Pinneberg
Kreis Pinneberg

Rellingen baut auf mehr Sozialwohnungen

In Rellingen sollen 100 barrierefreie Seniorenwohnungen entstehen, 15 davon öffentlich gefördert (Symbolbild).

In Rellingen sollen 100 barrierefreie Seniorenwohnungen entstehen, 15 davon öffentlich gefördert (Symbolbild).

Foto: dpa Picture-Alliance / Markus Scholz / picture alliance / Markus Scholz

Erste Projekte sind in Planung. Grünen und SPD ist das aber nicht genug, beide Parteien fordern eine 30-Prozent-Quote bei Neubauten.

Rellingen.  Jahrzehntelang stand Rellingen für ein gut situiertes Bürgertum, für eine Gemeinde mit CDU-Mehrheit, in der durch mittlerweile rund 1800 ansässige Unternehmen die Gewerbesteuereinnahmen sprudeln – 2018 lagen sie bei satten 22 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund sind kaum Sozialwohnungen gebaut worden, stattdessen entstanden ausgedehnte Areale von Einfamilienhäusern. „Sozialer Wohnungsbau hat hier keine große Rolle gespielt“, sagt der in Rellingen geborene und aufgewachsene Bürgermeister Marc Trampe, der sich aber „eine Gemeinde für alle“ wünscht.

Nun sollen die Weichen moderat in diese Richtung gestellt werden. Ein Schritt: An der Hempbergstraße will die Genossenschaft Neue GeWoGe 39 neue Wohnungen bauen, von denen 29 öffentlich gefördert werden sollen. Ein weiteres Projekt entsteht auf einer Brachfläche zwischen Tangstedter Chaussee und Ellerbeker Weg: Dort wird das Elmshorner Unternehmen Semmelhaack 100 barrierefreie Seniorenwohnungen bauen, 15 davon öffentlich gefördert (wir berichteten). Der Bedarf an Seniorenwohnungen ist offenbar noch weit größer, denn bereits jetzt stehen 200 ältere Menschen ab einem Alter von 60 Jahren auf der Warteliste.

Bei Neubauten wurde in einem politischen Beschluss erstmalig eine Quote von 15 Prozent Sozialwohnungen festgelegt, wobei Geschosswohnungsbau in Rellingen die Ausnahme ist. Bei 14.800 Einwohnern also eher ein Tropfen auf den heißen Stein; in anderen Kommunen im Kreis Pinneberg beträgt die Quote 30 Prozent.

„Wir haben hier viel zu wenig Sozialwohnungen“, stellt Achim Diekmann, Rellinger Fraktionschef der Grünen, fest. „Wir und die SPD wollen das abstellen.“ Für die Gärtnerstraße wünschen sich die Grünen die Verwirklichung von Plänen für Doppelhäuser, die im Innern dann jeweils sechs Wohnungen beherbergen: „Da muss man kreativ sein und darf nicht aufgeben“, sagt Diekmann. Und er ergänzt: „Wir sind dafür, dass in allen Rellinger Neubaugebieten ein Drittel Sozialwohnungen gebaut werden.“

Seit 1973 sind in Rellingen ganze 66 Sozialwohnungen entstanden, von denen die ersten zehn bereits aus der Bindung herausgefallen sind. Die CDU beschreibt aber schon jetzt einen „Generationswechsel“, der vor etwa sieben Jahren stattgefunden habe: „Seitdem ist der Anteil von Sozialwohnungen bei Neubaugenehmigungen exorbitant gestiegen“, sagt Dieter Beyrle, Fraktionsvorsitzender der CDU. Einschränkend gibt er allerdings zu bedenken, dass der Wohnungsbau klare Grenzen habe: „Er ist abhängig von der Infrastruktur. Wir achten sehr genau darauf, wo wir Baugebiete ausweisen und wie die Schulen und Kitas dort ausgelastet sind. Wenn wir sehen, dass eine Schule Luft hat, darf dort eventuell gebaut werden.“

Ein Sorgenkind in Sachen sozialer Wohnungsbau sind 13 winzige Einheiten an der beschaulichen Pappelstraße. Die von der früheren GeWoGe gebauten 38-Quadratmeter-Reihenhäuschen mit Minigärten wurden 1967 erstmals bezogen. Zuletzt wohnten dort zwischenzeitlich und unentgeltlich geflüchtete Familien, mittlerweile stehen die Häuser leer, weil sich innen Schimmel gebildet hat und sie nicht angemessen gegen Wärmeverlust zu dämmen sind. Die Neue GeWoGe weiß nicht so recht, was sie mit dem langen, schmalen Grundstück machen soll, da sie eigentlich Geschosswohnungsbau betreibt, der hier inmitten von lauter Einfamilienhäusern nicht gestattet ist. Noch sei man sich in der Neuen GeWoGe nicht einig, was auf dem Grundstück geschehen solle, sagt Vorstand Kai Lorenz auf Anfrage.

Bürgermeister Marc Trampe sagt, es liege dort eine Genehmigung für drei Zweifamilienhäuser vor. Und: „Planungsrechtlich gibt das nicht mehr her, ich halte das deshalb für passend.“ Dass dort derlei überhaupt geplant sei, dementiert Lorenz.

Bis eine Entscheidung fällt, sind die Bäume im Wendehammer hinter den letzten Mini-Bungalows bestimmt noch etwas weiter gewachsen. Mittlerweile hat der Kreis Pinneberg die Baumgruppe als Wald ausgewiesen, zu der grundsätzlich ein Abstand von 30 Metern vorgeschrieben ist. Immerhin sei man in diesem Fall auf 15 Meter Abstand heruntergegangen, sagt der Grünen-Politiker Diekmann.