Agenda 2019

In Uetersen und Umland wird kräftig gebaut

| Lesedauer: 11 Minuten
Burkhard Fuchs und Thomas Pöhlsen
Andrea Hansen, Bürgermeisterin der Stadt Uetersen

Andrea Hansen, Bürgermeisterin der Stadt Uetersen

Foto: HA

Was kommt 2019? Was sind die bedeutenden Projekte in der Rosenstadt und den Gemeinden des Amtes Geest und Marsch Südholstein?

Uetersen/Moorrege.  Was passiert 2019 bei den Bürgern vor ihrer Haustür? In einer zehnteiligen Serie berichtet das Abendblatt über Projekte und Vorhaben in Städten und Gemeinden. In dieser Folge geht es um Uetersen und das Amt Geest und Marsch Südholstein.

Stadt Uetersen

Parkpalette: Das neue Jahr 2019 soll endlich einen jahrzehntelangen Dauerbrenner der politischen Diskussion in Uetersen von der Agenda nehmen: die Parkpalette an der Klosterkoppel. Vor Weihnachten entschied die Ratsversammlung mehrheitlich, einem Hamburger Investor das 6000 Quadratmeter große Parkhaus-Gelände für seine Pläne 18 Monate lang „an die Hand“ zu geben. Im Gespräch ist, dass hier in einem neuen bis zu sieben Geschosse hohen Gebäude bis zu 150 Wohnungen entstehen könnten. Zudem soll der Investor verpflichtet werden, 200 öffentliche Parkplätze zur Verfügung zu stellen. Die Stadt verspricht sich davon eine Einnahme von 1,5 Millionen Euro aus dem Verkauf. Bereits in den 1990er-Jahren schien das Areal für damals zwei Millionen Mark verkauft zu sein. Doch da nahm der Investor aus Itzehoe wieder Abstand davon. Nun hofft Bürgermeisterin Andrea Hansen, dass sich mit der neuesten Entwicklung ein altes Stück Innenstadtplanung in Wohlgefallen auflösen kann.

Kreisstraße 22: Weniger optimistisch ist Bürgermeisterin Hansen beim Ausbau der K 22. Zwar liegt jetzt der Planfeststellungsbeschluss des seit gut 30 Jahren geplanten Straßenausbaus vor. Doch zwei Anlieger in Tornesch haben Klage beim Verwaltungsgericht eingelegt. Der Kreis will das Urteil abwarten, das bis Ende 2019 erwartet wird, bevor er anfängt zu bauen. Aber die schwarzgrüne Koalition im Kreistag hat ausdrücklich 200.000 Euro bewilligt, um die viel befahrenen Ortskerne von Uetersen und Tornesch verkehrlich zu entlasten. „Hier muss auf jeden Fall etwas passieren, sonst droht uns der Verkehrinfarkt“, fordert Hansen.

Bus-Bahn-Gutachten: Eine Verkehrsentlastung zumindest für Bahnpendler könnte sich aus einer direkten Nahverkehrsverbindung zwischen Uetersen und dem Bahnhof in Tornesch ergeben. Dafür soll noch im Frühjahr der Politik ein neues Gutachten vorgestellt werden, das prüfen soll, ob dafür ein Schienenbus auf der alten Strecke der Uetersener Eisenbahn Sinn macht. Für die mögliche Umsetzung setzt die Stadt auf Zuschüsse vom Land.

Kita-Plätze: In Uetersen fehlten 224 Krippenplätze für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren und 53 Plätze für die Kinder von drei bis sechs Jahren, sagt Bürgermeisterin Hansen. Abhilfe wollen die Kirchengemeinden Erlöser, Christus und die katholische St. Ludgerus-Gemeinde sowie die Awo schaffen. Die Erlöserkirche will für 630.000 Euro zehn zusätzliche Krippen- und 20 Elementarplätze bauen. Die Christuskirche plant mit 1,1 Millionen Euro, 20 neue Krippenplätze in ihrem Waldkindergarten anzubieten. Ebenfalls 20 Krippen- und zehn Elementarplätze sollen für 850.000 Euro im katholischen St. Ludgerus-Kindergarten neu entstehen. Und die Awo will im Haus Sünnschien für 430.000 Euro 20 zusätzliche Elementarplätze schaffen. Weitere 50 Krippenplätze sind in Planung. Das seien wichtige Investitionen für die jungen Familien in den neuen Wohngebieten, sagt Bürgermeisterin Hansen. Allein der Betrieb der 90 Krippen- und 471 Elementarplätze in den fünf Kindergärten koste die Stadt vier Millionen Euro jährlich.

