Pinneberg
Elmshorn

Die CDU setzt auf Joker bei Europawahl

CDU Neujahrsempfang Elmshorn mit MP Daniel Günther mit Karla Fock und Nicolas Sölter (r.)

CDU Neujahrsempfang Elmshorn mit MP Daniel Günther mit Karla Fock und Nicolas Sölter (r.)

Foto: Burkhard Fuchs

Ministerpräsident Daniel Günther auf Neujahrsempfang in Elmshorn. Ministerpräsident von Datenleck betroffen, aber wenig Anrufe.

Elmshorn.  Voriges Jahr musste er kurzfristig die Einladung nach Elmshorn wegen der laufenden Verhandlungen für eine mögliche Jamaika-Koalition auf Bundesebene absagen. Dieses Jahr konnte er „diese Ausrede“ nicht noch einmal verwenden, sagte Ministerpräsident Daniel Günther zu Beginn seines Besuchs beim CDU-Neujahrsempfang in Elmshorn – auch wenn Innenminister Hans-Joachim Grote, den er 2018 als Vertretung in die Krückaustadt geschickt hatte, „schon mit den Hufen scharrte“.

Betont locker und humorvoll präsentierte sich „der Landesvater“ Günther, wie Elmshorns CDU-Parteichef Nicolas Sölter seinen prominenten Gast aus Kiel begrüßte. So kommentierte er die aktuell brisante Affäre um die im Internet kursierenden privaten Daten zahlreicher Politiker und Prominenter, die auch ihn persönlich betrifft. Seine private Telefonnummer habe er bewusst immer öffentlich für jedermann einsehbar gelassen. Das habe sein Amtsvorvorgänger Peter Harry Carstensen auch so gehalten, sagte Günther und nannte aus dem Gedächtnis gleich dessen frühere Nummer aus Nordfriesland. Das sorgte für viel Gelächter bei den etwa 150 Gästen im voll besetzten Gasthof Sibirien. Bei ihm hätte sich bislang nur ein Journalist gemeldet, der die Nummer habe überprüfen wollen. Und ein IT-Experte wollte ihn vor den Gefahren des Internets bewahren, erzählte Günther. Aber er habe da so seine eigene Philosophie: „Ich muss nicht zu allem eine Meinung haben und diese auf Twitter nach außen tragen.“

Das heiße allerdings nicht, dass er gegen Meinungsvielfalt sei, betonte Günther im Hinblick auf seine Rolle als CDU-Landesvorsitzender. Im Gegenteil. In der Partei könnte er keine Ja-Sager gebrauchen. „Ich muss auch unterschiedliche Meinungen zulassen.“ Darum habe er die unsägliche Sitte beendet, alles, was parteiintern zu kontroversen Diskussionen hätte führen können, an die Landesausschüsse zu delegieren. Diese offene Haltung lasse er auch gegenüber seinen beiden Koalitionspartnern Grüne und FDP in der Landesregierung gelten. Günther dazu: „Das ist das Geheimnis unseres Erfolges.“ Statt den Partnern kleinstmögliche Zugeständnisse zu machen, habe er den Koalitionären mehr Freiraum eingeräumt, wie den Grünen bei der Flüchtlingspolitik, sodass diese bei ihren Anhängern punkten und ihrerseits sich bei anderen Dingen kompromissbereiter zeigen konnten.

In 2019 stehe mit der Europawahl am 26. Mai „die wichtigste Europawahl an, die wir je hatten“, so Günther. Noch nie seien so viele Europafeindliche Kandidaten aufgestellt worden. „Darum ist es völlig ungewiss, ob das neue Europa-Parlament pro Europa ist.“ Für die CDU hofft er „auf das Wunder von 1999“. Damals habe die Partei das erste und einzige Mal zwei Mandate für Schleswig-Holstein in Brüssel gewonnen, mit Christian von Boetticher auf Listenplatz 2 hinter dem Dauer-Kandidaten Reimer Böge. Nun stehe mit dem gelernten Landwirt Lars Kuhlmann (42) aus Tangstedt erneut ein Kreis Pinneberger auf Platz zwei der Landesliste der CDU.