Pinneberg
Neuer Standort

Trüffelhersteller Wiebold will Elmshorn verlassen

Ein Blick in die Wiebold-Produktion in Elmshorn

Ein Blick in die Wiebold-Produktion in Elmshorn

Foto: HA

Firma sucht Käufer für jetzigen Standort und will in fünf Jahren neues Produktionsgebäude außerhalb Elmshorns errichten.

Elmshorn.  Für die Stadt ist es ein Schlag ins Gesicht: Der Trüffelhersteller Wiebold, eine Vorzeigefirma mit 200 Mitarbeitern und ein guter Gewerbesteuerzahler, sucht einen neuen Produktionsstandort außerhalb Elmshorns. „Es ist nicht zu sehen, dass in Elmshorn ein geeigneter Standort möglich ist, daher wird der neue Standort eher in Richtung Itzehoe möglich sein“, sagte am Freitag der Firmeninhaber Walter R. Wiebold.

Die Wiebold Confiserie, einst gegründet in einer heimischen Küche mit 800 D-Mark Startkapital, feierte 2018 ihr 50-jähriges Bestehen. Von 1971 an 21 Jahre lang in Halstenbek ansässig, kaufte Wiebold 1992 ein 11.000 Quadratmeter große Grundstück an der Ernst-Abbe-Straße in Elmshorn und nahm dort am 18. Dezember 2002 die Produktion auf.

Einrichtungen haben ein hohes Verkehrsaufkommen

„Als wir das Grundstück gekauft haben, war die Ernst-Abbe-Straße eine Sackgasse mit Lkw-Wendehammer. Wir haben darauf vertraut, dass das so bleibt, sonst hätten wir das Grundstück nie erworben“, so der Firmeninhaber. Inzwischen sei eine Durchgangsstraße daraus geworden, die Kreisverwaltung, die Leibnizschule und voriges Jahr das Straßenverkehrsamt hätten sich in unmittelbarer Nähe zu seiner Firma angesiedelt.

Diese Einrichtungen hätten ein hohes Verkehrsaufkommen mit sich gebracht, das für den Trüffelhersteller laut Firmenchef zum Problem bei der An- und Ablieferung geworden ist. Er habe mehrfach auf diese Schwierigkeiten hingewiesen, die Einführung von Tempo 30 und eine Einbahnstraßenregelung vorgeschlagen. Passiert sei jedoch nichts. Als Konsequenz will Wiebold das Kapitel Elmshorn nun beenden. „Das waren drei gute und spannende Jahrzehnte und die werden irgendwann genau so zu unserer Geschichte gehören wie die 20 Jahre in Halstenbek.“

Wiebold sucht nun Investor

Wiebold will in Kürze Immobilienanzeigen, auch im Hamburger Abendblatt, schalten. Er sucht darin einen Investor, der das jetzige Areal erwirbt. Der Firmeninhaber will den Betrieb dann für maximal fünf Jahre wieder mieten und in dieser Zeit eine komplett neue Produktionsstätte errichten. Dafür soll parallel ein mindestens 30.000 Quadratmeter großes Grundstück für den Bau einer vollautomatisierten Trüffelpralinenfabrik gesucht werden. Sie wäre mit 15.000 Quadratmeter etwa doppelt so groß wie die jetzige Fabrik und solle im Radius von 30 Kilometern um Elmshorn liegen, damit es für die Mitarbeiter gut erreichbar bleibt.

Der neue Betrieb wird laut Wiebold die Wirtschaftlichkeit um 40 Prozent verbessern und dazu beitragen, bis 2030 die Produktion zu verdoppeln. Dadurch soll die Exportquote von 50 auf 85 Prozent steigen. Die zusätzliche Ware soll hauptsächlich in die USA und nach China exportiert werden.

Bürgermeister will Wiebold Fläche anbieten

Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje reagierte überrascht. Aus seiner Sicht gibt es in Elmshorn gleich mehrere Flächen, die für Wiebold geeignet wären – nicht zuletzt in dem neu geplanten Gewerbegebiet Bokhorst, wo 35 Hektar vorrangig für Elmshorner und Kölln-Reisieker Firmen mit Expansionsbedarf entstehen sollen. „Wir werden Herrn Wiebold dort eine Fläche anbieten, auf der er sich austoben kann“, so Hatje.

Der Bürgermeister verweist darauf, dass der Firmeninhaber vor einiger Zeit einen unterschriftsreifen Vertrag zum Erwerb jetzigen Nachbarfläche vorliegen hatte, diese Offerte jedoch kurz vor der Vertragsunterzeichnung ausschlug. Inzwischen sei das Gelände an die Post verkauft. Wiebold bestätigt dies. Jedoch fließe zwischen dem Grundstück und dem Nachbarareal ein Bach, der eine Erweiterung in diese Richtung unrentabel mache.