Pinneberg
Rellingen

Chancen und Grenzen der Digitalisierung

Paul Raab, Leiter der IHK Zweigstelle in Elmshorn.

Paul Raab, Leiter der IHK Zweigstelle in Elmshorn.

Foto: Katy Krause / krk

Beim Gastgeber Thomas Pötzsch, Chef von CTP, fand ein reger Rellinger Unternehmerdialog statt, bei dem es vor allem um Digitalisierung.

Rellingen.  Angelegt als kleine Zeitreise begann der diesjährige Rellinger Unternehmerdialog mit einem Klavierstück von Beethoven und zwei Vorträgen, die in die Zukunft ragten: 60 Gäste waren im Bauch des schiffsförmigen Villen-Anbaus beim Gastgeber Thomas Pötzsch (CTP) geladen, um den Vorträgen von Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts und von Paul Raab, Chef der Handelskammer Elmshorn zu lauschen.

Zuvor aber präsentierte Pötzsch sein umfangreiches Portfolio. Herzstück ist die Cargo Trans Pool, die er 2007 übernommen und neu aufgestellt hat. Zudem hält Pötzsch neben vielem anderem die meisten Anteile am kreativen Wirtschaftsmagazin Brandeins.

Dann aber ergriff Henning Vöpel das Wort und schilderte Möglichkeiten, Chancen und Risiken der Digitalisierung. Ihm gelang es, rasch den Eindruck zu vermitteln, wie sehr Deutschland inzwischen abgehängt worden sei: „Macht haben die, die die Daten haben“, belegte er durch die ökonomische Schlagkraft von Amazon oder Facebook. Die Hälfte unserer Arbeitsplätze würden wegfallen, zitierte er eine Oxford-Studie. Unternehmen wie der Wohnraumvermieter Airbnb oder der Fahrgast-Vermittler Uber seien fast ohne Infrastruktur enorm erfolgreich geworden. Dies alles stelle eine extreme Herausforderung für unser Bildungssystem und die Zukunft dar. Kinder müssten daher dringend digital kompetent und mündig werden, „sonst ist unsere demokratische Gesellschaft in Gefahr.“ Die Digitaloffensive der Bundesregierung hält Vöpel für halbherzig, außerdem dauere die Umsetzung Jahre, in denen die Konkurrenz auf der Überholspur unterwegs sei.

Danach machte sich eine gewisse Ratlosigkeit unter dem konzentriert zuhörenden Auditorium breit. Aus dem Publikum meldete sich Andreas Spiegler von Brandeins zu Wort und fragte: „Ich nehme hier vor allem Angst wahr. Wo bleibt die Lust?“

Was nach Vöpel folgte, war eine geistreiche, aber auch bodenständige Relativierung von Vöpels Kulturpessimismus. Paul Raab verwies durchaus auf die Vorteile, aber auch auf die Grenzen der Digitalisierung. Internethändler eröffneten plötzlich Läden, um Kunden, die Erlebnisse erwarteten, einen direkten Kontakt zu bieten. „Die Begegnung mit Menschen ist etwas, das das Internet nicht bieten kann.“ Problematisch würde es zudem, wenn Prozesse durch Digitalisierung so verschlankt würden, dass wertvolles unternehmerisches Spezialwissen auf der Strecke bliebe – und damit der Wettbewerbsvorteil.

Ende 2017 schrieb David Sax in der New York Times einen Abgesang auf die Digitalisierung: „Die Grenzen des Analogen, die einst als Nachteil galten, werden zunehmend zum Vorteil, als Gegengewicht zur leichten Manipulation des Digitalen.“ Die Wahrheit liegt womöglich irgendwo dazwischen.