Advents-Serie

Wer wird denn Weihnachten in die Luft gehen?

| Lesedauer: 4 Minuten
Mirjam Rüscher
Marina Henschen arbeitet als Flugleiterin auf dem Flugplatz in Uetersen

Marina Henschen arbeitet als Flugleiterin auf dem Flugplatz in Uetersen

Foto: Mirjam Rüscher

Hausnummern-Adventskalender: Betrieb auch an Heiligabend. Der Flugplatz Uetersen-Heist macht nur am ersten Feiertag Betriebsferien.

Uetersen/Heist.  Die Einkaufsstraßen und Läden füllen sich, auf den Weihnachtsmärkten tummeln sich die Menschenmassen. Während in der Weihnachtszeit an vielen Orten das Leben tobt, kehrt auf dem Flugplatz in Uetersen-Heist Stille ein. „Hier wird es ruhig, man könnte fast sagen: besinnlich“, sagt Marina Henschen. Sie ist Flugleiterin auf dem kleinen Flugplatz mit der Adresse Bültenkoppel 19.

Von ihrem Arbeitsplatz im Tower aus hat sie einen freien Blick auf das Flugfeld. Vereinzelt stehen Flugzeuge auf dem Rasen. Es nieselt, der Himmel ist grau und verhangen – und er ist leer. Kein Flugzeug ist weit und breit zu sehen. Marina Henschen wundert das nicht: „Im Winter haben wir deutlich weniger Landungen hier. Viele Flieger haben ihre Flugzeuge eingemottet. Im Sommer kann es schon mal anstrengend werden, weil hier so viele Flieger runterkommen.“

Doch obwohl auf dem Flugplatz im Winter kaum Betrieb herrscht, ist er fast täglich geöffnet, ist der Tower besetzt. „Wir sind ein Verkehrslandeplatz und haben Betriebspflicht. Im Sommer ist der Tower täglich von 9 bis 20 Uhr besetzt. Im Winter von 9 Uhr bis Sonnenuntergang plus 30 Minuten, das heißt im Moment bis 16.45 Uhr“, erklärt Henschen.

Wann die Flieger in Uetersen-Heist landen, liegt nicht in der Hand der vier Flughafenangestellten oder der Geschäftsführung. „Wir sind mehr Parkplatzwächter als Fluglotsen“, betont Henschen. Der Flugplatz ist unkontrolliert, das bedeutet, die Piloten handeln eigenverantwortlich. „Sie melden sich aus der Luft an, fragen nach der Start- und Landebahn, wir geben den Wind durch, und dann landen sie bei uns“, berichtet Henschen. Wenn einer der Piloten irgendwo lang fliegt, wo er nicht fliegen sollte, können Henschen und ihre Kollegen im Grunde nichts machen, außer ihn darauf hinzuweisen.

Aufgrund der Nähe zu Hamburg gibt es einen regen Betrieb auf dem Flugplatz. „Viele kommen hierher geflogen und fahren dann nach Hamburg zum Einkaufen“, sagt Henschen. Jeder Pilot, der in Uetersen-Heist landet, zahlt eine Landegebühr, die abhängig von Gewicht und Lautstärke des Fliegers ist. „Diese Gebühr zahlen alle, auch die Piloten aus den Vereinen, die hier auf dem Gelände ansässig sind“, erklärt Henschen. Über die Gebühren finanziert sich der Flugplatz, der als GmbH organisiert ist.

Marina Henschen ist selbst seit 20 Jahren in der Fliegerszene unterwegs. Die 52-Jährige ist Pilotin, sie fungiert seit sieben Jahren als Flugleiterin auf dem Flugplatz. Wenn sie nicht arbeitet, ist sie oft selbst mit ihrem Flieger in der Luft. „Im letzten Jahr bin ich nach Venedig geflogen, dieses Jahr über die Alpen. Man kann auch einfach mal auf eine Insel fliegen, Föhr, Langeoog oder so“, schwärmt Henschen.

Gefühl der Freiheit ist faszinierend

Das Faszinierende an ihrem Hobby sei das Gefühl von Freiheit. „Man kann sich frei in der Luft bewegen. Alles ist irgendwie zwanglos und losgelöst. All die Songtexte, die es über das Fliegen gibt, wie ,Über den Wolken‘ oder andere – sie stimmen“, sagt Marina Henschen und lacht.

Im Sommer kommen nicht nur die Piloten und Flugschüler zum Flugplatz, sondern auch Gäste, die von der Terrasse aus das Starten und Landen beobachten. Auch diese Besucher kommen im Winter kaum.

Die Jahreszeit bringe für die Flieger Einschränkungen mit sich. „Man kann nicht so viel machen“, so Henschen. „Es ist feucht, windig und kalt, man kann kaum lange Strecken fliegen.“ Trotz alledem: Der Flugplatz bleibt geöffnet. Immerhin kommt der eine oder andere doch noch vorbei.

Auch Heiligabend ist der Flugplatz bis mittags geöffnet. „Da sitzen wir dann traditionell mit den Kollegen zusammen, es kommen auch immer mal Besucher vorbei, um frohe Weihnachten zu wünschen.“ Am 1. Weihnachtstag ist dann Ruhetag auf dem Flugplatz, aber auch nur dann. Schon am 2. Weihnachtstag geht alles ganz normal weiter.

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