Pinneberg
Kreis Pinneberg

Neue Serie: Den Mutigen gehört die Welt

Paul Raab ist der IHK Zweigstelle in Elmshorn und somit Vertreter der Verbandsinteressen von Unternehmen im Kreis Pinneberg und Steinburg. In Händen hält er ein Buch über Einfuhrbestimmungen für Produkte ins Ausland.

Paul Raab ist der IHK Zweigstelle in Elmshorn und somit Vertreter der Verbandsinteressen von Unternehmen im Kreis Pinneberg und Steinburg. In Händen hält er ein Buch über Einfuhrbestimmungen für Produkte ins Ausland.

Foto: Katy Krause / krk

Hunderte von Firmen aus dem Kreis Pinneberg agieren rund um den Erdball. Paul Raab, IHK-Chef in Elmshorn, über Risiken und Chancen.

Kreis Pinneberg.  Im Kreis Pinneberg zu Hause, mit ihren Produkten und Dienstleistungen rund um den Erdball vertreten: Das trifft auf Hunderte von Firmen im Kreis Pinneberg zu, die intensive Außenhandelsbeziehungen pflegen. Unter dem Motto „Wo in aller Welt“ stellt das Abendblatt in einer neuen Serie solche Unternehmen vor. Zum Auftakt äußert sich Paul Raab, Leiter der Niederlassung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Kiel in Elmshorn, im Interview über Risiken und Chancen eines globalen Marktes.

Ein Sprichwort besagt, den Mutigen gehört die Welt. Können Sie sagen, wie mutig die Unternehmen im Kreis Pinneberg sind, also wie stark sie international tätig sind?

Paul Raab: Zum Thema Mut: Es hat auch durchaus seine Berechtigung, wenn ich mich als Unternehmer entscheide, mich ausschließlich auf dem deutschen Markt zu bewegen. Hier kann ich die Risiken gut einschätzen. Wer sich hinausbegibt, muss wissen, dass er anderen Risiken begegnet. Aber es birgt eben auch Chancen. Allgemein kann man feststellen, dass Außenhandel vor rund 150 Jahren wegen der schwierigen und langwierigen Kommunikationswege eine Premiumdisziplin war. Das ist er nicht mehr. Transport und Kommuniaktion über den Globus hinweg sind kein Problem mehr. Jeder Produzent und Händler hat in gewissem Maße Außenhandelskenntnisse, weil sie das Rüstzeug für erfolgreiche Unternehmensentwicklung sind. Die Handelsbeziehungen und das Volumen steigen.

Lässt es sich an Zahlen festmachen, wie stark die Region im Außenhandel ist?

Unternehmen, die ihre Produkte außerhalb der EU vertreiben wollen, brauchen zur Einfuhr in vielen Fällen eine Außenhandelsbescheinigung, die bezeugt, wo eine Ware ihren Ursprung hat und wo sie gefertigt worden ist. Diese stellen wir aus. Rund 7000 solcher Außenhandelsbescheinigungen haben wir als Vertretung der Industrie- und Handelskammer für die Region Unterelbe im Jahr ausgegeben. Wir wissen zudem von 173 Unternehmen, die hier im Kreis Pinneberg aktive Außenhandelsbeziehungen pflegen. Hinzukommen die Unternehmen, die in der EU-Zone tätig sind.

7000 Außenhandelsbescheinigungen: Ist das vergleichsweise viel?

Das ist mehr, als so manch andere IHK-Vertretung im Bundesland verzeichnet. Aufgrund der Lage im Hamburger Umland kann man schon sagen, dass wir einen Außenhandelsschwerpunkt haben. Das hat vor allem mit dem Hamburger Hafen zu tun. Flugfracht spielt eine eher untergeordnete Rolle bei den Unternehmen der Region Unterelbe.

Lässt sich sagen, in welche Länder die Unternehmen im Kreis Pinneberg überwiegend Handelsbeziehungen pflegen?

