Elmshorn

Novum: Diese Pastorin ist jetzt Feuerwehr-Chefin

| Lesedauer: 5 Minuten
Arne Kolarczyk
Britta Stender, neue Wehrführerin in Elmshorn, steht vor dem Oldtimer-Löschfahrzeug, einem Magirus-Deutz von 1942.

Britta Stender, neue Wehrführerin in Elmshorn, steht vor dem Oldtimer-Löschfahrzeug, einem Magirus-Deutz von 1942.

Foto: Arne Kolacrzyk / Arne Kolarczyk

Britta Stender übernimmt in Elmshorn das Kommando. Die Geistliche ist landesweit die erste Frau an der Spitze einer großen Wehr.

Elmshorn.  Zwölf Frauen sind Mitglied der Elmshorner Feuerwehr. Eine davon ist Britta Stender. Die 53-Jährige übernimmt nun das Kommando – über alle 123 Feuerwehrleute, darunter 111 Männer. Die Pastorin der Elmshorner Friedenskirche ist die erste Wehrführerin in der Geschichte der städtischen Feuerwehr – und landesweit die erste Frau an der Spitze einer großen Feuerwehr.

83 Prozent der Feuerwehrleute wählten sie während der Jahreshauptversammlung am Donnerstagabend zur Nachfolgerin von Stefan Mohr, der das Amt seit 2001 innehatte und nach drei Wahlperioden nicht mehr angetreten war. „Mit so einem guten Ergebnis habe ich nicht gerechnet“, sagt die 53-Jährige, die bereits seit einem Jahr als stellvertretende Wehrführerin tätig war.

Frauen in der Feuerwehr – für sie etwas ganz Selbstverständliches. „Als ich 1997 in die Feuerwehr eingetreten bin, waren wir 25 Aktive, darunter sieben Frauen“, erinnert sich Britta Stender. Das war in Sieseby, einem kleinen Dorf an der Schlei. Dort wohnte sie während ihrer ersten Station als Pastorin, als sie die Urlauberseelsorge in Damp übernahm. „Mein Nachbar war der stellvertretende Wehrführer. Als ich ihm das Konzept einer Notfallseelsorge vorstellte, sagte er, dass ich das gern machen könne – aber nur, wenn ich auch in die Feuerwehr eintrete.“

Dazu kam es auch. Die gebürtige Kielerin absolvierte die Grundausbildung, machte einen Lehrgang zur Atemschutzgeräteträgerin – und blieb dabei. „Das hat mich nie wieder losgelassen. Ich kann mich austoben, mich auspowern und sehe das Ergebnis meiner Arbeit“, sagt die Theologin über ihre Motivation, Feuerwehrfrau zu sein. Sie reize auch das Miteinander, das Füreinandereinstehen, der Teamgedanke. Der Dienst in der Wehr – für Britta Stender ist es so etwas wie ein Mannschaftssport.

Die Pastorin war früher Leistungssportlerin, spielte mit Holstein Kiel in der Handball-Bundesliga. „Mit 18 erlitt ich bei meinem ersten Bundesligaeinsatz einen Bandscheibenvorfall.“ Das angedachte Sportstudium fiel damit flach, die Alternative hieß Theologie. Dem Sport blieb die Stender auch in ihrem neuen Beruf verbunden. Als Seelsorgerin fuhr sie zweimal zu den Paralympics.

Zur Jahrtausendwende kam Britta Stender als Pastorin nach Elmshorn – und trat einige Zeit später auch der städtischen Feuerwehr bei, nachdem dort die Aufnahme von Frauen möglich geworden war. Dieses Ehrenamt verschaffe ihr eine Distanz zur Kirche, was sie sehr schätze, sagt die Pastorin. Oftmals gebe es jedoch auch Überschneidungen zwischen Arbeit und Ehrenamt. „Wenn in der Feuerwehr eine Hochzeit oder eine Beerdigung ansteht, werde ich oft gefragt, ob ich nicht die Zeremonie übernehmen kann.“

In der Elmshorner Wehr stieg Britta Stender zur Gruppenführerin auf, stieß später auch zum Vorstand dazu. Im Feuerwehr-Kreisverband wurde sie Fachwartin für Notfallseelsorge, in der Kirche war sie mehrere Jahre Notfallseelsorgerin für die Kreise Pinneberg und Steinburg. „Man braucht ein stabiles Zuhause, muss wissen, wie man mit Dingen umgeht, die einen belasten.“ Ihr Zuhause hat die 53-Jährige in Elmshorn gefunden.

„Verheiratet, eine Tochter. Das war schon spannend, als ich das das erste Mal sagen konnte.“ Denn die Tochter ist adoptiert und mittlerweile erwachsen – und der Ehepartner ist eine Frau. Für Britta Stender ist das genauso normal wie die Tatsache, in der Elmshorner Feuerwehr den Ton anzugeben. „Ich sehe mich da nicht als große Vorkämpferin. Wo es passt, sollen gern Frauen in eine solche Position gewählt werden.“

Wehrführer – so lautete die Aufschrift auf der Dienstjacke ihres Vorgängers Stefan Mohr. Wehrführerin soll bei seiner Nachfolgerin nicht auf der Einsatzkleidung stehen. „Das muss nicht sein, ich bevorzuge den Ausdruck Wehrführung.“ Sie wolle die Feuerwehr im Team führen. „So präsent wie mein Vorgänger kann ich nicht sein. Bei mir sollen die Fäden zusammenlaufen, aber die Aufgaben werden innerhalb der Wehrführung verteilt.“

Neun Großfahrzeuge, verteilt auf zwei Wachen, 461 Einsätze im Jahr 2018: Die Elmshorner Feuerwehr ist eine der größten im Kreis Pinneberg -- und kann sich über zu wenig Arbeit wahrlich nicht beklagen. Sechs hauptamtliche Gerätewarte sind inzwischen bei der Stadt angestellt. „Wir müssen sehen, was die Zukunft bringt“, sagt die neue Chefin der Wehr. Die gesetzlich festgelegte Hilfsfrist sei einzuhalten, die Ausrüstung werde immer kostspieliger. „Sicherheit ist nicht für nix zu haben“, so Britta Stender.

Kurz nach ihrer Wahl zitierte die künftige Wehrführerin einen Satz des früheren Elmshorner Bürgervorstehers Karl Holbach, der gesagt hatte, dass die Feuerwehr der Politik lieb und teuer sei. Sie hoffe, so Britta Stender, dass die Politik die Feuerwehr auch künftig lieb habe. Und: „Was ich garantieren kann, dass wir auch künftig teuer sein werden.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg