich mit so etwas nicht einfach abfinden, und deshalb stellt sich die 36-Jährige zur Wahl. Sie möchte Mitglied in der Vollversammlung der IHK zu Kiel werden. Damit gehört sie zu einer Minderheit – also nicht, weil sie sich ehrenamtlich in dem Gremium engagieren möchte, sondern weil sie als Frau zu einer unterrepräsentierten Gruppe gehört.

Wer sich die aktuelle Kandidatenliste ansieht, kommt auf einen prozentualen Anteil weiblicher Kandidaten von gerade einmal 16,8 Prozent. Wie viele von ihnen es dann in das Gremium schaffen werden, das bis zum 26. Februar von den jetzt zur Wahl aufgerufenen 65.000 Mitgliedsunternehmen im IHK-Bezirk bestimmt wird, ist wieder eine andere Frage. Zumindest ist der Anteil der Kandidatinnen im hiesigen Wahlbezirk Unterelbe mit 19,6 Prozent durchschnittlich höher.

Hier tritt auch die Tornescher Unternehmerin Ann Christin Hahn erneut als Bewerberin an. Vor 15 Jahren gründete sie mit Lasermobil ihre eigene Firma. „Schon in der Schule war für mich klar, dass ich einmal meine eigene Firma gründe“, erklärt die 38-Jährige. Die gelernte Kauffrau kann heute außer ihrer eigenen Firma mit neun Mitarbeitern auch zwei abgeschlossene Studien vorweisen. So ist Hahn Wirtschaftsingeneurin und schloss an der Nordakademie zudem ihr Duales Studium in Business Management ab.

„Unternehmerinnen werden immer noch als Ausnahme wahrgenommen“, stellt Hahn fest. Daher möchte sie sich auch in dem IHK-Gremium engagieren, das die Interessen der Unternehmen an Politik und Verwaltung heranträgt. „Es ist ganz wichtig, dass Vertreter aus der Wirtschaft ihre Interessen deutlich machen“, sagt sie. Was ihr zum Beispiel im Moment fast auf der Seele brennt, ist das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Unternehmenschefin bekam vor sechs Monaten Töchterchen Ronja und muss feststellen: „Es ist nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt habe.“ So leide sie unter der Elternzeitregelung für Selbstständige.

Wenn ihre Firma gut läuft, wird ihr das rückwirkend vom Elterngeld abgezogen. Wenn es schlecht läuft, bleibt es beim alten Satz. „Das ist so unterirdisch schlecht geregelt. Hier wird ein absoluter Fehlanreiz gesetzt“, sagt die junge Mutter, die sich übrigens auch noch ehrenamtlich in der Tornescher Kommunalpolitik engagiert. Trotz ihres nicht gerade geringen Pensums tritt sie für die Vollversammlung der IHK an. Allerdings weiß Hahn, was sie dort erwartet. Denn die Unternehmerin war bereits fünf Jahre Mitglied in dem Gremium und sogar Vizechefin. Wenn der ebenfalls selbstständige Papa keine Zeit hat, möchte sie Ronja einfach mitnehmen. Das hat sie auch schon einmal gemacht und gleich festgestellt: Bei der IHK gibt’s keinen Wickeltisch.

Anders als Hahn wäre Augustin erstmals in dem Gremium vertreten sein. Die Themen, die sie bewegen? „Ich möchte intensiv hinter die Kulissen schauen und erfahren, was dort eigentlich gemacht wird“, erklärt sie. Zu wenig Azubis, zu wenig Lkw-Fahrer – und wie schafft man es als Unternehmen, erfolgreich Immigranten zu integrieren? Diese Probleme will sie aus ihrem Arbeitsalltag mit nach Kiel nehmen.

Dabei überrascht sie damit, dass sie ein typisch weibliches Themen wie beispielsweise mehr Frauen in Spitzenpositionen nicht inhaltlich vertreten möchte. Zwar seien Frauen noch eine Ausnahme in Führungspositionen der Unternehmen und der IHK, aber aus Augustins Sicht ändert sich das stetig. Eben auch durch die Arbeit, den Einsatz und den Pragmatismus von so toughen Frauen wie Augustin und Hahn.