Pinneberg
Uetersen

Hatlapa pleite: 62 Mitarbeiter verlieren Job

Ein Bild aus besseren Zeiten, als noch große Ankerwinden von Hatlapa

Ein Bild aus besseren Zeiten, als noch große Ankerwinden von Hatlapa

Foto: Rahn

Uetersener Maschinenfabrik: Insolvenzplan scheitert in letzter Minute im Jahr des 100-jährigen Bestehens des Unternehmens.

Uetersen.  Es ist das abrupte Ende eines alten Traditionsunternehmens. Die Uetersener Maschinenfabrik, die bis 2013 unter dem Namen ihres Gründers noch Hatlapa hieß und die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen hätte feiern können, ist pleite. Ende des Monats werden die noch 62 Beschäftigten auf der Straße stehen, weil sich der Konzern MacGregor nach Aussage des Betriebsrates und der Gewerkschaft IG Metall nicht an die im Rahmen des Insolvenzverfahrens gemachten Zusagen halten wolle. Es geht um 452.000 Euro. „Die Kollegen sind stinksauer“, sagte dazu am Donnerstag IG Metall-Bevollmächtigter Kai Trulsson.

Konzern sollte 452.000 Euro beisteuern

MacGregor hatte 2013 den Familienbetrieb Hatlapa, der Ankerwinden, Rudermaschinen und Kompressoren für den Schiffbau herstellte, mit damals etwa 400 Mitarbeitern übernommen. Ende 2016 gliederte der Konzern die Fertigung mit 86 Mitarbeitern aus, die seitdem unter dem früheren Namen Uetersener Maschinenfabrik firmierte. Zugleich sicherte MacGregor für zwei Jahre, also bis Ende 2018, dem ausgegliederten Betrieb eine bestimmte Zahl an Aufträgen zu. Das lief jetzt aus und brachte offenbar den gesamten Betrieb in Schieflage. Im November wurde das Insolvenzverfahren eingeleitet.

Im Januar einigten sich dann – wie berichtet – Geschäftsführung, Gewerkschaft und der Vertreter des MacGregor-Konzerns auf einen Sanierungsplan, für den alle Seiten jeweils einen Beitrag leisten sollten und wollten. Die Belegschaft war bereit, für zwei Jahre vier Stunden wöchentlich mehr ohne Bezahlung zu arbeiten und auf Überstundenzuschläge zu verzichten. Die Geschäftsleitung wollte sich mit rund einer halben Million Euro beteiligen. Ihr Sprecher Thomas Feldmann sagte dazu auf Nachfrage des Abendblatts: „Wir verlangen den Mitarbeitern etwas ab, und da ist es legitim, dass die Geschäftsführung gleichlaufend einen Beitrag leistet.“ Das Verhandlungsergebnis sei „ein wichtiger Schritt auf unserem Weg, das Unternehmen neu aufzustellen“.

Doch dazu sollte auch der Konzern MacGregor seinen Beitrag leisten. Und zwar indem er 452.000 Euro beisteuerte. Ein Betrag, der seit zwei Jahren bereits strittig zwischen MacGregor und Maschinenfabrik gewesen sei, weil er von einem Auftrag einer Drittfirma stammte, den MacGregor aber im Rahmen seiner Garantieerklärung für sich beanspruchte, erläutert IG-Metall-Bevollmächtigter Trulsson. Gleichwohl habe der Konzernvertreter in den Verhandlungen diese Summe als Beitrag von MacGregor an der Sanierung zugesagt, so Trulsson. „Zwei Tage vor Abgabe des Insolvenzplanes beim Amtsgericht kam plötzlich der Rückzieher.“

Letzte Hoffnung ist jetzt eine Transfergesellschaft

Auch für die Alternativlösung, den Betrieb zumindest ein halbes Jahr lang weiterzuführen, kam eine klare Absage von MacGregor. Jetzt bliebe als letzte Hoffnung noch, eine Transfergesellschaft für die betroffenen Mitarbeiter zu schaffen, für die die Gewerkschaft eine Million Euro von MacGregor fordert, die wiederum zugesagt worden sei, wenn der Insolvenzplan scheitere, was ja nun offensichtlich der Fall ist.

Betriebsrat und Gewerkschaft sehen hier auch eine moralische Verantwortung des Konzerns, der sich „einen schlanken Schuh“ gemacht habe, indem er sich durch die Ausgliederung einen Sozialplan für damals 86 Mitarbeiter über mehrere Millionen Euro gespart habe, wie der stellvertretende Betriebsratschef Oliver Feddersen sagt. Die Gewerkschaft lasse diese Verpflichtung gerade juristisch prüfen.

Feddersen sagt: „Wir sind alle schwer enttäuscht und niedergeschlagen. Die Stimmung unter den Kollegen ist auf dem Tiefpunkt.“

Auch im Uetersener Rathaus wird diese neuerliche Hiobsbotschaft geschockt aufgenommen, nachdem die Papierfabrik Feldmuehle gerade 220 von 400 Mitarbeitern wegen Stilllegung einer Papiermaschine freigesetzt hat. „Das ist eine Sauerei für die Beschäftigten“, sagt Bürgermeisterin Andrea Hansen. Uetersen erleide gerade das Schicksal vieler anderer Industriestädte, in denen Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze und Existenz verlören, wenn sich ein Geschäftsmodell nicht mehr trage. „Für die Mitarbeiter tut es mir wahnsinnig leid“, sagt Hansen. „Das ist traurig“, sagt SPD-Fraktionschef Ingo Struve. „Dahinter stecken Mitarbeiter, Familien und Schicksale. Das ist sehr bedauerlich“, sagt CDU-Fraktionschef Andreas Stief. Aber die Politik und Verwaltung könnten hier kaum helfen.

Vonseiten MacGregors war am Donnerstag trotz schriftlicher Anfrage keine Stellungnahme zu erhalten.