Pinneberg
Rellingen

Welten von Eiskristallen bis zum Vulkan

Die Pinneberger Künstlerin Annelie Haack vor einem ihrer eisig schönen, blau-weißen Lappland-Bilder.

Die Pinneberger Künstlerin Annelie Haack vor einem ihrer eisig schönen, blau-weißen Lappland-Bilder.

Foto: Katja Engler

In der Rathaus-Galerie werden Werke von Annelie Haack gezeigt. Ihre Bilder bewegen sich zwischen Natur- und Seelenlandschaften.

Rellingen.  Die Pinneberger Malerin Annelie Haack (71) ist ein offener, überaus interessierter Mensch. Immer dann, wenn sie wieder ein anderes exotisches Land bereist, um dort einen Künstler-Workshop, ein Mal-Camp oder ähnliches zu besuchen, nimmt sie Neues auf, setzt es in Kunst um und erweitert ihre stilistische Ausdruckspalette.

Wer ihre Ausstellung in der Rellinger Rathaus-Galerie besucht, die an diesem Donnerstagabend eröffnet wird, kann die Spuren ihrer Fernreisen in ihren Bildern entdecken: Polen, Indien, Lappland, Marokko und immer wieder Schweden, wo sie am häufigsten hinfährt, um dort mit anderen Künstlern zu arbeiten, manchmal sogar in farbigem Glas.

In ihrem Berufsleben arbeitete Annelie Haack als Sekretärin. Aber nebenbei folgte sie seit den 1970er-Jahren ihren künstlerischen Neigungen, nahm Privatunterricht, besuchte Symposien und Kunstakademien und nahm an vielen Einzel- und Gruppenausstellungen teil.

Begonnen hat sie mit naiver Malerei, was in einigen älteren Gemälden in der Rellinger Rathaus-Galerie noch erkennbar ist. Die Technik der Collage zieht sich ebenso durch die gesamte Ausstellung wie die Lust am Experiment und am Aufbrechen der Zweidimensionalität durch Gegenstände, die sie auf Leinwand oder Papier fixiert. Interessant ist zum Beispiel, was aus einer Auto-Panne in Polen wurde: Weil ihr Volvo kaputtging, als Annelie Haack dort gerade ein Symposium besuchen wollte, entstanden Bilder mit zellenähnlichen Strukturen, in die sie Teile der rostigen Eisenschraube einklebte, die ein schusseliger Mechaniker nicht wieder festgeschraubt und damit die Panne verursacht hatte. Unweit dieser beiden Volvo-Schrauben-Bilder befindet sich ein Gemälde, in dem sie ihre Eindrücke von einem Schrottplatz voller halb versunkener Karosserien festhielt: „Dort, wo Öl ausgelaufen war, war das Moos besonders schön grün“, sagt sie. Sie meint das so. Und gibt dem Bild eine melancholische Stimmung.

Diese und viele andere neuere Arbeiten zeigen, dass sich Annelie Haack weitgehend davon verabschiedet hat, hübsche, bunte Niedlichkeiten zu malen. Davon legt zum Beispiel auch ein vierteiliges Bild Zeugnis ab, das sie „Zerstörung“ nennt. Ein intensives, ausdrucksstarkes Werk. Es zeigt die hell aufflackernden Flammen eines Lagerfeuers, die in einen dunkelblauen Nachthimmel emporschlagen, aber von wild darüber geklebten Leinenstreifen überwuchert werden. Für die Künstlerin hat das Bild mehrere Bedeutungs-Ebenen: „Viele gaukeln ihren Mitmenschen eine heile Welt vor. Aber das ist oft nur die Fassade, weil nicht jeder zugeben will, dass er leiden muss. Ich male aber lieber verwelkte Blumen als blühende“, sagt sie dazu. Lieber widmet sich Annelie Haack den elementaren Kräften der Natur – Eis, Luft, Feuer, Erde, Holz. Wachstum und Vergänglichkeit. Aber sie fasst auch eine zerklüftete Sicht auf die Welt und das Seelenleben in Bilder, gibt Verletzungen Raum und sogar mystischen Momenten. So etwas nimmt sie sich nicht vor, sondern es geschieht im Arbeitsprozess, wenn sie mit Fliesenkleber, Pigmenten und Wasser experimentiert, um einen Vulkanausbruch zu malen. Oder in einer verlassenen skandinavischen Hütte die Maserung an den Wänden durchschraffiert und dabei drei Gesichter deutlich erkennbar werden.

Ein Fenster irgendwo im Gemälde öffnet oder versperrt den Blick in eine weitere, oft etwas andere Realität, die manchmal auch durch einen Technik-Wechsel gekennzeichnet ist, zum Beispiel in Form eines fotografierten Fensters, das wiederum in eine dritte Realität hinausgeht. . .

Wunderschön sind ihre blauen Eislandschaften aus dem menschenleeren Lappland: Außen oder auf der Oberfläche schneeweiß, voller Kristallformen saugen sie den Blick in die verschachtelten Kammern nachtblauer Eishöhlen, in eine dunkle, endlose Tiefe.

Alle Bilder aber haben ständig mindestens zwei Besucher, die in einer Vitrine wachen und die sie „Stille Beobachter“ nennt: ein rötliches und ein bläuliches Schnitz-Gesicht, geformt aus Glas und eingelassen in ein aufrecht stehendes Stück Holz, das aus den Gesichtern Figuren macht.

Annelie Haack: Ausstellung bis 8.3. Rellinger Rathaus-Galerie, Hauptstr. 60, geöffnet Mo bis Fr 8.30 – 13 Uhr, Di auch 14 bis 18 Uhr.