Ja. Das sind die Top Zehn: Dänemark (Agrarprodukte, Chemikalien und industrielle Reinigungsmittel), USA (Nahrungsmittel), Saudi Arabien (Maschinen, Papier, Pharmaprodukte), Niederlande (Agrarprodukte, Rohstoffe), Großbritannien (Maschinen und vorgefertigte Werkstücke), China (Maschinen, Papier, Häute/Felle), Polen (Agrarprodukte/vorgefertigte Werkstücke), Türkei (Maschinen/-teile), Indien (Medizinprodukte) sowie auf Platz zehn Ägypten, wohin Medizinprodukte und Chemikalien vertrieben werden.

Auf Platz 5 findet sich Großbritannien. Die Woche war geprägt von den Diskussionen um den Brexit. Wie sehr belasten der EU-Ausstieg und das Chaos darum die Unternehmen im Kreis Pinneberg?

Käme es zu einem harten Brexit, würde allein die Zollverwaltung die Unternehmen im Kreis Pinneberg nach unseren Schätzungen eine halbe Million Euro pro Jahr kosten. Die Zölle auf die Produkte kämen dann noch hinzu. Kein Abkommen zu treffen kann überhaupt keiner wollen. Und trotzdem wissen wir nach dieser Woche nur, was die Briten nicht wollen. Die unsichere Lage ist noch unsicherer geworden.

Inwieweit können Sie als IHK den Unternehmen in dieser Situation helfen?

Sobald etwas feststeht, werden wir kurzfristig eine Informationsveranstaltung für unsere Mitglieder organisieren, um über die aktuelle Situation zu berichten. Wir stehen da in engem Kontakt mit dem Zoll in Pinneberg und Itzehoe sowie unserer Auslandshandelskammer in London. Wir warten nur darauf, dass es eine endlich klare Entscheidung gibt.

Welche Länder außer Großbritannien sind derzeit problematisch für die Unternehmen der Region?

Die Sanktionen gegen Russland haben dazu geführt, dass Maschinenbauunternehmen seit mehreren Jahren nur noch bestehende Aufträge abarbeiten. Neue Aufträge wurden nicht angenommen. Das Russlandgeschäft im Kreis Pinneberg ist somit fast zum Erliegen gekommen. Auch dem relativ robusten Warenaustausch mit Deutschlands wichtigstem Handelspartner China geht die Luft aus. Der Handelsstreit zwischen den USA und China ist ein Grund dafür. Verunsicherung ist nie gut fürs Geschäft.

Was brauchen Unternehmen aus dem Kreis Pinneberg, um gute Geschäfte auch im Ausland tätigten zu können?

Eine gute Infrastruktur wie zum Beispiel den Ausbau des Glasfasernetzes, und hier in der Region ist natürlich der dringend benötigte Bau der A 20 zu nennen, der Unternehmen helfen würde, neue Märkte in Polen und im Baltikum besser zu erschließen. Zudem braucht es gute Partner an seiner Seite und ein Verständnis für den jeweiligen Markt. Da können wir als IHK mit unseren Auslandshandelskammern an 140 Standorten in 92 Ländern als Mittler helfen. Aber bei allen Herausforderungen und Problemen: Waren werden immer ihren Weg finden, und gerade die mittelständischen Unternehmen im Kreis Pinneberg haben in der Vergangenheit gezeigt, wie man erfolgreich Nischen besetzt und Veränderungen erfolgreich begegnet.

Serie „Wo in aller Welt“: Unter diesem Motto stellt das Hamburger Abendblatt in Pinneberg von sofort an immer montags Unternehmen aus der Region vor, die mit ihrer Arbeit weit über den Standort hinaus wirken. Erste Folge: Am Montag, 21. Januar, geht es um die Manufaktur Nagel aus Ellerbek, deren Gründer vor 35 Jahren in Sachen Tofu Pionierarbeit leisteten.