Wohngebiet, Tornescher Weg: Auf einem ehemaligen Gelände des Rosenzuchtbetriebes Tantau am Tornescher Weg ist auf einer Fläche von vier Hektar Land ein großes Neubaugebiet geplant. Die Firma Meravis aus Hamburg will dort insgesamt 280 Wohneinheiten schaffen. Darin enthalten sind auch Reihenhausanlagen.

Bauvorhaben Am Stichhafen: Die Hamburger Lorenz-Gruppe will am Stichhafen etwa 220 neue Wohnungen errichten. Die Mehrfamilienhäuser sollen im Abstand von 50 Metern zum Ufer gebaut werden. „Das Projekt wird eine Aufwertung des Standortes bedeuten“, sagt Hansen. Ein neues Stadtviertel entstünde. Die Lorenz-Gruppe ist auf die Entwicklung brachliegender Industrieflächen spezialisiert. In Quickborn baut sie auf dem Gelände der früheren Schokoladenfabrik gerade 70 neue Eigentumswohnungen.

Cäcilie-Bleeker-Park: Der alte Friedhof von 1833 soll zu einem gemütlichen Stadtpark umgestaltet werden, in dem man sich gern aufhält. Die Ratsversammlung hat 50.000 Euro bewilligt, um neue Sitzbänke anzuschaffen und ansehnliche Sitzecken zu schaffen. Hier, wo viele alte Uetersener ihre letzte Ruhestätte fanden, waren zahlreiche, als wertvoll geltende Grabplatten zerstört worden. Nebenan auf dem Gelände des früheren Krankenhauses werden zudem 43 neue Wohnungen gebaut.

Velo-Route: Die Fuß- und Radwege in Uetersen sollen systematisch erneuert werden. Dafür wird demnächst ein Gutachten die Einzelheiten erarbeiten. Die Bürger werden mit Umfragen daran beteiligt. Kernstück soll eine neue Veloroute sein, die von der Hebbelstraße bis nach Tornesch-Oha reicht. Bis zu 90 Prozent Fördergelder seien hier möglich, sagt Bürgermeisterin Hansen. Auch der Kreis Pinneberg hat ein neues Förderprogramm aufgelegt, das von 2020 an 1,5 Millionen Euro jährlich in neue Radwege im Kreisgebiet investieren soll.

Amt Geest und Marsch Südholstein

Im Amt Geest und Marsch Südholstein sind laut Amtsdirektor Rainer Jürgensen der Neubau des Verwaltungssitzes, Investitionen in Bildung und Sicherheit, die Ausweisung von Neubaugebieten sowie die Verbesserung der Telekommunikation Schwerpunkte für 2019.

Die Gemeinde Heist entwickelt sich zum zentralen Ort des Amtsbereiches. Der Breitband-Zweckverband Marsch und Geest hat dort seinen Sitz. Von dem Gebäude aus, in dem auch Grundschule, Gemeindebüro und Bücherei untergebracht sind, wird eine technische Aufrüstung in den Dörfern geplant. Neun amtsangehörige Gemeinden – nur Hetlingen hatte es einst geschafft, mit der Telekom eine umfangreiche Erschließung zu vereinbaren – sollen bis Ende 2020 mit dem schnellen Glasfasernetz ausgestattet sein.

Außerdem soll der Sitz der Amtsverwaltung von Moorrege nach Heist verlegt werden. Die Raiffeisenbank Elbmarsch baut auf dem Gelände einer früheren Gärtnerei im Bereich von B 431 und Hauptstraße. Die Genossenschaftsbank vermietet dann auf 25 Jahre an das Amt. 2019 beginnen die Planungen. Mögliche Termine für den ersten Spatenstich oder die Fertigstellung werden allerdings noch nicht benannt. Ferner wird in Heist noch ein Neubaugebiet im Bereich der Straße Im Dorfe geschaffen.

Moorrege muss sich
intensiv um seine Schulen kümmern. Dabei steht es beim Neubau der Gemeinschaftsschule Am Himmelsbarg nicht allein da, mit den Nachbardörfern Heist, Haseldorf, Haselau und Holm bildet es einen Schulzweckverband. Zu schultern ist allerdings eine Investition, die in einer ersten Schätzung auf elf Millionen Euro taxiert wird. Ein Grundsatzbeschluss wurde im Dezember gefällt, nun geht es an die weiteren Planungen. Das 1974 eröffnete Schulzentrum ist marode. Die Turnhalle, die zum Schulzentrum gehört, muss weiter saniert werden. Da immer noch nicht klar ist, woher die Nässe kam, die Verschimmelungen verursachte, wird jetzt ein neues Dach aufgesetzt. Damit soll das Regenwasser besser ablaufen können. Kosten: 243.000 Euro. Einige Mängel sind in der Moorreger Grundschule zu beheben. Ein Gutachten weist notwendige Investitionen von 500.000 Euro in ein neues Brandschutzkonzept aus. Anwohner bewegen zudem Erweiterungspläne der Nordmark am Werftweg. Die Überarbeitung des B-Planes dürfte 2019 von der Allianz von CDU und Grünen gegen Anwohnerproteste durchgewunken werden. Wenn Bürger juristisch dagegen vorgehen, könnte das Projekt Moorrege noch Jahre beschäftigen.

