Pinneberg
Haseldorf

Startschuss für das schnelle Internet

Verbandsvorsteher Jürgen Neumann nimmt einmal selbst auf dem Bagger Platz, mit dem die Glasfaser-Furche gezogen wird.

Verbandsvorsteher Jürgen Neumann nimmt einmal selbst auf dem Bagger Platz, mit dem die Glasfaser-Furche gezogen wird.

Foto: Thomas Pöhlsen

Zweckverband Breitband Marsch und Geest beginnt in Haseldorf, Glasfaser zu verlegen. Bis 2020 sind 18 Gemeinde angeschlossen.

Haseldorf.  Jürgen Neumann strahlt und kann seinen Redefluss kaum bändigen. Der Vorsteher des Zweckverbandes Breitband Marsch und Geest sowie Bürgermeister der Gemeinde Heist ist sonst ein besonnener, kühl und sachlich argumentierender Ingenieur, doch an diesem sonnigen Donnerstagvormittag in Haseldorf ist er angetreten, gleich mehrere gute Nachrichten zu verkündigen.

Da ist der erste Spatenstich im Bereich von Neuer Weg und Kamperrege, mit dem das 20-Millionen-Euro-Projekt zur Versorgung von 18 Dörfern mit schnellem Internet startet, die bisher nur als Schnecken auf der weltweiten Datenautobahn unterwegs sind. „Wir haben das Geld, und wir haben die Firma, die die die Leerrohre verlegt“, sagt Neumann. Dass der Bund das Vorhaben fördert – aktuell mit zehn Millionen Euro – steht bereits seit 2017 fest. Jedoch fehlte aufgrund der guten Konjunkturlage der Tiefbauer, der die Arbeiten ausführt. Der ist mit dem Generalunternehmer innogy SE gefunden, das die Arbeiten von den Subunternehmern Vitronet und Krafteam ausführen lässt.

Außerdem freut sich Neumann, dass die Vermarktung „hervorragend läuft“. Gut 70 Prozent der Haushalte haben in den Dörfern, die als Erste versorgt werden, einen Vertrag unterschrieben. Aus technischen und geografischen Gründen wurden die Gemeinden in fünf „Cluster“ eingeteilt. Los geht es jetzt in Haseldorf, Haselau und dem Moorreger Gemeindeteil Klevendeich. Die Haseldorfer Marsch liegt in unmittelbarer Nähe der zentralen Verteilstation des Breitbandnetzes in Heist. Im zweiten Cluster sind die Gemeinden Neuendeich, Seester, Seestermühe und Raa-Besenbek dran. In den beiden Clustern wurde die 70-Prozent-Marke erreicht.

Es folgen danach Groß Nordende, Klein Nordende und Heidgraben (Cluster drei), dann Seeth-Ekholt, Kölln-Reisiek und Ellerhoop (Cluster vier) sowie Appen und die weiteren Gemeindeteile von Moorrege und Heist (Cluster fünf). An einem detaillierten Zeitplan wird derzeit beim Zweckverband noch getüftelt. Neumann mag sich nicht festlegen, wann die ersten Kunden in der Haseldorfer Marsch das Angebot des Zweckverbandes nutzen können, der den Betriebe des Netzes in die Hände des Norderstedter Kommunikationsunter-nehmens wilhelm.tel gelegt hat.

Es steht jedoch fest, dass bis Ende 2020 das gesamte Netz ausgebaut sein muss. Dies schreibt der Förderbescheid des Bundes vor. In Holm, Hasloh, Lentföhrden sowie teilweise in Heist gibt es bereits ein Glasfasernetz. In Holm hat der Zweckverband eine Anschlussquote von 95 Prozent, berichtet Neumann nicht ohne Stolz.

Der Vorsteher ist aber nicht wunschlos glücklich. Da ist das Land, das derzeit darüber nachdenkt, Breitbandinitiativen finanziell zu fördern. Zum Vergleich: In Bayern legt das Land noch einmal 50 Prozent auf die 50 Prozent vom Bund drauf. Der Marsch-und-Geest-Zweckverband musste sich die fehlende Hälfte der Summe von der Investitionsbank Schleswig-Holstein leihen.

Und es gibt das Problem der „schwarzen Flecken“ in den Gemeinden der Cluster drei bis fünf (wir berichteten), in denen andere Anbieter gerade noch auskömmliche Übertragungsgeschindigkeiten von 30 Megabit pro Sekunde anbieten. Nach der aktuellen Förderrichtlinie des Bundes darf der Verband dort nicht verlegen. Wilhelm.tel kann aber 250 Megabit pro Sekunde anbieten. „Es ist den Menschen nicht zu erklären, dass wir auf der einen Seite der Straße verlegen, es aber auf der anderen Seite nicht dürfen“, sagt Neumann. Aus seiner Sicht droht „eine Zwei-Klassen-Gesellschaft“.

Zweckverband Breitband Marsch und Geest, 04122/50230 60, www.zbmg.de