Pinneberg
Kreis Pinneberg

Unternehmen suchen dringend Fachkräfte

Der Unternehmensverband Unterelbe-Westküste stellt die Konjunkturumfrage für den Kreis Pinneberg bei Holz-Junge vor: Ken Blöcker (v. l.), Jens Junge, Sebastian Koch, Michael Hentrich und Carsten Junge beklagen sich über akuten Fachkräftemangel.

Der Unternehmensverband Unterelbe-Westküste stellt die Konjunkturumfrage für den Kreis Pinneberg bei Holz-Junge vor: Ken Blöcker (v. l.), Jens Junge, Sebastian Koch, Michael Hentrich und Carsten Junge beklagen sich über akuten Fachkräftemangel.

Foto: Burkhard Fuchs

Umfrage des Unternehmensverbands: Angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt verursacht wirtschaftliche Schäden.

Kreis Pinneberg.  Der Fachkräftemangel hat die Unternehmen fest im Griff, wie die aktuelle Umfrage des Unternehmensverbandes Unterelbe Westküste bei seinen 400 Mitgliedsbetrieben von Sylt bis Wedel ergibt. Demnach klagen bereits mehr als zwei von drei Unternehmern, dass sie wirtschaftlichen Schaden erlitten, weil sie keine geeigneten Arbeitnehmer mehr auf dem Arbeitsmarkt fänden. Jedes dritte der 34 Unternehmen aus dem Kreis Pinneberg, die sich an dieser Konjunkturumfrage beteiligt haben, brauche bereits länger als drei Monate, um eine frei gewordene Stelle wieder neu zu besetzen.

Das sei ein neuer Höchstwert, die Lage spitze sich zu, sagt Verbandsgeschäftsführer Sebastian Koch. So habe sich der Anteil derer, die in angemessener Zeit keinen neuen Mitarbeiter finden, innerhalb eines Jahres bereits verdreifacht. Jeder fünfte befragte Manager habe schon resigniert, weil das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften für seine Belange hier praktisch „gar nicht mehr“ existiere. Auch dieser Wert hat sich seit Ende 2017 verdreifacht. Insgesamt seien es rund 70 Prozent der hiesigen Unternehmen, die die Verfügbarkeit von Fachkräften schlicht für unbefriedigend erachteten.

Ältere gehen in Rente, Jüngere bewerben sich weg

Diese aus Unternehmersicht bitteren Aussagen können die Inhaber des Baumarktes Holz-Junge in Elmshorn bestätigen. „Fünf Stellen sind zurzeit unbesetzt“, sagt Jens Junge, der in Elmshorn 75 Mitarbeiter beschäftigt. Die Nähe zu Hamburg sei ein großes Problem. „Unser Markt ist regional. Aber beim Gehaltsgefüge der Arbeitskräfte müssen wir Großstadt-Niveau zahlen.“ Das sei ein Wettbewerbsnachteil. Auch beim bundesweit agierenden Tiernahrungshersteller Salvana in Sparrieshoop sei die Lage nicht besser, erklärt Geschäftsführer Michael Hentrich. Er könne zurzeit zehn vakante Stellen vom Außendienst bis zur Verwaltung nicht besetzen. „Einen IT-Experten zu suchen ist der wahre Horror.“

Hauptgründe für diesen akuten Fachkräftemangel sind nach der Umfrage, dass ältere Arbeitnehmer ausschieden oder sich Mitarbeiter wegen des besseren Angebots plötzlich woanders hin bewerben würden, so Ken Blöcker vom Unternehmensverband. Jedes zweite Unternehmen, das sich erweitern wolle, bekomme diesen Fachkräftemangel direkt zu spüren. All das führe dazu, dass in vier von fünf befragten Unternehmen die vorhandenen Arbeitskräfte die Lücke durch Mehrarbeit schließen müssten.

Für den Verband bedeuteten diese Alarmsignale, dass in den Schulen verstärkt für die duale Ausbildung hierzulande geworben werden sollte, damit wieder mehr junge Leute eine Ausbildung absolvieren, statt studieren zu wollen. Auch die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte sollte erleichtert, die Betreuung in den Kindergärten verbessert und das Ganztagsangebot an den Schulen ausgeweitet werden, damit mehr Eltern arbeiten könnten, die zurzeit noch in der Betreuung ihrer Kinder gebunden sind, fordern jeweils etwa vier von zehn befragten Arbeitgebern.

Die Auftragsbücher sind weiterhin prall gefüllt

Denn wegen der Überalterung der Bevölkerung werde sich diese Entwicklung schon in absehbarer Zeit weiter verschärfen, erklärt Verbandschef Blöcker. Während heute noch drei Arbeitnehmer die Rente eines Ruheständlers finanzierten, seien es im Jahr 2030 nur noch zwei Arbeitnehmer pro Rentner. Um dieses „strukturelle Problem“ wieder in den Griff zu bekommen, müsste das Arbeitspotenzial in allen Bereichen ausgeschöpft und müssten insbesondere Frauen, die wieder in den Beruf einsteigen wollen, Menschen mit Behinderungen und Migranten künftig verstärkt für den Arbeitsmarkt gewonnen werden, fordert Blöcker.

Abgesehen von diesen Problemen geht es der Wirtschaft im Kreis Pinneberg weiterhin gut. Drei von vier Unternehmen sind zu mehr als 90 Prozent ausgelastet. Die Auftragsbücher sind weiterhin prall gefüllt, auch wenn sich hier eine erste Abschwächung in den Umfragen zeige. Trotz des Fachkräftemangels gelang es jedem vierten Unternehmen, im vergangenen Halbjahr die Zahl seiner Mitarbeiter noch zu erhöhen. Dass das auch im neuen Jahr noch möglich sein wird, glauben allerdings nur wenige. Aus Sicht der Arbeitnehmer beschreibt die Umfrage, dass neun von zehn Arbeitsplätzen zurzeit als sehr sicher erscheinen.