Kreis Pinneberg

Victor aus Horst schlägt sich gut – in aller Welt

Geschäftsführer Jan Beutler (l.) und Rolf Aurin in der neuen Firmenzentrale in Horst.

Geschäftsführer Jan Beutler (l.) und Rolf Aurin in der neuen Firmenzentrale in Horst.

Foto: Anne Dewitz

Wirtschaftsserie „Wo in aller Welt“: Federbälle und Badmintonschläger für Spitzensportler aus dem neuen Firmensitz in Horst.

Elmshorn.  Badmintonprofis wie Tai Tzu Ying aus Taiwan schmettern Federbälle mit mehr als 300 Kilometer pro Stunde übers Netz – ICE-Geschwindigkeit. Ausgerüstet wird die chinesische Spitzensportlerin von Victor. Victor ist einer der führenden Hersteller für Indoor Sportartikel – mit Sitz in Horst (Kreis Steinburg). Der Badminton-Spezialist hat einen Jahresumsatz von rund 120 Millionen Dollar. Die Produkte – Schläger, Turnschuhe, Federbälle und Sporttaschen – werden in mehr als 100 Ländern verkauft. Etwa 200 Sendungen gehen von Horst aus jeden Tag in die Welt. 50 Länder werden von hier aus verwaltet.

Mit Beginn des Jahres 2019 ist der Sportartikelhersteller von der Robert-Bosch-Straße in Elmshorn an den neuen, um ein vielfaches größeren Firmenstandort an der Marie-Curie-Allee in Horst gezogen. Vier Millionen Euro hat der dreigeschossige Neubau gekostet. Hier laufen alle Fäden zusammen – von der marktorientierten Bedarfsanalyse am Anfang über Design und Marketing bis zum Lager und Versand am Schluss.

Victor International heißt jetzt Victor Europe

Auf 5000 Quadratmeter Fläche und mit modernster IT- und Logistiktechnik ausgestattet, starten die Mitarbeiter nach der Umfirmierung unter dem Namen Victor Europe GmbH neu durch. „Indien und Südamerika haben wir für eine siebenstellige Summe verkauft“, sagt Geschäftsführer Jan Beutler (58). „Europa ist jetzt das Zentrum unseres Tuns.“ Der Unternehmer hat selber zehn Jahre mit seiner Familie in Ländern wie China, Dubai und Hongkong gelebt. Neben der Firmenzentrale in Horst gibt es noch eine in Kanada und in Taiwan – wo die Firma ihren Ursprung hat. Den größten Umsatz macht Victor mit mehr als 50 Prozent in China, wo Badminton Volkssport ist.

Die Lagerfläche hat sich fast verdreifacht. 34 Mitarbeiter haben die neuen Büros bezogen. Ein großer Showroom zeigt die neue Kollektion. Durch ein kleines Fenster blickt man auf den Indoorcourt, auf dem Kunden die Produkte auch ausprobieren können.

Das Mutterunternehmen von Victor namens „Victor Industrial Racket Cooperation“ wurde von Den Li Chen im Jahr 1968 in Taipeh, Taiwan gegründet. Insbesondere im Bereich Badminton entwickelte sich das Unternehmen auf dem asiatischen Kontinent rasant zu einem der größten und erfolgreichsten Federball- und Schlägerhersteller. Guido Schmidt begann ab 1978 damit, eine Verteilungsorganisation in Deutschland aufzubauen.

Bis 1989 hatte Victor den Firmensitz in Hamburg-Lurup, zog dann aber wegen der niedrigeren Gewerbesteuer nach Elmshorn. Nach dem Tod des Gründers im Jahr 1991 erwarb der Manager Jan Beutler das Unternehmen von einer Erbengemeinschaft. Kurzerhand meldete er sich im Verein an, um den Badminton-Sport besser kennenzulernen.

Neben Beutler ist der ehemalige Auswahlspieler der deutschen Badmintonnationalmannschaft Rolf Aurin (51) Geschäftsführer bei Victor. Das Unternehmen profitiert von seinem großen Erfahrungsschatz und seinem Know-How aus der Praxis.

Alle Schläger und Sportartikel werden von Profis mitentwickelt und getestet, sodass nur die besten Produkte auf den Markt kommen. Die Rackets (Schläger) machen ebenso wie die Shuttles (Federbälle) ungefähr 30 Prozent des Umsatzvolumens aus, dann kommen Schuhe, Taschen, Sportswear, technische Ausrüstung und Accessoires.

Als enorm bedeutsam für die Etablierung am Markt gilt der von Victor International hergestellte Naturfederball „Champion“. Eine eigene ISO 9001 zertifizierte Fabrik in Nanjing mit mehr als 1200 Mitarbeitern und großem sozialen Engagement, die nach westlichem Standard arbeitet – ob im Bereich des produktorientierten Qualitätsmanagements, des Umweltschutzes oder Arbeitsschutzes – fertigt mehr als fünf Millionen Naturfederbälle pro Monat. „Niemand auf der Erde produziert mehr Federbälle“. so Beutler.

Verarbeitet werden 16 spezielle Gänsefedern aus der Unterseite der Schwingen, die besonders feste Kiele und robuste Härchen haben. Die exakt zurechtgestutzten Kiele der Federn müssen per Hand Millimeter genau in den Kork gesteckt werden. Damit sie nicht trudeln, kommt es auf den richtigen Winkel an. „Die Federbälle werden alle per Hand produziert und per Maschine getestet, um die Fehlerquote auf ein geringstes Maß zu reduzieren“, sagt Beutler. Früher wurden die Federn noch per Hand sortiert. Das war sehr aufwendig. Diese Arbeit übernehmen heute Maschinen.

Mehr als 200 Spitzenspieler werden von Victor gesponsert

Mehr als 200 Spitzenspieler werden von Victor gesponsert, beginnend bei lokalen Vereinen bis hin zur Unterstützung von sozialen Jugendprojekten weltweit. Aber auch die Topspitze des Badminton, etwa das koreanische Nationalteam, wird seit vielen Jahren von Victor ausgestattet.

Neu im Segment sind Floorball und Speed-Badminton, die von der Tochtermarke Vicfun angeboten werden. Zur Victor Gruppe gehört zudem Vicfloor. „Kein weiterer Indoor Anbieter ist historisch so spezialisiert, umfangreich aufgestellt, mit einer eigenen Fabrik und eigenen Ingenieuren im Rücken“, sagt Beutler. Diese wächst seit vielen Jahren zweistellig, bringt jährlich Innovationen und Patente heraus.

„Alle Produkte werden unter höchsten Qualitätsansprüchen entwickelt und produziert“, sagt er. Dabei steht die marktorientierte Bedarfsanalyse am Anfang und die mehrfachen Qualitätskon-trollen in der Fabrik, im Versand und im Lager am Schluss. „Eine Marke ist nur so erfolgreich wie ihre Produkte“, sagt der Geschäftsführer.

Serie „Wo in aller Welt“: Unter diesem Motto stellt das Abendblatt in Pinneberg immer montags Unternehmen aus der Region vor, die weit über den Standort hinaus wirken. In der nächsten Folge geht es am Montag, 11. Februar, um Loll Feinmechanik aus Tornesch, deren Präzision weltweit gefragt ist.