Pinneberg
Wedel

Stadtmuseum zeigt Schätze vom Dachboden

Die Wedeler Museumsleiterin Sabine Weiss steht vor einem Gemälde des talentierten Malers und späteren Industriellen Johann Diederich Möller.

Die Wedeler Museumsleiterin Sabine Weiss steht vor einem Gemälde des talentierten Malers und späteren Industriellen Johann Diederich Möller.

Foto: Thomas Pöhlsen

Museumsleiterin Sabine Weiss präsentiert mehr als 50 Werke teils unbekannter Künstler, die normalerweise nicht zu sehen sind.

Wedel.  Sabine Weiss holt die verborgenen Kostbarkeiten des Wedeler Stadtmuseums ans Licht. Gemälde, Plastiken, Künstlerbücher und Kataloge aus dem Depot hat die Museumsleiterin ausgewählt und präsentiert sie in dem spätklassizistischen Bau an der Küsterstraße. Unter dem Motto „Schätze vom Dachboden“ zeigt das Museum noch bis zum 10. März „Kunst und Künstler rund um Wedel“.

Über rund 4000 Exponate verfügt das Museum. Sie wurden seit der Gründung 1989 fast ausschließlich von Wedeler Bürgern zur Verfügung gestellt. Nur ein kleiner Teil kann gezeigt werden in der rund 300 Quadratmeter großen Dauerausstellung sowie auf rund 50 Quadratmetern, die für Sonderausstellungen zur Verfügung stehen. Die Mehrzahl der Exponate – darauf verweist der Titel der Ausstellung – lagert auf dem Dachboden des Gebäudes, das 1829 als erstes Schulhaus in Wedel errichtet wurde.

Neben dem Sammeln, Erforschen und Ausstellen gehört auch das Bewahren und Pflegen der Exponate zu den Aufgaben eines Museums. Firnis kann von einem Gemälde abblättern, ein historisches Kleid Flecken bekommen. Die Exponate müssen dann restauriert werden. Sabine Weiss begutachtet also regelmäßig den Bestand. Dabei hat sie die mehr als 50 Exponate ausgewählt, die jetzt zu sehen sind. Im vergangenen Jahr hatte sie bereits eine Ausstellung mit Stücken aus dem Bestand präsentiert. Damals ging es um Exponate, die die Geschichte Wedeler Vereine widerspiegeln.

Sabine Weiss orientiert sich dabei an der Initiative „Kunst auf Lager“, die von der Kulturstiftung der Länder initiiert wurde. In praktisch allen Museen haben große Teile des Bestandes im Depot ihre Heimat gefunden. Diese verborgenen Schätze sollen der Öffentlichkeit und der Forschung zugänglich gemacht werden.

Eine Reise in Wedels Vergangenheit

Die Ausstellung zeigt Werke von Malern, die überregionale Bedeutung erlangt haben, wie Rudolf Höckner, Roland Ladwig und Ilse Willers. Die beiden Letztgenannten waren Schüler Oskar Kokoschkas. Künstler mit internationalen Renommee, etwa einen echten Barlach oder Arno, sucht man in der Ausstellung zwar vergebens. Allerdings verfügt das Museum über historische Kataloge von wichtigen Ausstellung dieser Künstler. Ferner gibt es einige Werke von Wedeler Malern, die in der Region verwurzelt sind. Die Ausstellung kann auch als eine Reise in Wedels Geschichte verstanden werden, so Sabine Weiss. Stadt- und maritime Ansichten dominieren. Höckners „Weg beim Lohhof“ aus dem Jahr 1919 zeigt eine Wiese, wo heute Wohnhäuser stehen.

Um möglichst viele Schätze vom Dachboden ausstellen zu können, fand die Museumschefin einige kreative Lösungen. Etwa wurde auch an den Wänden des Treppenhauses gehängt, wurden und thematisch passende Plätze in der Dauerausstellung genutzt. So zieren den Raum mit Exponaten aus der Seefahrt jetzt auch ein paar Schiffsgemälde.

Hinter vielen Bildern verstecken sich kleine Geschichten. So blickt der Besucher der Dauerausstellung im Parterre auf eine mannshohe Reproduktion eines Gemäldes des Roland-Platzes von Johann Diederich Möller. Der war ausgebildeter Kunstmaler und hatte ein Stipendium für einen Aufenthalt in der damaligen Kunstmetropole Paris in der Tasche. Der Sohn eines Leinwebers blieb jedoch lieber in Wedel, ging weiter seinem Interesse für Linsen nach und wurde 1864 Gründer der Optischen Werke J.D. Möller, eines der wichtigsten Industriebetriebe in der Geschichte der Stadt. Die Museumsleiterin hat die Biografien der Künstler zusammengetragen, die manche Geschichte zum Werk widerspiegeln.

Gleichzeitig gibt es fünf Werke, zu denen wichtige Informationen fehlen oder Sabine Weiss trotz intensiver Recherche den Hintergrund nicht aufdecken konnte. Da ist ein Bild eines Mädchens am Elbufer lediglich mit den Buchstaben O und L – vermutlich den Anfangsbuchstaben von Vor- und Nachname – signiert. Für den Maler Edmund Nachtigal konnte außer Geburts- und Todesdatum nichts ermittelt werden. Und zu der Signatur H. Jungdaus auf dem Bild vom Motorschiff Lianne wurde gar nichts gefunden. Die Museumsleiterin hofft in diesen Fällen auf die Mithilfe der Ausstellungsbesucher. Wer Hinweise liefern kann, sollte sich entweder an das Aufsichtspersonal oder von Montag bis Freitag vormittags direkt an Sabine Weiss unter 04103/132 02 wenden.

Die Ausstellung hat mit vier Gipsköpfen eine historische Skurrilität zu bieten. Sie wurden nach dem Ebenbild Wedeler Bürger angefertigt. Einige sind bekannt, andere nicht. Aus den Vorbildern wurden Holzköpfe für Körper hergestellt, die noch heute als Puppen im Altonaer Museum stehen und auf denen historische Kostüme präsentiert werden.