Schenefeld

So strahlt der Superlaser in die Region

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Katy Krause
Das XFEL-Kernstück: der mehr als drei Kilometer lange Protonentunnel in dem die Laserstrahlen erzeugt werden.

Das XFEL-Kernstück: der mehr als drei Kilometer lange Protonentunnel in dem die Laserstrahlen erzeugt werden.

Foto: Fred Dott

Schulkooperationen geschlossen, Kantine fast fertig, Besucherzentrum in Planung: Zehn Jahre nach Baubeginn zeichnen sich Effekte ab.

Schenefeld.  Zehn Jahre ist es her, dass in Schenefeld die ersten Bagger rollten und den Weg für eine einzigartige Forschungsanlage bereiteten. Zehn Jahre XFEL voller Zweifel, Ärger mit Baustellenverkehr, mit vielen Superlativen, schlechten und nun zunehmend guten Nachrichten. Denn musste die Region anfangs für den Bau des Superlasers noch so einiges hergeben, etwa Flächen im Landschaftsschutzgebiet, zeichnen sich mit Start des Forschungsbetriebs in 2017 die einst von Politikern und Befürwortern versprochenen positiven Effekte für die Region ab. Aktuelles Beispiel: European XFEL und die Schenefelder Gemeinschaftsschule sowie das Gymnasium haben eine Kooperation geschlossen.

Historischer Auftakt war kürzlich der Besuch einer achten Klasse der Gemeinschaftsschule. 18 Schüler konnten hinter die Kulissen schauen und mit den Wissenschaftlern sprechen. Sie durften in die unterirdische Experimentierhalle und sogar den Forschungstunnel besichtigen. Mitarbeiter stellten ihnen die Ausbildungsberufe vor und informierten sie über Berufschancen in der Forschung. So sind auf dem Gelände an der Holzkoppel nicht nur Wissenschaftler sondern beispielsweise auch Techniker, Elektroniker, Mechatroniker und Ingenieure tätig, die den Betrieb der Anlage sicherstellen.

„In Zukunft sind Besuche von Schulklassen unterschiedlicher Altersstufen mit Führungen, Experimenten und Diskussionen mit Mitarbeitern vorgesehen“, sagt XFEL-Pressesprecher Bernd Ebeling. Zudem seien Besuche von Forschern in den Schulen sowie Praktika in der Forschungseinrichtung Teil der Kooperation.

Bürgermeisterin hat immer an Erfolg geglaubt

Den Stein ins Rollen brachte Christiane Küchenhof. Schenefelds Bürgermeisterin organisierte ein gemeinsames Treffen mit Vertretern aller Schulformen sowie von XFEL. Die Rathauschefin ist eine begeisterte Anhängerin des Projekts. Von Beginn an warb sie dafür, erklärte immer wieder, dass Schenefeld davon profitieren werde, dass XFEL der kleinen Stadt im Schatten Hamburgs zu neuem Glanz und Aufmerksamkeit verhelfen würde. Küchenhof übernahm eine Tunnelpatenschaft, warb auf verschiedenen politischen Ebenen um Unterstützung. „Ich war immer sicher, dass XFEL ein Glück für die Stadt Schenefeld ist, und das bestätigt sich“, zieht sie ein Zwischenbilanz.

Demnach nehme nicht nur die Kooperation mit örtlichen Schulen Fahrt auf. Laut Küchenhof wirkt sich XFEL in vielfältiger Weise auf den Standort aus. Die Forscher aus aller Welt – insgesamt beziffert European XFEL die Zahl der Mitarbeiter auf 300 – prägen das Stadtbild. Ob im Stadtzentrum oder im Bus: Man hört laut Küchenhof andere Sprachen. Auch die Gastronomie und die Hotellerie profitieren von den vielen Besuchern, auch wenn auf Abendblatt-Anfrage niemand Zahlen nennen kann oder möchte. Küchenhof wird da konkreter. „Der Bedarf für weitere Unterkünfte ist da“, sagt sie. Ein weiteres Hotel wäre wünschenswert. Küchenhof wundert sich, dass es bislang keine Interessenten für einen solchen Betrieb gebe. Aber das könne sich in der Zukunft ändern, genauso wie die bislang noch geringe wirtschaftliche Auswirkung. Küchenhof befürwortet, dass die Stadt eine Fläche für einen Technologiepark in unmittelbarer Nähe zum XFEL ausweist und damit Platz für Unternehmen schafft, die sich nahe der Forschungsanlage ansiedeln wollen.

In Hamburg zeigt sich das bereits beim Forschungszentrum Deutsches Elektronen-Synchrotron (Desy) in Bahrenfeld. Dort macht sich Hamburg mit dem kürzlich vorgestellten Mammutprojekt Science City Bahrenfeld auf den Weg, einen ganzen Stadtteil umzubauen. „Ein Jahrhundertprojekt mit Signalcharakter“, nennt es Robert Feidenhans’l, Geschäftsführer von European XFEL. „Mit der Science City Bahrenfeld soll Wissenschaft zum Motor von Stadtentwicklung in Hamburg werden, und von dieser Dynamik werden auch der Campus in Schenefeld und sein Umfeld profitieren“, ist er sich sicher.

Kantine eröffnet voraussichtlich im April

Doch auch unabhängig davon sieht Feidenhans’l schon jetzt positive Effekte für die unmittelbare Region durch die rund 1,2 Milliarden Euro teure Anlage. European XFEL ziehe talentierte Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker in die Region. „Sie tragen dazu bei, dass sich der Wissenschaftsstandort zu einem der attraktivsten der Welt entwickelt.“ Manche wechselten später in Unternehmen in der Region und trügen dort mit ihren Ideen, ihrem Know-how und ihren Erfahrungen zur Entwicklung der Metropolregion bei.

Ein weiterer Effekt: Die neue XFEL-Kantine mit 150 Plätzen startet voraussichtlich im April und steht externen Besuchern offen. Klüh Catering übernimmt den Betrieb, will von 7 bis 15 Uhr öffnen. Mit dem Bau des Gästehauses – bislang wird wissenschaftlicher Besuch häufig im Desy-Gästehaus Bahrenfeld untergebracht – wird 2019 begonnen. Investitionsvolumen: sechs Millionen Euro. Zudem sollen weitere Büro- und Laborgebäude für ein Nutzer-Konsortium sowie eine Undulatorhalle entstehen. Aufträge werden dabei laut Pressesprecher Ebeling gern an regionale Unternehmen vergeben.

Um Zukunftsmusik handelt es sich noch bei dem geplanten Besucherzentrum. Allerdings ist die Finanzierung seit Kurzem gesichert, und es soll von 2020 an gebaut werden, sodass nicht nur Schenefelds Schülern Forschung nahe gebracht wird, sondern auch andere Interessierte Einblicke erhalten.

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