Pinneberg
Appen

Streit um Kommandeursvilla geht vor Gericht

Kreissprecher Oliver Carstens steht auf diesem Archivbild aus dem Dezember 2016 am Grundstück der damals schon  beschädigten Kommandeursvilla in Appen

Kreissprecher Oliver Carstens steht auf diesem Archivbild aus dem Dezember 2016 am Grundstück der damals schon beschädigten Kommandeursvilla in Appen

Foto: Burkhard Fuchs

Der Eigentümer klagt gegen den Baustopp, den die Denkmalbehörde für das Gebäude auf dem Appener Kasernen-Gelände verhängt hat.

Appen.  Der Streit um die Arbeiten an der unter Denkmalschutz stehenden Kommandeursvilla auf dem Appener Kasernen-Gelände hat eine neue Qualität erreicht. Der Eigentümer hatte Ende 2016 an dem Gebäude mit Sanierungsarbeiten begonnen und es dadurch nach Einschätzung der Denkmalschützer beim Kreis dermaßen verschandelt, dass die Behörde einschritt und die Arbeiten stilllegte (wir berichteten). Der Eigentümer hat mittlerweile dagegen Klage erhoben, ein Gerichtsverfahren steht bevor. Wie Kreissprecher Oliver Carstens auf Anfrage mitteilt, kann allerdings ein Jahr verstreichen, bis es einen Verhandlungstermin gibt.

Wie berichtet, sollen der Fußboden herausgerissen, die elektrischen Leitungen entfernt, die Heizung ausgebaut, Dachschrägen entfernt, der Putz von den Wänden geholt, sämtliche Türen und Zargen ausgebaut und sogar die originalen Fliesen von Wänden und Böden geklopft worden sein. Nichts davon war mit dem Denkmalamt abgesprochen oder von diesem genehmigt worden.

Die Kommandeursvilla wurde 1936 gebaut, sie war einst Wohnsitz des Stützpunktchefs in Appen. Einst waren die Räume im Erdgeschoss sehr repräsentativ: Bodentief waren die Fenster mit Blick in den Garten und auf die Kaserne dahinter, es gab einen ein Wintergarten, Parkettböden und einen Kaminofen. In einem Luftschutzraum im Keller waren Jagdszenen an die Wand gemalt.

Das Gebäude verlor seine Bedeutung, als die Residenzpflicht aufgehoben wurde, als also der jeweilige Kommandeur in Appen nicht mehr am Stützpunkt wohnen musste. Zuletzt soll die Witwe eines Kommandeurs in dem Haus gelebt haben, danach stand es über Jahre leer. Als die Bundeswehr zu der Einschätzung gelangte, dass sie die Kommandeursvilla nicht mehr benötige, kam die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ins Spiel, um die Immobilie zu verkaufen. Bis zum 4. Januar 2016 konnten Bewerber ihre Gebote abgeben. Wie Hartwig Hardell von der BImA seinerzeit bei einem Ortstermin mit dem Abendblatt erklärte, hatten sich 70 Bewerber die Villa zeigen lassen. Den Zuschlag bekam nicht derjenige mit dem besten Sanierungskonzept, sondern derjenige, der am meisten geboten hatte.