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Kreis Pinneberg

Schenefeld will eigene Stadtwerke gründen

Mathias Schmitz (Grüne) in Schenefeld.

Mathias Schmitz (Grüne) in Schenefeld.

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Rot-Grün setzt nach kontroverser Diskussion in der Ratsversammlung Beschluss knapp durch. Kommunales Werk als Partner gesucht.

Schenefeld.  Was Pinneberg, Rellingen, Uetersen und Wedel haben, soll bald auch in Schenefeld Realität werden: Die Ratsversammlung brachte während ihrer Sitzung am Donnerstagabend die Gründung eines Stadtwerkes auf den Weg. Mit einer Ein-Stimmen-Mehrheit konnten Sozialdemokraten und Grüne den Beschluss gemeinsam gegen den vehementen Protest von CDU, BfB, OfS und FDP durchsetzen.

Demnach werden nun 160.000 Euro in den Haushalt 2019 eingestellt. Damit soll ein Berater finanziert werden, der den Gründungsprozess begleiten soll. Die Stadtwerke sollen nicht allein, sondern zusammen mit einem Partner gegründet werden. Damit ist der jetzige Netzbetreiber die SH Netz AG aus dem Rennen. Die E.on-Tochter hatte der Stadt noch ein Kooperationsmodell angeboten. Als Partner kommt nur ein kommunales Stadt- oder Gemeindewerk infrage. Die Mehrheit der Anteile soll bei der Stadt Schenefeld bleiben.

„Unser wichtigstes Argument: Das Geld, das mit den Stadtwerken verdient wird, bleibt in Schenefeld“, sagte Jochen Ziehmann von den Grünen. Dafür muss das Gas- und Stromnetz vom derzeitigen Besitzer der SH Netz AG übernommen werden. Den Erwerb werden die Stadtwerke über Kredite finanzieren. Der Wert ist auf 8,1 Millionen Euro taxiert. Die Stadtwerke werden mit einem Kapital von 250.000 Euro ausgestattet. Ziehmann rechnet mit einem jährlichen Erlös von 500.000 Euro, der in die Stadtkasse fließt.

Ziel ist es, die erneuerbaren Energien auszubauen, die intelligente Vernetzung zu fördern und die Elektromobilität voranzubringen, ergänzt der Grüne Fraktionschef Mathias Schmitz. Später könnten weitere Angebote hinzukommen, wie der Handel mit Strom und Gas sowie der Ausbau des Breitbandnetzes für ein schnelleres Internet.

Kritiker sprechen von „rot-grünen Tagträumen“

Die SPD habe sich auf Ortsvereins- und Fraktionsebene intensiv mit dem Thema befasst, erklärte ihr Fraktionsvorsitzender Niels Wieruch. Anfangs gab es ein breites Meinungsspektrum. Schließlich habe sich Fraktion und Ortsverein für die Stadtwerke entschieden, so Wieruch. Bei der Abstimmung votierte allerdings der Sozialdemokrat Ronald Vierke gegen seine Fraktion. Kommunale Werke sind aus der Sicht von Wieruch keine Selbstgänger mehr, aber für ihn steht fest: „Die Risiken sind beherrschbar.“

Während Rote und Grüne die Chancen hervorhoben, fokussierte sich die anderen Parteien auf die Risiken. Über „eine hervorragende Netzqualität“ verfügt Schenefeld derzeit nach Meinung des CDU-Fraktionsvorsitzenden Hans-Jürgen Rüpcke. „Wir haben keine Ahnung von Strom und Gas.“ Die Stadtwerkegründung ist deswegen für den Konservativen „ein Abenteuer“.

Als „rot-grüne Tagträume“ kritisiert Kai-Uwe Harms (FDP) die Pläne. Der kommunale Versorger könnte den Bürgern „keinen Mehrwert anbieten“. „Rechnet es sich?“, fragte Manfred Pfitzner (BfB). Für ihn ist der Beschluss ein Weg in die Ungewissheit. Schenefeld sei mit dem derzeitigen Versorger „sehr gut aufgestellt“.