Pinneberg
Feuerwehr

Weihnachtsbaum brennt – Großalarm in Wedel

Dramatischer Einsatz bei einem Wohnungsbrand in Wedel. Ursache war ein brennender Tannenbaum.

Dramatischer Einsatz bei einem Wohnungsbrand in Wedel. Ursache war ein brennender Tannenbaum.

Foto: Joto / JOTO

Zwei Menschen nach Feuer an Bahnhofstraße in Lebensgefahr. Feuerwehr warnt davor, jetzt noch echte Kerzen in der Tanne anzuzünden.

Wedel/Hamburg. Es gibt gute Ideen und schlechte. Am 9. Januar – und somit viele Tage nach dem Fest, in denen ein Weihnachtsbaum in den geheizten Räumen immer trockener wird – noch einmal die echten Kerzen zu entzünden, gehört zu der Kategorie mit den schlechten Ideen. In diesem Fall gefährdete der Versuch zweier Wedeler, festliche Nachweihnachtszeit zu genießen, etliche Bewohner eines Mehrfamilienhauses, sie selbst schweben in Lebensgefahr.

Gegen 0.40 Uhr schrillte der Alarm

Die Feuerwehr warnte am Morgen nach dem schlimmen Brand in der Bahnhofstraße eindringlich davor, jetzt noch Kerzen am Weihnachtsbaum zu entzünden. Gegen 0.40 Uhr schrillte der Alarm, viele Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr in Wedel wurden zum Mehrfamilienhaus am Ende der Bahnhofstraße gerufen. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei von Donnerstag hatte in einer Wohnung im zweiten Obergeschoss ein Weihnachtsbaum Feuer gefangen. Doch nicht nur die Wohnung und ihre Bewohner waren betroffen, sondern aufgrund der starken Rauchentwicklung wurden umliegende Wohnungen und Nachbarn in Mitleidenschaft gezogen. Als die ersten Einsatzkräfte vor Ort eintrafen, brannte das Wohnzimmer der Wohnung im zweiten Stock lichterloh.

Betroffene über die Drehleiter gerettet

Mehrere Bewohner machten sich laut Feuerwehr am Fenster bemerkbar. Zwei Betroffene in Wohnungen im dritten Stock retteten die Einsatzkräfte sofort über die Drehleiter. Andere Wedeler, die ihre Wohnungen mit Tüchern gegen den eindringenden Rauch geschützt hatten, konnte die Feuerwehr durch das Treppenhaus hinausbringen und an die zahlreichen Sanitäter zur Behandlung übergeben. Dafür wurde eine Verletztensammelstelle an der Ecke Bahnhofstraße/Bei der Doppeleiche eingerichtet. Alle 16 Bewohner des Hauses wurden dort laut Feuerwehr untersucht. Teilweise waren sie barfuß und ihre Gesichter rußverschmiert, wie Helfer vor Ort berichteten.

Transport mit Rettungshubschrauber

Drei Betroffene mussten zur Behandlung in Krankenhäuser transportiert werden. Unter ihnen waren auch die Bewohner der brennenden Wohnung im zweiten Stock, die sich laut Abendblatt-Informationen selbst vor Eintreffen der Feuerwehr aus der Wohnung retten konnten. Allerdings trugen sie lebensgefährliche Verletzungen davon. Beide hatten Rauchgasvergiftungen und Verbrennungen. Der 69 Jahre alte Bewohner sogar so schlimm, dass er mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus nach Lübeck transportiert werden musste. Die 75 Jahre alte Mitbewohnerin kam mit dem Krankenwagen ins Unfallkrankenhaus in Boberg.

Feuerwehr warnt vor Gefahren

Damit der Hubschrauber landen konnte, wurde der Sportplatz an der Bekstraße zum Landeplatz umfunktioniert und von der Feuerwehr ausgeleuchtet. Eine weitere Anwohnerin, 73 Jahre alt, zog sich leichte Verletzungen zu. Sie konnte laut Polizei am Donnerstag nach einer Behandlung im Elmshorner Krankenhaus schon wieder entlassen werden. Anlässlich des schlimmen Brandes warnte die Feuerwehr am Morgen danach vor den unterschätzen Gefahren, die von trockenem Nadelholz ausgehen. Schon zur Weihnachtszeit sei die Gefahr durch echte Kerzen und Tannenbäume im Raum hoch, doch mit jedem Tag nehme die Brandgefahr zu. „Nach so vielen Tagen in trockener Heizungsluft reicht schon ein Funken aus“, warnt Dennis Renk von der Wedeler Feuerwehr.

Kerzen immer gefährlich

Daher raten die erfahrenen Brandbekämpfer grundsätzlichen von echten Kerzen ab. Kreisfeuerwehrchef und Landesbrandmeister Frank Homrich will zwar niemandem die echten Kerzen verbieten, aber auch er warnt: „Das ist eine Fackel, die man anzündet.“ Man könne gar nicht schnell genug reagieren, wenn solch ein trockener Baum Feuer fange, schon sei er weggebrannt, und es entwickele sich eine enorme Hitze. „Das muss einem klar sein, ob man dieses Risiko eingehen will. Oder ob man nicht lieber den Baum auch so anschaut und keine Kerzen anzündet“, gibt Homrich zu bedenken.

Sachschaden von 120.000 Euro

Inwieweit die Wedeler andere in Gefahr brachten, das ermittelt nun die Kriminalpolizei Pinneberg. Sie hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen und den Brandort beschlagnahmt. Die Höhe des entstandenen Sachschadens wird auf etwa 120.000 Euro geschätzt. Die vom Feuer betroffene Wohnung ist laut Polizei nicht mehr bewohnbar. Insgesamt waren 56 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Wedel mit zwölf Fahrzeugen sowie acht Rettungswagen aus dem Kreis Pinneberg und zwei aus Hamburg bis 4 Uhr nachts im Einsatz. Die Polizei rückte mit fünf Streifenwagen an.