Pinneberg
Verkehr

Freie Fahrt auf Pinnebergs Westumgehung

Von links: Roland Schultz, Fachdienstleiter Verkehr, Erster Stadtrat und Ratsherr Klaus Seyfert, Bürgermeisterin Urte Steinberg und Bauamtsleiter Klaus Stieghorst

Von links: Roland Schultz, Fachdienstleiter Verkehr, Erster Stadtrat und Ratsherr Klaus Seyfert, Bürgermeisterin Urte Steinberg und Bauamtsleiter Klaus Stieghorst

Foto: Katja Engler

Stadt eröffnet ein anderthalb Kilometer langes Teilstück der Entlastungsstraße. Der letzte Abschnitt wird im Spätsommer 2019 fertig.

Pinneberg.  Fast auf den Tag genau vor drei Jahren war der erste Spatenstich für die Pinneberger Westumgehung – nach 60 Jahren Kontroversen, Planungs- und Vorbereitungszeit. Am Donnerstag wurde der zweite Bauabschnitt von der Elmshorner bis zur Prisdorfer Straße eröffnet – in Anwesenheit von Bürgermeisterin Urte Steinberg, Verkehrsfachdienstleiter Roland Schultz, Bauamtsleiter Klaus Stieghorst und dem Ersten Stadtrat und Ratsherren Klaus Seyfert (CDU), der die Rede von Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) verlas. Dieser konnte nicht kommen, weil die Pinneberger den Eröffnungstermin vorverlegt hatten. Anwesend waren außerdem einige Politiker, die Drahtzieher der Initiative „Westumgehung jetzt!“, ADFC-Vertreter, einige Straßenarbeiter und Schaulustige.

Minister Buchholz ließ über Klaus Seyfert „eine erheblich verbesserte Verkehrsführung und so eine Verkehrserleichterung“ ankündigen. 20,2 Millionen Euro lässt sich das Land die Straße kosten. „Das ist, davon bin ich überzeugt, gut angelegtes Geld, da Pinneberg ein Verkehrsknotenpunkt ist, erhebliche Pendlerzahlen aufweist und somit dringend von Verkehren entlastet werden sollte, die nicht zwingend durch die Innenstadt führen müssen.“ Das Kernziel des Landes sei es, „die vorhandene Infrastruktur konsequent zu sanieren und sie bedarfsgerecht auszubauen, damit unser Land fit für die Zukunft ist, damit die Wirtschaft sich gut entwickeln kann und die Bürger vernünftig von A nach B kommen“.

Bauamtsleiter Stieghorst wies rückblickend darauf hin, dass über das Projekt „nicht von Anfang an Konsens bestanden“, dass es jahrelang auf der Kippe gestanden habe. „Im Vergleich zu der langen Vorgeschichte wurde jetzt Lichtgeschwindigkeit hingelegt.“

Kritisch sagte Bürgermeisterin Urte Steinberg: „Vielleicht steht die Westumgehung auch symbolisch für die viel zu langen Planungs- und Bauprozesse bei Infrastrukturprojekten in Deutschland.“ Dann aber blickte sie vehement nach vorn und eröffnete, „dass uns Dutzende von Anfragen vorliegen von Firmen, die händeringend Grundstücke in Autobahnnähe suchen“. Ohne die neue Straße könnten die neuen Gewerbegebiete Ossenpadd und Müssentwiete nicht entwickelt werden. Jetzt aber könne ein annähernder Zeitplan erstellt werden, wann sich die ersten Firmen dort ansiedeln könnten. „Wenn die Konjunktur weiter so gut läuft und die Zinsen so niedrig bleiben, wird es ab 2020 richtig spannend, wer sich ein Gewerbegrundstück sichert und für die eigene Firma bauen wird“, sagte die Bürgermeisterin.

Der fertig gewordene Abschnitt schließt dort an, wo die Quickborner Straße mit Anschluss an die Autobahn-Ausfahrt Pinneberg-Nord endet. Er beginnt an der Elmshorner Straße und verläuft unter der Brücke an den Fischteichen bis zur Prisdorfer Straße. „Das größte und schwierigste Bauwerk war die Brücke über die Bahn, und die ist jetzt fertig“, so Verkehrs-Fachdienstleiter Roland Schultz. Nur wenigen sei klar, dass die Westumgehung nicht eine Baustelle sei, sondern 20 unterschiedliche, vom Unterführungsbau über das Höherlegen von Hochspannungsleitungen bis zur Lärmschutzwand.

Ebenfalls fertig werden voraussichtlich bis Weihnachten 80 Parkplätze unter der Brücke Siemensstraße. Die etwas tiefer liegende Prisdorfer Straße wurde wegen neuer Abbiegespuren verbreitert, neue Beleuchtungs- und Ampelanlagen wurden installiert. Der breite Radweg bis zur Elmshorner Straße führt hinter der Lärmschutzwand entlang, der ADFC ist zufrieden.

Bereits in der vergangenen Woche wurde die Fußgänger- und Radfahrerbrücke in der Straße An den Fischteichen fertig. Sie ist für Schulkinder aus dem Wohngebiet Im Hauen zum Schulzentrum Nord wichtig, weil dieser Weg kürzer und sicherer ist. Auch die Kleingartenanlage ist über die Brücke von Pinneberg-Nord aus wieder besser fußläufig erreichbar. Anfang kommenden Jahres wird die Umgebung noch bepflanzt, und Straßenlaternen werden aufgestellt.

Wer Straßen baut, erlebt immer wieder Überraschungen, und die gehen meistens ins Geld: Auch diesen Abschnitt der Westumgehung fertigzustellen, war mit Hindernissen verbunden und hat das Projekt nochmals verteuert. Die aktuelle Summe liegt jetzt bei 36,2 Millionen Euro, das sind 700.000 Euro mehr, als vor einem halben Jahr angenommen worden ist. Warum es noch mal mehr kostet, hat verschiedene Gründe, die der Ingenieur Karsten Lübke vom Planungsbüro Inros Lackner erklärt. Allein der Knotenausbau zur Elmshorner Straße habe drei Monate gedauert: „Der Asphalt war so kaputt, dass wir ihn austauschen mussten.“ Auch an der Prisdorfer Straße musste Boden ausgetauscht werden, was die Sache verteuerte. Überraschend kompliziert war auch die Entwässerung.

Der restliche Abschnitt der Westumgehung soll im Spätsommer oder Anfang Herbst 2019 fertig werden. So jedenfalls sieht es der Fachdienstleiter Verkehr, Roland Schultz. Und der betreut das Projekt seit 29 Jahren.