Pinneberg
Advents-Serie

Schöne Bescherung bei der Schenefelder Tafel

Vier der fast 90 ehrenamtlichen Helfer der Schenefelder Tafel: Johanna Winkel-Medro (v.l.), Gaby Simon, Thomas Bornholdt und Gabi Klempau geben regelmäßig Lebensmittel aus.

Vier der fast 90 ehrenamtlichen Helfer der Schenefelder Tafel: Johanna Winkel-Medro (v.l.), Gaby Simon, Thomas Bornholdt und Gabi Klempau geben regelmäßig Lebensmittel aus.

Foto: Arne Kolarczyk

Hausnummern-Adventskalender: An Tag 13 beschenken die Ehrenamtlichen mehr als 130 Kinder – und bekommen selbst einen Preis.

Schenefeld.  Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Essensausgabe warten die ersten Kunden vor dem unscheinbaren Gebäude mit der Adresse Osterbrooksweg 13a. Mathias Schmitz kennt viele von ihnen. Er ist der Erste Vorsitzende der Schenefelder Tafel, die zweimal pro Woche bedürftige Menschen mit Essbarem versorgt.

Am heutigen Donnerstag halten die 80 bis 90 ehrenamtlichen Helfer, die den Betrieb der Tafel organisieren, noch etwas mehr als Lebensmittel bereit. „Wie in den Vorjahren beschenken wir die Kinder unserer Kunden“, sagt Schmitz. Viele von ihnen stammten aus armen Familien und würden vom Weihnachtsmann nicht gerade reich bedacht Aus diesem Grund springt die Schenefelder Tafel ein – und hält dank ihrer Unterstützer Geschenkpakete bereit.

„Wir werden in diesem Jahr 130 bis 140 Kindern eine Freude bereiten“, sagt der Vereinschef. Ein Teil dieser Pakete sei von Eltern und ehemaligen Eltern der Erlöserkirchengemeinde aus dem benachbarten Halstenbek gepackt worden. Der Rest stamme aus einer Wunschbaumaktion des Großmarktes Real in Hamburg-Lurup. „In den Paketen sind etwa Spielzeug, Puppen, Bekleidung oder auch Rucksäcke“, sagt Schmitz weiter. Er werde sich persönlich als Weihnachtsmann verkleiden und die Geschenke überreichen. Einen Teil am heutigen Donnerstag, den Rest am Dienstag kommender Woche.

Dieser Tag ist gleichzeitig der letzte Ausgabetag in diesem Jahr. „Wir sammeln dann am Abend des 2. Januar 2019 wieder Lebensmittel ein und starten die Ausgabe am Donnerstag, 3. Januar“, kündigt der Tafel-Chef an. Bis dahin bräuchten auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter und er mal eine Pause. Schmitz: „Keiner von uns wird für seine Arbeit bezahlt. Und wir als Verein bekommen keine Zuschüsse, sondern bestreiten unseren Betrieb allein aus Spenden.“

2011 hielt die Stadt einen Bürgerkongress ab. Am Ende lautete ein Vorschlag, dass Schenefeld eine Tafel brauche. Ein Jahr später erfolgte die Vereinsgründung, und in den gemieteten Räumen im Osterbrooksweg 13a kam es zur ersten Essensausgabe. „Bei unseren Kunden handelt es sich um alleinerziehende Mütter, die nicht arbeiten können. Wir haben ältere Frauen hier, deren Lebenspartner gestorben sind und die in der Rentenfalle festhängen. Und es kommen Personen zu uns, die aus Krankheitsgründen keinen Job ausüben können und kaum noch Einkommen haben“, erläutert Schmitz. In Spitzenzeiten seien zudem 70 Prozent der Kunden Flüchtlinge gewesen. „Ihr Anteil ist inzwischen stark gesunken, weil viele jetzt woanders leben oder sich selbst ernähren können.“

Als die Flüchtlingswelle ihren Höhepunkt erreicht hatte, musste die Tafel 370 Ausgaben pro Woche bewältigen. „Aktuell liegen wir bei 280 Ausgaben pro Woche.“ Um das organisieren zu können, sind die Kunden in sechs Gruppen eingeteilt, die jeweils mit unterschiedlichen Farben versehen sind. Ein Teil der Kunden kommt aus Halstenbek. Den Transport zum Osterbrooksweg übernimmt die dortige Ideenwerkstatt.

Drei Gruppen kommen dienstags, die anderen drei am Donnerstag. Die Ausgabe erfolgt jeweils von 15 bis 17 Uhr. Die Zeiten pro Gruppe variieren von Woche zu Woche. „Wir versuchen, die Verteilung so fair wie möglich zu organisieren“, sagt der Vereinschef. Daher mache man auch in der Mitte der Ausgabe eine Pause, um die Körbe noch einmal aufzufüllen. Schmitz: „Wir geben zwei Drittel vor der Pause raus, das restliche Drittel nach der Pause.“

Um an die Lebensmittel zu gelangen, klappern die Helfer die Supermärkte der Umgebung ab. Rewe, Penny, Aldi, Lidl und die Edeka-Böge-Märkte in Rellingen, Halstenbek und Pinneberg-Waldenau werden nach einem genau festgelegten Fahrplan angesteuert. Gemüse, Obst, Wurst, Molkereiprodukte: Alles, was ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum hat oder aufgrund optischer Beeinträchtigungen nicht mehr verkauft werden kann, landet bei der Tafel. „Wir sind quasi Teil der Entsorgungskette der Märkte und bekommen alles, was man noch guten Gewissens weitergeben kann.“ Bevor die Lebensmittel den Kunden ausgehändigt werden, sortieren die Tafel-Mitarbeiter eventuelle schadhafte Dinge aus.

Aktion „Kauf mehr“ bringt viele Spenden ein

„Inzwischen kommen auch viele Leute zu uns, die direkt vor Ort Lebensmittelspenden abgeben“, so der Vereinschef weiter. Mehrfach im Jahr stehen die Ehrenamtlichen auch vor den Partner-Supermärkten, um für ihre „Kauf mehr“-Aktion zu werben. „Wir versuchen, die Kunden zu motivieren, einige zusätzliche Artikel einzukaufen und uns diese zu spenden“, so Schmitz. Die vorerst letzte Aktion dieser Art vor zwei Wochen habe 116 volle Kisten mit Lebensmitteln eingebracht – und 200 Euro Spendengeld.

Der eingetragene Verein, der Träger der Tafel ist, hat aktuell 275 Mitglieder. Sie zahlen einen jährlichen Mindestbeitrag von zwölf Euro – oder auf Wunsch auch mehr. Geld für die Tafel gibt es in diesem Jahr ausnahmsweise auch von der Stadt – nämlich Preisgeld. 2000 Euro fließen an den Verein, weil die Schenefelder Tafel als Empfänger des städtischen Ehrenpreises ausgewählt wurde. „Vielleicht gibt uns das noch einen Schub und bringt neue Mitglieder“, hofft Schmitz. Für ihn und seine Mitstreiter sei dies ein besonders schönes Weihnachtsgeschenk – auch wenn die Preisübergabe erst am 13. Januar 2019 erfolgt. . .