Kreis Pinneberg

Der große Plan für den Ausbau der A 23

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Arne Kolarczyk

Foto: HA

Das Landeskabinett will noch im Februar den Auftrag an die DEGES vergeben. Sie legt die künftige Linienführung für das Projekt fest.

Kreis Pinneberg.  Während aufgrund von Sanierungsarbeiten ab Montag Staus zu befürchten sind, geht es in einem Punkt voran: Noch in diesem Monat befasst sich die Kieler Landesregierung mit dem sechsspurigen Ausbau der A 23. Das Kabinett soll, wie mit Hamburg vereinbart, die Projektmanagementgesellschaft DEGES mit der Vorplanung für das wichtige Infrastrukturprojekt beauftragen. Voraussichtlich im März, so ist aus dem Verkehrsministerium in Kiel zu hören, wird der Aufsichtsrat des Unternehmens der Beauftragung zustimmen – und im Anschluss die DEGES die Arbeit beginnen.

Zwei Jahre lang haben die Mitarbeiter Zeit. 2021 soll die zu gründende Bundesinfrastrukturgesellschaft das Projekt übernehmen. Ob sich bis dahin die Vorplanung abschließen lässt, ist unklar. Generell gilt: Der Ausbau auf einer Länge von 15 Kilometern von der Landesgrenze zu Hamburg bis nach Tornesch ist nur unter erschwerten Bedingungen realisierbar. In Halstenbek, Rellingen und Pinneberg stehen die Häuser zum Teil direkt an der jetzigen Trasse. Viele Grundstücke müssten erworben, die Häuser abgerissen werden. Dass alle betroffenen Anlieger mitspielen, ist kaum zu erwarten. Es drohen Klagen, möglicherweise Enteignungsverfahren. Das dürfte den Ausbau stark verzögern.

Noch ist mit den Anwohnern entlang der Ausbaustrecke nicht gesprochen worden. Aus gutem Grund: Bislang ist nicht klar, welche Ausbauvariante bevorzugt werden soll. Drei Möglichkeiten wird die DEGES prüfen. Der symmetrische Ausbau würde die Beibehaltung der bisherigen Verkehrsachse vorsehen, jeweils rechts und links der bestehenden Fahrbahn würde ein Fahrstreifen angebaut. Möglich wäre auch ein sogenannte asymmetrischer Ausbau. Dann würde entweder auf der Nord- oder auf der Südseite eine neue Richtungsfahrbahn neben der bestehenden angebaut.

Sechsspurige Autobahn wäre 36 Meter breit

Die 15 Kilometer lange Ausbaustrecke wird wohl in mehrere Planungsabschnitte aufgeteilt werden. Vorteil: Dann könnte für jeden Abschnitt einzeln entschieden werden, welche Ausbauvariante die geeignetste ist. Wie breit eine Autobahn sein muss, ist in der Richtlinien für die Anlage von Autobahnen (RAA) festgelegt. Eine sechsspurige Autobahn für hochbelastete Strecken zwischen 50.000 und 100.000 Fahrzeuge pro Tag und hohem Lkw-Anteil, wie es die A 23 ist, müsste eine Gesamtbreite von 36 Metern aufweisen. Je Richtung wären zwei Fahrstreifen mit 3,50 Meter und ein dritter mit einer Breite von 3,75 Meter zu bauen, hinzukämen unter anderem ein vier Meter breiter Mittelstreifen und zwei jeweils 2,50 Meter breite Standstreifen. Zur Breite von 36 Metern wären noch die Lärmschutzeinrichtungen wie Wälle oder Wände hinzuzurechnen, die ebenfalls Platz kosten.

Die heutige A 23 entstand in mehreren Abschnitten und Zeitintervallen. 1986 wurde der Bereich Halstenbek/Rellingen, der bis dato als vierspurige B 5 mit ampelgeregelten Kreuzungen geführt wurde, zur Autobahn ausgebaut. In einem Teilbereich existiert ein Lärmschutzwall, der durch eine platzsparende Lärmschutzwand ersetzt werden könnte. Auf diese Weise könnte dringend benötigter Platz gewonnen werden. In anderen Bereichen wäre dies nicht möglich. Im Fall eines symmetrischen Ausbaus müssten beidseitig mindestens fünf Meter, also insgesamt im Minimum zehn Meter, der Autobahn zugeschlagen werden.

Welche Ausbauvariante für die noch zu definierenden Planungsabschnitte die beste ist, ist ein elementarer Bestandteil der Vorplanung. Diese wird ausgearbeitet und die Auswirkungen aufs Umfeld geprüft. Es geht um Auswirkungen auf die Umwelt, um mögliche Verkehrsverbesserungen, um Wirtschaftlichkeit und die Finanzierung. Alle diese Aspekte betrachten die Planer und treffen eine Abwägung, ehe die Linienführung festgelegt wird. Sie wird im Anschluss vom Kieler Verkehrsministerium im Rahmen des Raumordnungsverfahrens geprüft. Das Ministerium legt dann die grobe Trassenführung, also den künftigen Straßenverlauf, fest.

Intensive Bürgerbeteiligung in Entwurfsplanung

Wie lange eine Vorplanung dauert, hängt von der Komplexität des Verfahrens ab. Als nächstes folgt die Entwurfsplanung, in der die Grobplanung ins Detail überführt und eine intensive Bürgerbeteiligung stattfinden wird. Daran schließt sich das Planfeststellungsverfahren an, das mit dem Planfeststellungsbeschluss endet. Gegen ihn sind Klagen möglich, die im Erfolgsfall Änderungen des Bauvorhabens nach sich ziehen. Erst wenn der Planfeststellungsbeschluss rechtskräftig ist, besteht Baurecht und die Bagger können sollen. Im Fall der A 23 dürfte dies noch Jahre und zahlreiche Staus andauern.

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