In Neuendeich nimmt die Feuerwehr die Aufmerksamkeit der Politiker voll in Beschlag. Da ist zum einen die Anschaffung eines neuen Feuerwehrfahrzeuges für 300.000 Euro. Damit rückt auch die Feuerwache, in den Fokus. Sie ist nicht nur zu klein für das neue Fahrzeug. Die Bedingungen, unter denen die Kameraden der Wehr arbeiten, sind sehr beengt. Deswegen muss über eine Erweiterung der Feuerwache beraten werden.

Gleiches gilt für Groß Nordend e. Auch dort steht die Anschaffung eines neuen Feuerwehrfahrzeuges an, geschätzte Kosten 300.000 Euro. Auch dort ist die bestehende Wache zu klein für das neue Fahrzeug. Und die Kameraden der Wehr finden dort nicht die Arbeitsbedingungen vor, die die Feuerwehr-Unfallkasse für ordnungsgemäß hält. Also muss auch in diesem Dorf die Wache erweitert werden.

In Appen wird kräftig gefeiert. Denn vor 750 Jahren wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Zudem steht der Neubau des Kindergartens im Vordergrund. Eine Sanierung des alten Hortes in der Straße Opn Bouhlen wurde als zu teuer angesehen. Die Kosten für den Neubau hinter dem Dorfgemeinschaftshaus sind allerdings kontinuierlich gestiegen. Derzeit wird von 5,35 Millionen Euro ausgegangen.

In Haseldorf dreht sich alles um das Multifunktionszentrum, mit dem die dörfliche Infrastruktur gebündelt werden soll. Sporthalle, offene Ganztagsschule, Betreuungsklasse, Kindergarten, Mensa, Feuerwehr, Veranstaltungsräume, Archiv und Bücherei könnten dort vereint werden. Mit einer Machbarkeitsstudie sollen die Möglichkeiten überprüft werden. Der Standort ist allerdings noch nicht klar. Außerdem schafft die Gemeinde ein neues Löschfahrzeug für 180.000 Euro an.

Mit ins Boot holen wollen die Haseldorfer Politiker bei den Planungen der Multifunktionszentrum die Kollegen aus Haselau, betreibt man doch Kindergarten und Grundschule zusammen. Die Haselauer wollen endlich das Neubaugebiet am Kleinen Landweg realisieren. Außerdem haben sich die Politiker die Verbesserung der Buslinie 589 vorgenommen, die nur morgens, mittags und abends von Wedel kommend nach Uetersen fährt.

Heidgraben arbeitet an einem Gewerbegebiet an der Hauptstraße, das zusätzliche Steuereinnahmen generieren soll. Außerdem stehen im neuen Jahr die Planung und Erschließung eines Wohngebietes im Dorfzentrum in unmittelbarer Nähe zum Markttreff an. Und die Gemeinde muss ein neue Feuerwache bauen. Eine erste Kostenschätzung geht von 1,3 Millionen Euro aus. Das dürfte nicht reichen, wird unter den Dorfpolitikern vermutet.

Die Erschließung eines heftig umstrittenen Baugebietes an der Holmer Straße hat kurz vor Ende 2018 begonnen. Mit dem Areal in unmittelbaren Nähe zum Baugebiet Blink soll Platz für Häuslebauer und Gewerbe in Hetlingen geschaffen werden. Und im Dorf soll der Gehweg an der L 261, der Hauptstraße durchs Dorf, saniert werden. Dies ist Sache der Gemeinde. In deutlich schlechterem Zustand ist der Weg an der L 261 zwischen Hetlingen und Holm. Dafür ist das Land zuständig.

Gleich zwei Bebauungspläne werden die Holmer beschäftigen. Kurz vor der Fertigstellung ist eine Fläche zwischen Uetersener Straße und Bredhornweg. Dort können demnächst die ersten Häuslebauer starten. Außerdem wird sich das Erscheinungsbild des Dorfkerns wesentlich verändern. Ein historisches Bauernhaus am Kreisel muss weichen. Ein Investor will dort stattdessen Doppel- und Mehrfamilienhäuser bauen.

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