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Warum die Stadt Wedel den Strand vermisst

Daniel Krieger (r.) dokumentiert derzeit mit seiner Drohne den Zustand des Elbstrandes. Andres Nicola analysiert bei Unterwasseruntersuchungen per Echolot den Grund des Flusses.  

Daniel Krieger (r.) dokumentiert derzeit mit seiner Drohne den Zustand des Elbstrandes. Andres Nicola analysiert bei Unterwasseruntersuchungen per Echolot den Grund des Flusses.  

Foto: Thomas Pöhlsen

Wieso verschwindet der Sand am Wedeler Elbufer? Wissenschaftler gehen dieser Frage jetzt mithilfe von Drohne und Echolot nach.

Wedel.  Wie Ikarus in die Lüfte muss sich der Wissenschaftler nicht schwingen, um den Zustand des Wedeler Strandbades von oben zu ergründen. Daniel Krieger lässt fliegen. Mithilfe einer Drohne nimmt er derzeit den Strandstreifen an der Elbe in Augenschein. Der Vermessungsingenieur von VAI Schirrmacher-Krieger soll mit seinen Daten einen Beitrag dazu leisten, die Veränderungen an der Badestelle zu dokumentieren.

Wo am Anfang des Jahrzehnts noch trotz Flut ein mehrere Meter breiter Sandstreifen von vielen Spaziergängern genutzt wurde, schwappt das Wasser jetzt bis fast an den Beachclub heran. Scherben und Steine treten zutage, die früher tief im Sand versteckt lagen. Die Stadt hat Professor Peter Fröhle vom Institut für Wasserbau der Technischen Universität Hamburg-Harburg beauftragt, den Grund für den massive Sandabfluss zu finden. Und der Professor will sich bei seiner Arbeit auf die Daten des Ingenieurs aus Hamburg stützen.

Mit viel Liebe zum Detail und einem Leuchten in den Augen berichtet Daniel Krieger von seiner Arbeit. Knapp 600 Bilder hat er mit seiner Drohne gemacht. Bei einem Flug längs der Wasserkante aus 70 Meter Höhe und bei einem zweiten Flug quer zum Strand aus 80 Meter Höhe wurden die Fotos geschossen. Dabei konnte er nur ein kurzes Zeitfenster nutzen. Der Drohnenpilot braucht ausreichend Tageslicht, annähernd Windstille und kann nur bei Niedrigwasser arbeiten, weil dann möglichst viel des Ebbe und Flut ausgesetzten Strandes abzulichten sind.

Ein Computer, weit mächtiger als der, den Otto Normalverbraucher zu Hause stehen hat, muss einen Tag lang rechnen, um alle Aufnahmen zu verarbeiten. Daraus entsteht dann ein dreidimensionales Bild. Mit der passenden Software kann die Darstellung am Bildschirm gedreht und gewendet werden. So lässt sich ein besserer Eindruck gewinnen. Für die wissenschaftliche Untersuchung des Professors ist allerdings noch eine zweite Untersuchung notwendig. In sechs Monaten wird der Drohnenflug wiederholt. Durch den Vergleich der beiden Untersuchungen kann der Professor Rückschlüsse auf die Gründe für den Sandabtrag ziehen.

Dazu wird er auch die Ergebnisse zweier Unterwasseruntersuchungen nutzen, die bei Andres Nicola von Nicola Engeneering in Auftrag gegeben wurden. Per Echolot analysiert der Halstenbeker derzeit den Grund der Elbe. Seine Daten werden dann zusammen mit den Drohnendaten eine umfangreiche Darstellung des Wedeler Elbuferbereiches ermöglichen.

Bauliche Veränderungen an der Elbe wie der Bau der neuen Hafenmole dürften eine Rolle bei dem Sandabtrag gespielt haben, sagt Nicola. Wie weit der Einfluss reicht, sei allerdings offen und könne erst im Rahmen der Arbeit des Professors beantwortet werden.

Einen Zeitplan, wann die Untersuchungen abgeschlossen sind, der Professor seine Analyse abgeschlossen hat und die Politiker sich damit beschäftigen können, gibt es nach Auskunft von Sven Kamin, Pressesprecher der Stadt Wedel, allerdings noch nicht.

Im Juli hatten die Wedeler Politiker des Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschusses die Untersuchung in Auftrag gegeben. Dabei soll nicht nur der Sandabtrag analysiert, sondern auch die Verschlickung des Schulauer Hafens sowie beim Willkomm-Höft untersucht werden. Professor Peter Fröhle vom Institut für Wasserbau der Technische Universität Hamburg stellte die Methoden wie den Drohnenflug und die Echolotfahrten vor, mit denen die neuralgischen Bereiche untersucht werden können. Zu seiner Vorstellung im Frühsommer hatte der Wissenschaftler drei Luftbilder einer Internet-Suchmaschine mitgebracht, die den massiven Sandabtrag zwischen 2010 und 2016 dokumentieren. Der Professor soll zudem Vorschläge ausarbeiten, wie der Sandabtrag und die Verschlickung gestoppt werden können.

Daten dokumentieren auch Zustand vor der Elbvertiefung

Wichtig war den Politikern zudem die Klärung der Frage, inwieweit der jüngste Ausbaus des Pontons am Willkomm-Höft und des Schulauer Hafens zu den Veränderungen am Strand beigetragen haben. Sandaufspülungen, mit denen der Strand wiederhergestellt werden sollte, wurden damals erst einmal verschoben, bis die Ursachen des Problems geklärt werden können. Einen möglichen Randaspekt habe die Untersuchungen: Sie könnte als Beweissicherung bei der Elbvertiefung dienen. Sollte es Probleme infolge der Ausbaggerung geben, könnte die Stadt die Materialien ins Feld führen.